ADHS easy | adhseasy

ADHS easy – Wir stärken Familien mit ADHS-Kind

Der Weg von den ersten Anzeichen bis zu einem erfüllten Leben mit ADHS kann herausfordernd sein. Diese Website begleitet dich durch alle Phasen – von der ersten Vermutung über die Diagnose bis hin zu praktischen Alltagshilfen. Du findest hier fundiertes Wissen, konkrete Handlungsempfehlungen und vor allem die Gewissheit: Du bist nicht allein, und es gibt wirksame Unterstützung für dich und dein Kind – durch Stärke wird ADHS easy.

Eure ADHS-Journey© in 8 Schritten

Klicke auf einen Step, um direkt zu den Informationen zu gelangen, die für dich gerade relevant sind:

Verdacht: Hat mein Kind ADHS?

Erste Anzeichen erkennen und einordnen

Beratung & Weg zur Diagnose

Die nächsten Schritte nach dem Verdacht

Diagnose: Die Diagnostik

Was passiert während der Diagnostik?

Ergebnis: Dein Kind hat ADHS

Die Diagnose verstehen und annehmen

Neue Welt: Die nächsten Schritte

Therapieoptionen und Unterstützung

Medikamente: Verändert sich mein Kind?

Wirkung, Sicherheit und Nebenwirkungen

Hilfe zuhause und im Umfeld

Struktur, Routinen und Alltagshilfen


Step 1: Verdacht – Hat mein Kind ADHS?

Wir beginnen mit Step 1 unserer ADHS-Journey© und damit, dass erste Zweifel meist schleichend kommen: Dein Kind ist unruhiger als andere, vergisst ständig Dinge, kann sich nicht konzentrieren oder reagiert impulsiv. Du fragst dich: Ist das noch normales kindliches Verhalten – oder könnte mehr dahinterstecken?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die sich durch drei Hauptsymptombereiche auszeichnet: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Nicht jedes Kind zeigt alle Symptome gleich stark – es gibt verschiedene Erscheinungsformen von ADHS.

Die drei Hauptsymptome im Detail

Unaufmerksamkeit

  • Flüchtigkeitsfehler bei Schularbeiten oder anderen Aufgaben
  • Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten
  • Scheint häufig nicht zuzuhören, wenn man direkt mit ihm spricht
  • Kann Aufgaben und Aktivitäten nicht zu Ende bringen
  • Probleme bei Organisation und Planung (z.B. Hausaufgaben, Schulsachen)
  • Leicht ablenkbar durch äußere Reize
  • Häufiges Verlieren von wichtigen Gegenständen (Stifte, Spielzeug, Hausaufgaben)

Hyperaktivität & Impulsivität

  • Kann nicht still sitzen, zappelt ständig mit Händen oder Füßen
  • Läuft oder klettert in unpassenden Situationen herum
  • Kann nicht ruhig spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten beschäftigen
  • Ist ständig „auf dem Sprung“ oder „wie getrieben“
  • Redet übermäßig viel
  • Platzt mit Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt wurde
  • Kann nicht warten, bis es an der Reihe ist
  • Unterbricht oder stört andere häufig
  • Schnelle Frustration und Wutausbrüche

Einzelne Symptome bedeuten noch nicht automatisch ADHS. Für eine Diagnose müssen die Symptome über mindestens sechs Monate in mehreren Lebensbereichen (Zuhause, Schule, Freizeit) auftreten und einen deutlichen Leidensdruck verursachen.

Normales Verhalten oder ADHS?

Viele Eltern sind unsicher, wo die Grenze zwischen normalem kindlichem Temperament und ADHS liegt. Hier einige Orientierungspunkte:

Für ADHS spricht:

  • Die Symptome treten in verschiedenen Situationen auf (nicht nur in der Schule oder nur zuhause)
  • Das Verhalten ist für das Alter des Kindes ungewöhnlich stark ausgeprägt
  • Das Kind leidet unter den Symptomen oder hat dadurch deutliche Probleme im Alltag
  • Die Symptome bestehen seit mindestens sechs Monaten
  • Lehrer, Erzieher oder andere Bezugspersonen berichten von ähnlichen Beobachtungen

Wenn du bei deinem Kind mehrere dieser Anzeichen über einen längeren Zeitraum beobachtest und es dadurch im Alltag eingeschränkt ist, solltest du den Verdacht ernst nehmen. Zur Unterstützung kannst Du auch unseren ADHS Test kostenlos nutzen.

Bei anhaltendem Verdacht: Kontaktiere deinen Kinderarzt oder eine spezialisierte Beratungsstelle.

Step 2: Beratung & Weg zur ADHS-Diagnose

Du hast den Verdacht, dass dein Kind ADHS haben könnte. Jetzt stellt sich die Frage: Was sind die nächsten Schritte? Wie kommst du zu Klarheit und professioneller Unterstützung? Hier ist Step 2 der ADHS-Journey©.

An wen wende ich mich?

Der erste Anlaufpunkt ist in der Regel dein Kinderarzt. Er kennt dein Kind meist schon länger und kann eine erste Einschätzung vornehmen. Der Kinderarzt kann dich dann an spezialisierte Fachstellen überweisen:

  • Kinder- und Jugendpsychiater: Facharzt für psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Er kann eine fundierte ADHS-Diagnostik durchführen und bei Bedarf Medikamente verschreiben.
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeuten: Spezialisiert auf therapeutische Interventionen, können ebenfalls diagnostizieren (jedoch keine Medikamente verschreiben).
  • Sozialpädiatrische Zentren (SPZ): Interdisziplinäre Einrichtungen mit Ärzten, Psychologen, Therapeuten – bieten umfassende Diagnostik an.
  • Erziehungsberatungsstellen: Erste Anlaufstelle für Beratung und Weitervermittlung.

Was passiert beim ersten Gespräch?

Im Erstgespräch wird der Arzt oder Therapeut zunächst viele Fragen stellen, um sich ein umfassendes Bild zu machen:

  • Welche konkreten Verhaltensweisen fallen dir auf?
  • Seit wann bestehen die Probleme?
  • In welchen Situationen treten sie auf?
  • Wie ist die Entwicklung deines Kindes verlaufen?
  • Gab es besondere Ereignisse in der Familie?
  • Wie ist die Situation in der Schule oder im Kindergarten?

Tipp: Bereite dich auf dieses Gespräch vor, indem du deine Beobachtungen schriftlich festhältst. Notiere konkrete Situationen und Beispiele aus dem Alltag – das hilft dem Fachpersonal bei der Einschätzung.

Fragebögen und Vorabklärungen

Häufig wirst du gebeten, standardisierte Fragebögen auszufüllen. Diese erfassen systematisch das Verhalten deines Kindes in verschiedenen Bereichen. Auch Lehrer oder Erzieher werden oft gebeten, solche Fragebögen auszufüllen, da ADHS-Symptome in verschiedenen Umgebungen auftreten müssen.

Dokumentation ist wichtig

Für die Diagnostik ist es hilfreich, wenn du über einen Zeitraum von einigen Wochen gezielt Beobachtungen dokumentierst:

  • Zuhause: Wie verläuft der Alltag? Wo gibt es Schwierigkeiten (Hausaufgaben, Geschwisterbeziehungen, Einschlafen)?
  • Schule: Was berichten Lehrer? Gibt es Probleme im Unterricht, bei den Hausaufgaben oder im Sozialverhalten?
  • Freizeit: Wie verhält sich dein Kind beim Spielen mit Freunden, beim Sport oder bei Hobbys?

Wartezeiten und Geduld

Leider gibt es in vielen Regionen lange Wartezeiten für Termine bei Kinder- und Jugendpsychiatern oder in SPZ. Das kann frustrierend sein, aber lass dich nicht entmutigen. Nutze die Wartezeit:

  • Informiere dich über ADHS (Bücher, seriöse Websites)
  • Tausche dich mit anderen betroffenen Eltern aus (Selbsthilfegruppen)
  • Pflege den Kontakt zu Lehrern und Erziehern
  • Dokumentiere weiter deine Beobachtungen

Die Wartezeit schmälert nicht die Bedeutung deines Anliegens. Wenn du das Gefühl hast, dass eine akute Krisensituation besteht, teile dies der Praxis mit – manchmal können dringende Fälle früher eingeschoben werden.

Step 3: Diagnose – Die Diagnostik

Die ADHS-Diagnostik ist ein mehrstufiger, umfassender Prozess. Eine seriöse Diagnose wird nie „zwischen Tür und Angel“ gestellt, sondern basiert auf verschiedenen Bausteinen, die ein Gesamtbild ergeben.

Was gehört zur ADHS-Diagnostik?

Eine fundierte ADHS-Diagnostik umfasst mehrere Elemente, die in den folgenden Wochen durchlaufen werden:

  • Ausführliche Anamnese: Die Lebensgeschichte deines Kindes wird detailliert erfragt – von der Schwangerschaft über die frühkindliche Entwicklung bis zur aktuellen Situation.
  • Fragebögen für Eltern, Lehrer und Erzieher: Standardisierte Instrumente wie die Child Behavior Checklist (CBCL), der Teacher’s Report Form (TRF), die Youth Self Report (YSR) oder ADHS-spezifische Fragebögen wie DISYPS-III erfassen systematisch das Verhalten in verschiedenen Umgebungen.
  • Psychologische Tests: Intelligenz-, Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests geben Aufschluss über die kognitiven Fähigkeiten und mögliche Teilleistungsstörungen.
  • Körperliche und neurologische Untersuchung: Ausschluss körperlicher Ursachen (z.B. Schilddrüsenprobleme, Hör- oder Sehstörungen, neurologische Erkrankungen).
  • Verhaltensbeobachtung: Das Verhalten des Kindes wird in der Praxis oder in natürlichen Situationen beobachtet.
  • Ausschluss anderer Erkrankungen: Andere psychische Störungen oder Entwicklungsstörungen müssen ausgeschlossen oder als begleitende Diagnosen erkannt werden (z.B. Angststörungen, Depressionen, Autismus-Spektrum-Störungen).

Einbeziehung verschiedener Bezugspersonen

Ein zentrales Kriterium für ADHS ist, dass die Symptome in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen auftreten. Daher werden nicht nur du als Elternteil, sondern auch Lehrer, Erzieher oder andere wichtige Bezugspersonen in die Diagnostik einbezogen. Sie füllen Fragebögen aus oder werden telefonisch befragt.

Diese multiperspektivische Sichtweise ist wichtig, um ein objektives Bild zu bekommen. Manche Symptome zeigen sich stärker in der Schule (z.B. Unaufmerksamkeit), andere eher zuhause (z.B. Wutausbrüche).

Psychologische Tests im Detail

Die psychologischen Tests dienen dazu, die kognitiven Fähigkeiten deines Kindes zu erfassen:

  • Intelligenztests: Sie zeigen, ob eine Über- oder Unterforderung vorliegt und ob die ADHS-Symptome durch eine abweichende Intelligenz mit beeinflusst werden.
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests: Computergestützte Tests (z.B. CPT – Continuous Performance Test) messen die Daueraufmerksamkeit und Impulsivität.
  • Tests auf Teilleistungsstörungen: Bei Verdacht auf Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) oder Rechenschwäche (Dyskalkulie) werden zusätzliche Tests durchgeführt.

Dauer des Diagnoseprozesses

Die gesamte Diagnostik erstreckt sich in der Regel über mehrere Wochen bis Monate. Das hat gute Gründe: Eine fundierte Diagnose braucht Zeit, um alle Facetten zu erfassen und andere Ursachen auszuschließen. Sei geduldig – diese Sorgfalt dient der Sicherheit und dem Wohl deines Kindes.

Eine sichere ADHS-Diagnose ist erst ab einem Alter von etwa 3-4 Jahren möglich. Bei jüngeren Kindern ist die Entwicklung noch zu variabel, um eine verlässliche Aussage zu treffen. Viele Symptome werden erst im Schulalter deutlich, wenn die Anforderungen an Konzentration und Selbststeuerung steigen.

Das Ergebnis der Diagnostik

Am Ende der Diagnostik erhältst du ein ausführliches Gespräch, in dem die Ergebnisse erklärt werden. Entweder wird ADHS diagnostiziert – oder es wird eine andere Erklärung für die beobachteten Probleme gefunden. Auch ein „unauffälliger“ Befund kann entlastend sein und den Blick auf andere Lösungsansätze lenken.

Falls die Diagnose ADHS lautet, wird der Arzt oder Therapeut mit dir besprechen, welche Therapiemöglichkeiten infrage kommen und wie es nun weitergeht.

Die Diagnose ist gestellt: Dein Kind hat ADHS. Was bedeutet das jetzt?

Step 4: Ergebnis – Dein Kind hat ADHS

Die Diagnose ist da: Dein Kind hat ADHS. Diese Nachricht kann viele Gefühle auslösen – Erleichterung, weil endlich Klarheit herrscht, aber auch Sorge, Überforderung oder Unsicherheit. All diese Reaktionen sind vollkommen normal und verständlich. Und hier wollen wir dich mit ADHS easy begleiten.

Deine Gefühle sind berechtigt

Viele Eltern durchlaufen nach der Diagnose verschiedene emotionale Phasen:

  • Erleichterung: „Endlich weiß ich, was los ist. Ich habe mir nichts eingebildet.“
  • Sorge: „Was bedeutet das für die Zukunft meines Kindes?“
  • Schuldgefühle: „Habe ich etwas falsch gemacht?“
  • Überforderung: „Wie soll ich das alles schaffen?“

Bitte verinnerlichen: Die Diagnose ist KEINE Schuldfrage. Du hast nicht versagt, und dein Kind ist nicht „schlecht erzogen“. Denn ADHS ist keine Folge von Erziehungsfehlern oder mangelnder Zuwendung.

ADHS ist neurobiologisch bedingt

ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die auf einer Stoffwechselstörung im Gehirn beruht. Vereinfacht gesagt: Die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, die für die Steuerung von Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätsniveau zuständig sind, arbeiten nicht optimal. Das ist genetisch bedingt und hat nichts mit der Erziehung zu tun.

ADHS ist also keine „Modeerscheinung“, keine Ausrede und keine Erfindung. Es ist eine anerkannte medizinische Diagnose, die in internationalen Klassifikationssystemen (ICD-11, DSM-5) beschrieben ist.

Die Diagnose als Chance

So schwer die Diagnose zunächst sein mag – sie eröffnet auch neue Möglichkeiten:

  • Klarheit: Du weißt jetzt, warum dein Kind sich so verhält. Das ermöglicht einen verständnisvolleren Umgang.
  • Gezielte Hilfe: Mit der Diagnose hast du Zugang zu spezifischen Therapien, Fördermaßnahmen und Unterstützungsangeboten.
  • Nachteilsausgleich: In der Schule können besondere Hilfen beantragt werden (mehr dazu in Step 7).
  • Selbstverständnis: Auch für dein Kind ist die Diagnose wichtig. Sie hilft ihm zu verstehen, warum manche Dinge schwerer fallen, und zeigt: „Ich bin nicht dumm oder faul – ich habe ADHS.“

ADHS ist behandelbar! Mit der richtigen Kombination aus therapeutischen, pädagogischen und gegebenenfalls medikamentösen Maßnahmen können die Symptome deutlich gelindert werden. Viele Menschen mit ADHS führen ein erfülltes, erfolgreiches Leben.

Aufklärung des Umfelds

Nach der Diagnose stellt sich die Frage: Wer sollte davon erfahren? Das ist eine sehr persönliche Entscheidung. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, wichtige Bezugspersonen einzuweihen:

  • Familie: Großeltern, Geschwister (altersgerecht) sollten über ADHS informiert werden, damit sie das Verhalten deines Kindes besser verstehen und unterstützen können.
  • Schule: Lehrer sollten unbedingt über die Diagnose informiert werden. Das ermöglicht Verständnis, pädagogische Anpassungen und die Beantragung eines Nachteilsausgleichs.
  • Enge Freunde: Auch enge Freunde deiner Familie können eine wichtige Stütze sein, wenn sie Bescheid wissen.

Bei der Aufklärung ist es hilfreich, sachlich und faktenbasiert zu informieren und mit häufigen Vorurteilen aufzuräumen („ADHS ist keine Modediagnose“, „Medikamente machen nicht abhängig“, etc.).

Nimm dir Zeit

Du musst nicht sofort alle Probleme lösen oder alle Therapien gleichzeitig starten. Nimm dir Zeit, die Diagnose zu verarbeiten, dich zu informieren und Schritt für Schritt vorzugehen. Du bist nicht allein – es gibt professionelle Hilfe, Selbsthilfegruppen und viele andere Eltern, die den gleichen Weg gegangen sind.

Die Diagnose ist der Startpunkt für gezielte Hilfe. Jetzt geht es darum, die richtigen Schritte einzuleiten.

Step 5: Neue Welt – Die nächsten Schritte nach der Diagnose

Jetzt, wo die Diagnose feststeht, fragst du dich vermutlich: Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Welche Hilfen gibt es? Die gute Nachricht: Es gibt bewährte Therapieansätze, die nachweislich wirken.

Multimodale Therapie – was bedeutet das?

Die moderne ADHS-Behandlung folgt dem Prinzip der multimodalen Therapie. Das bedeutet: Es werden verschiedene Bausteine kombiniert, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Welche Bausteine im Einzelfall zum Einsatz kommen, hängt vom Schweregrad der ADHS, vom Alter deines Kindes und von den individuellen Bedürfnissen ab.

Die wichtigsten Therapiebausteine

Psychoedukation

Aufklärung über ADHS für dich als Elternteil und für dein Kind. Ihr lernt, was ADHS ist, wie es sich äußert und wie man damit umgehen kann. Dieses Wissen ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.

Ziel: Verständnis entwickeln, Vorurteile abbauen, realistische Erwartungen aufbauen.

Elterntraining

Spezialisierte Programme (z.B. Elterntraining nach Döpfner) vermitteln dir konkrete Verhaltensstrategien: Wie setze ich klare Regeln? Wie reagiere ich auf Wutausbrüche? Wie schaffe ich Struktur im Alltag?

Ziel: Kompetenz im Umgang mit ADHS-Symptomen, Entlastung für die Familie.

Verhaltenstherapie für das Kind

In der kognitiven Verhaltenstherapie lernt dein Kind Strategien zur Selbstkontrolle, zum Umgang mit Frustration und zur Verbesserung sozialer Kompetenzen. Ältere Kinder und Jugendliche lernen zudem Selbstorganisationstechniken.

Ziel: Bessere Impulskontrolle, soziale Integration, Selbstwertgefühl stärken.

Ergotherapie

Ergotherapie trainiert Motorik, Konzentration, Aufmerksamkeit und Handlungsplanung durch gezielte Übungen und Spiele. Besonders bei motorischer Unruhe oder feinmotorischen Problemen ist sie hilfreich.

Ziel: Verbesserung der Alltagsfähigkeiten, Körperwahrnehmung, Konzentration.

Medikamentöse Therapie

Bei mittelschweren bis schweren Formen von ADHS werden ab dem Schulalter häufig Medikamente (meist Methylphenidat) eingesetzt. Mehr dazu im nächsten Schritt.

Ziel: Verbesserung der Aufmerksamkeit, Reduktion von Impulsivität und Hyperaktivität.

Weitere Therapien bei Bedarf

Je nach Begleitproblematik können Lerntherapie (bei Legasthenie, Dyskalkulie), Logopädie (bei Sprachproblemen) oder andere Fördermaßnahmen hinzukommen.

Ziel: Individuelle Problembereiche gezielt behandeln.

Individueller Behandlungsplan

Es gibt kein „Standard-Rezept“ für ADHS. Der Behandlungsplan wird individuell auf dein Kind zugeschnitten. Der behandelnde Arzt oder Therapeut wird mit dir besprechen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge sie angegangen werden.

Bei leichten Formen kann es ausreichen, mit Psychoedukation und Elterntraining zu beginnen. Bei stärkeren Symptomen oder wenn das Kind bereits unter massivem Leidensdruck steht, kann eine medikamentöse Therapie von Anfang an notwendig sein.

Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Eine erfolgreiche ADHS-Behandlung erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Akteure:

  • Du/Ihr als Eltern – ihr setzt Strategien im Alltag um
  • Therapeuten – sie vermitteln Techniken und begleiten den Prozess
  • Ärzte – sie überwachen die medikamentöse Therapie
  • Lehrer und Erzieher – sie setzen schulische Anpassungen um
  • Das Kind selbst – es lernt Strategien zur Selbsthilfe (je nach Alter)

Regelmäßige Gespräche und Abstimmungen zwischen diesen Beteiligten sind wichtig, um den Therapieerfolg zu überwachen und Anpassungen vorzunehmen.

Selbsthilfegruppen für Eltern

Viele Eltern berichten, dass der Austausch mit anderen betroffenen Familien enorm hilfreich ist. In Selbsthilfegruppen kannst du:

  • Erfahrungen austauschen und praktische Tipps bekommen
  • Emotionalen Rückhalt finden
  • Von den Erfahrungen anderer lernen
  • Dich weniger allein fühlen

Informationen zu Selbsthilfegruppen findest du bei ADHS Deutschland e.V. oder über regionale Beratungsstellen.

Versuche nicht, alles auf einmal umzusetzen. ADHS-Therapie ist ein Marathon, kein Sprint. Gehe Schritt für Schritt vor, setze Prioritäten und gib dir und deinem Kind Zeit. Kleine Fortschritte sind wertvolle Erfolge!

Die multimodale Therapie ist vielfältig und damit individuell anpassbar für dein Kind.

Step 6: Medikamente – Verändert sich mein Kind?

Die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Behandlung ist für viele Eltern eine der schwierigsten. Verständliche Fragen tauchen auf: Ist das wirklich nötig? Ist das nicht schädlich? Wird mein Kind zum Zombie? Verändert sich seine Persönlichkeit?

Lass uns diese Fragen sachlich und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse beantworten.

Wann werden Medikamente bei ADHS eingesetzt?

Medikamente sind EIN Baustein der multimodalen Therapie – nicht die einzige Lösung, aber auch kein Tabu. Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Schweregrad der ADHS: Bei mittelschweren bis schweren Formen, bei denen das Kind stark leidet oder massive Probleme in Schule und Alltag hat, sind Medikamente oft unverzichtbar.
  • Alter des Kindes: Methylphenidat ist ab 6 Jahren zugelassen. Bei jüngeren Kindern wird zunächst mit nicht-medikamentösen Maßnahmen gearbeitet.
  • Erfolglosigkeit anderer Maßnahmen: Wenn Verhaltenstherapie, Elterntraining und schulische Anpassungen allein nicht ausreichen, können Medikamente eine wichtige Ergänzung sein.

Die Entscheidung für Medikamente wird immer gemeinsam mit dir als Eltern getroffen. Du hast das Recht, Fragen zu stellen, Bedenken zu äußern und auch Nein zu sagen. Ein guter Arzt wird dir alle Vor- und Nachteile erklären und dich nicht drängen.

Der Hauptwirkstoff: Methylphenidat

Der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff bei ADHS ist Methylphenidat (Handelsnamen: Ritalin, Medikinet, Concerta u.a.). Es handelt sich um ein seit über 60 Jahren erprobtes Medikament mit gut erforschter Wirkung und Sicherheit.

Wie wirkt Methylphenidat?

Methylphenidat ist ein Stimulans, das die Verfügbarkeit der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöht. Dadurch verbessert sich die Signalübertragung in den Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätssteuerung zuständig sind.

Wichtig: Das Medikament behebt nicht die Ursache von ADHS, sondern mildert die Symptome, solange es wirkt. Die Wirkung setzt etwa 20-30 Minuten nach Einnahme ein und hält je nach Präparat 3-4 Stunden (kurz wirksam) oder 8-12 Stunden (lang wirksam, Retard-Präparate).

Positive Effekte

Wenn die Dosierung richtig eingestellt ist, zeigen sich folgende positive Veränderungen:

  • Bessere Konzentration und Aufmerksamkeit: Das Kind kann sich länger auf Aufgaben fokussieren, ist weniger ablenkbar.
  • Reduzierte Impulsivität: Weniger spontane Handlungen, besseres „Nachdenken vor dem Handeln“.
  • Mehr innere Ruhe: Weniger motorische Unruhe, das Kind kann besser still sitzen.
  • Verbesserte Selbstkontrolle: Weniger Wutausbrüche, bessere Frustrationstoleranz.
  • Bessere soziale Integration: Durch ruhigeres, angepassteres Verhalten verbessern sich oft die Beziehungen zu Gleichaltrigen.

Medikamente verändern NICHT die Persönlichkeit deines Kindes! Dein Kind bleibt es selbst – mit all seinen Stärken, seiner Kreativität und seinem Humor. Die Medikamente geben ihm lediglich die Möglichkeit, sein Potenzial besser zu entfalten.

Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament kann auch Methylphenidat Nebenwirkungen haben. Die häufigsten sind:

  • Appetitlosigkeit: Viele Kinder essen mittags weniger. Hier hilft: Reichhaltiges Frühstück, Essen am Abend (wenn die Wirkung nachlässt), kalorienreiche Snacks.
  • Schlafprobleme: Einschlafschwierigkeiten können auftreten, besonders wenn das Medikament zu spät eingenommen wird. Hier kann die Einnahmezeit angepasst werden.
  • Kopfschmerzen: Meist zu Beginn der Therapie, verschwinden oft nach einigen Tagen.
  • Bauchschmerzen: Können ebenfalls zu Beginn auftreten und sich legen.
  • Nervosität: Kann ein Zeichen für eine zu hohe Dosierung sein.

Die meisten Nebenwirkungen sind mild und vorübergehend. Bei anhaltenden oder starken Nebenwirkungen sollte die Dosierung angepasst oder ein anderes Präparat versucht werden.

Langzeitsicherheit

Methylphenidat ist eines der am besten untersuchten Medikamente in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Langzeitstudien zeigen, dass es bei sachgemäßer Anwendung sicher ist und nicht zu körperlicher Abhängigkeit führt. Es gibt keine Hinweise auf langfristige Schäden an Gehirn oder Körper.

Wichtig ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle: Gewicht und Größenwachstum werden überwacht, und die Dosierung wird bei Bedarf angepasst. Etwa alle 6-12 Monate werden Medikamentenpausen empfohlen (z.B. in den Ferien), um zu prüfen, ob die Medikation noch notwendig ist.

Alternative: Atomoxetin

Wenn Methylphenidat nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirkt, gibt es mit Atomoxetin (Strattera) eine Alternative. Atomoxetin ist kein Stimulans, sondern ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Die Wirkung setzt langsamer ein (nach 2-4 Wochen), hält aber den ganzen Tag an.

Regelmäßige Kontrolle ist wichtig

Eine medikamentöse Therapie erfordert engmaschige ärztliche Begleitung:

  • Einstellungsphase: Zu Beginn werden verschiedene Dosierungen getestet, um die optimale Menge zu finden.
  • Regelmäßige Check-ups: Etwa alle 3-6 Monate erfolgen Kontrollen (Gewicht, Größe, Blutdruck, Befindlichkeit).
  • Anpassungen: Mit zunehmendem Alter oder Körpergewicht muss die Dosis angepasst werden.
  • Feedback: Du solltest dem Arzt regelmäßig berichten, wie das Medikament wirkt und ob Probleme auftreten.

Medikamente sind ein wichtiges Hilfsmittel, aber sie sind nicht die alleinige Lösung. Sie wirken am besten in Kombination mit den anderen Therapiebausteinen (Verhaltenstherapie, Elterntraining, schulische Unterstützung).

Jetzt weißt du, wie Medikamente wirken. Im nächsten Schritt schauen wir, wie du dein Kind in der Schule unterstützen kannst.

Step 7: Hilfe in der Schule

Die Schule ist für Kinder mit ADHS oft der schwierigste Bereich. Lange still sitzen, konzentriert arbeiten, Anweisungen befolgen – all das fällt ihnen besonders schwer. Doch es gibt konkrete Möglichkeiten, wie dein Kind in der Schule unterstützt werden kann.

Der Austausch mit Lehrern ist zentral

Der erste und wichtigste Schritt ist ein offenes, konstruktives Gespräch mit den Lehrern. Informiere sie über die ADHS-Diagnose und erkläre, was das für den Schulalltag bedeutet. Die meisten Lehrer sind dankbar für diese Information und möchten helfen – sie brauchen aber dein Wissen und deine Unterstützung.

Tipps für das Lehrergespräch:

  • Bereite das Gespräch vor: Was genau fällt deinem Kind schwer? Wo braucht es Unterstützung?
  • Bringe die ärztliche Diagnose mit (Arztbrief, Befundbericht)
  • Formuliere konkrete Wünsche und Vorschläge
  • Signalisiere Kooperationsbereitschaft: Du möchtest MIT der Schule zusammenarbeiten, nicht gegen sie
  • Vereinbare regelmäßige Rückmeldungsgespräche (z.B. alle 6 Wochen)

Nachteilsausgleich beantragen

Kinder mit ADHS haben Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet: Sie erhalten in der Schule besondere Unterstützung, um ihre Nachteile auszugleichen – nicht um bevorzugt zu werden, sondern um faire Chancen zu erhalten.

Der Nachteilsausgleich wird bei der Schulleitung beantragt. Du benötigst dafür:

  • Ein ärztliches Attest oder einen ausführlichen Befundbericht
  • Einen formlosen Antrag an die Schulleitung
  • Konkrete Vorschläge, welche Maßnahmen helfen könnten

Mögliche Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs:

  • Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten: 10-25% mehr Zeit, um die Aufgaben zu bearbeiten
  • Reizreduzierter Arbeitsplatz: Schreiben von Arbeiten in einem separaten Raum ohne Ablenkung
  • Sitzplatz in der Nähe des Lehrers: Bessere Aufmerksamkeit, schnellere Hilfe bei Fragen
  • Mündliche statt schriftliche Prüfungen: Wenn die Schriftsprache eine besondere Hürde darstellt
  • Reduzierung des Aufgabenumfangs: Weniger Aufgaben bei gleichem Schwierigkeitsgrad
  • Flexible Pausenregelungen: Kurze Bewegungspausen während des Unterrichts
  • Nutzung technischer Hilfsmittel: Laptop, Tablet, Aufnahmegerät bei Bedarf
  • Aufgaben in kleinere Portionen teilen: Schrittweise Abarbeitung statt großer Blöcke

Der Nachteilsausgleich wird NICHT im Zeugnis vermerkt. Dein Kind erhält die gleichen Noten wie alle anderen – nur die Bedingungen werden angepasst.

Strukturhilfen im Unterricht

Auch ohne offiziellen Nachteilsausgleich können Lehrer viel tun, um Kinder mit ADHS zu unterstützen:

  • Klare Strukturen und Routinen: Vorhersehbarer Tagesablauf, feste Rituale
  • Visualisierung: Tafelbilder, Arbeitspläne, Checklisten helfen bei der Orientierung
  • Kurze, präzise Anweisungen: Nicht zu viele Informationen auf einmal
  • Positive Verstärkung: Lob für erwünschtes Verhalten wirkt motivierend
  • Bewegungspausen: Kurze Aktivierungsübungen zwischen Arbeitsphasen
  • Ruheecke: Ein Ort, an den sich das Kind zurückziehen kann, wenn es überfordert ist

Hausaufgaben: Eine besondere Herausforderung bei ADHS

Hausaufgaben sind für Familien mit ADHS-Kindern oft ein Hauptstressfaktor. Hier einige bewährte Strategien:

Struktur schaffen

  • Fester Zeitpunkt und Ort für Hausaufgaben
  • Reizarme Umgebung (kein TV, Handy aus, aufgeräumter Schreibtisch)
  • Alle Materialien bereitstellen vor Beginn
  • Zeitbegrenzung: Nicht endlos, sondern feste Zeitfenster

Aufgaben aufteilen

  • Große Aufgaben in kleine Portionen teilen
  • Nach jedem Teil: kurze Pause (5 Min. Bewegung)
  • Checkliste: Jede erledigte Aufgabe abhaken
  • Belohnungssystem: Nach Hausaufgaben etwas Schönes

Wochenplan und Hausaufgabenheft

Kinder mit ADHS verlieren leicht den Überblick. Hilfreich sind:

  • Hausaufgabenheft: Täglich kontrollieren, ob alle Aufgaben notiert sind. Bei jüngeren Kindern: Lehrer bitten, das Heft zu kontrollieren.
  • Wochenplan: Übersicht über Tests, Abgabetermine, Besonderheiten visualisieren
  • Packliste: Checkliste, welche Materialien für den nächsten Tag eingepackt werden müssen

Keine Überforderung

Manchmal ist weniger mehr. Wenn die Hausaufgaben regelmäßig in Stress und Tränen enden, sprich mit den Lehrern über eine Reduzierung. Ein erschöpftes, frustriertes Kind lernt nichts – auch wenn es noch eine Stunde länger am Schreibtisch sitzt.

Schulbegleitung bei Bedarf

In schweren Fällen kann eine Schulbegleitung (Integrationshilfe) beantragt werden. Diese Person unterstützt dein Kind individuell im Unterricht, hilft bei der Strukturierung, erinnert an Aufgaben und greift in Krisensituationen ein. Die Schulbegleitung wird beim zuständigen Sozial- oder Jugendamt beantragt.

Unterstützung in der Schule ist ein wichtiger Baustein.

Step 8: Hilfe zuhause und ADHS easy

Das Familienleben mit einem ADHS-Kind kann herausfordernd sein. Alltägliche Situationen wie Anziehen, Hausaufgaben oder Zubettgehen werden zu Machtkämpfen. Doch mit den richtigen Strategien und viel Geduld lässt sich der Alltag deutlich entspannen, eben ADHS easy.

Struktur und Routinen: Das A und O

Kinder mit ADHS brauchen klare Strukturen und vorhersehbare Abläufe. Das gibt ihnen Sicherheit und reduziert Stress – für alle Familienmitglieder.

Feste Zeiten etablieren

  • Aufstehen: Immer zur gleichen Zeit (auch am Wochenende möglichst ähnlich)
  • Mahlzeiten: Feste Essenszeiten schaffen Struktur im Tag
  • Hausaufgaben: Feste Zeit (z.B. nach einer Pause um 15 Uhr)
  • Freizeit: Zeit für Spiel, Sport, Hobbys fest einplanen
  • Schlafengehen: Gleichbleibende Zubettgeh-Zeit mit Abendritual

Visualisierung hilft

Abstrakte Zeitpläne überfordern viele ADHS-Kinder. Besser:

  • Wochenplan mit Bildern: Visualisiere den Tagesablauf (für jüngere Kinder mit Symbolen, für ältere mit Text)
  • Checklisten: „Was muss ich morgens erledigen?“ – jede erledigte Aufgabe wird abgehakt
  • Timer und Uhren: Zeitgefühl entwickeln durch visuelle Uhren oder Timer

Klare, einfache Regeln

Wenige, dafür klare Regeln sind besser als viele komplizierte. Beispiele:

  • „Vor dem Essen Hände waschen“
  • „Nach dem Spielen aufräumen“
  • „Wenn wir reden, hören wir einander zu“

Wichtig: Die Regeln müssen für alle gelten (auch Geschwister) und konsequent durchgesetzt werden.

Konsequenz – auch für Eltern!

Konsequenz bedeutet nicht Strenge, sondern Verlässlichkeit. Wenn eine Regel gilt, muss sie immer gelten – nicht nur, wenn du gerade Kraft hast.

Kündige Konsequenzen vorher an: „Wenn du jetzt nicht aufräumst, darfst du heute Abend nicht fernsehen.“ Und dann: durchziehen. Auch wenn es schwerfällt.

Reizarme Umgebung schaffen

ADHS-Kinder sind leicht ablenkbar. Reduziere Reize, wo immer möglich:

  • Kinderzimmer: Nicht zu viele Spielsachen sichtbar, klare Ordnungssysteme
  • Hausaufgabenplatz: Ruhig, keine Ablenkungen (Handy, TV, Geschwister)
  • Medienzeit begrenzen: TV, Tablet, Smartphone reizen stark – klare Zeitlimits setzen

Positive Verstärkung nutzen

ADHS-Kinder hören oft den ganzen Tag: „Nicht rennen!“, „Hör auf!“, „Konzentrier dich!“. Das frustriert und demotiviert. Drehe den Spieß um:

  • Lobe erwünschtes Verhalten sofort und konkret: „Super, dass du deine Jacke aufgehängt hast!“
  • Ignoriere (wenn möglich) unerwünschtes Verhalten: Nicht jede Kleinigkeit kommentieren
  • Belohnungssysteme: Punktesystem für positives Verhalten (z.B. Sternchen sammeln, die in eine Belohnung münden)

Positive Verstärkung bedeutet nicht, alles durchgehen zu lassen. Grenzen müssen klar sein. Aber: Fokussiere dich auf das, was gut läuft – nicht nur auf Probleme.

Geduld und Verständnis

Das klingt banal, ist aber zentral: Versuche zu verstehen, dass dein Kind sich oft nicht absichtlich „schlecht“ verhält. Es möchte meist kooperieren, kann es aber aufgrund der ADHS-Symptome nicht.

Statt: „Du bist unmöglich! Warum kannst du nie zuhören?“
Besser: „Ich sehe, dass es dir schwerfällt, gerade zuzuhören. Lass uns eine kurze Pause machen.“

Kurze, klare Anweisungen

ADHS-Kinder können keine langen Anweisungsketten verarbeiten. Besser:

  • Blickkontakt herstellen, bevor du sprichst
  • Eine Anweisung nach der anderen: „Zieh bitte deine Schuhe an.“ Warten, bis erledigt. Dann: „Jetzt hol deinen Rucksack.“
  • Klar und konkret formulieren: Statt „Räum dein Zimmer auf“ besser „Leg alle Spielsachen in die Kiste“

Pausen und Bewegung einplanen

ADHS-Kinder haben einen enormen Bewegungsdrang. Gib ihnen Raum dafür:

  • Regelmäßige Bewegungspausen: Nach 20-30 Minuten Hausaufgaben eine Bewegungspause (Trampolin, Hampelmänner, Rennen im Garten)
  • Sport und Hobbys: Fördere Sportarten, die deinem Kind Spaß machen (Fußball, Schwimmen, Klettern, Kampfsport)
  • Draußen spielen: Natur und freies Spiel wirken beruhigend und fördern Kreativität

Entspannungsrituale – besonders abends

Einschlafen ist für ADHS-Kinder oft schwierig. Feste Abendrituale helfen:

  • Feste Zubettgeh-Zeit (auch am Wochenende ähnlich)
  • Abendrituale: Zähneputzen → Schlafanzug → Vorlesen → Licht aus
  • Ruhige Aktivitäten vor dem Schlafen (kein TV, kein Action-Spiel)
  • Entspannungsübungen: Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Traumreisen
  • Reizarmes Schlafzimmer (dunkel, ruhig, kühl)

Eigene Auszeiten für Eltern sind wichtig!

Das Leben mit einem ADHS-Kind kostet Kraft. Damit du nicht ausbrennst, brauchst du regelmäßige Pausen:

  • Teile dir Aufgaben mit deinem Partner (wenn vorhanden)
  • Bitte Großeltern, Freunde oder Babysitter regelmäßig um Unterstützung
  • Nimm dir bewusst Zeit für dich (Sport, Hobbys, Freunde treffen)
  • Tausche dich mit anderen betroffenen Eltern aus
  • Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen (Erziehungsberatung, Elterntraining)

Du darfst auch mal an deine Grenzen kommen. Du darfst überfordert sein. Das macht dich nicht zu schlechten Eltern. Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst – das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Keine Schuldzuweisungen

Weder du noch dein Kind sind schuld an der ADHS. Es ist eine neurobiologische Störung, keine Charakterschwäche und kein Erziehungsfehler. Vermeide Schuldzuweisungen und Vorwürfe – sie helfen niemandem und belasten nur zusätzlich.

Stattdessen: Konzentriere dich darauf, was du verändern kannst. Kleine Schritte, konkrete Strategien, Geduld und Humor. Und die Gewissheit: Es wird besser. Mit der Zeit, mit den richtigen Hilfen und mit viel Liebe.

Genauso zentral ist auch die Unterstützung für zuhause. Schau mal rein.

Du hast jetzt einen umfassenden Überblick über die gesamte ADHS-Journey©. Steige nun von vorne tiefer in die einzelnen Steps ein, um die perfekte Unterstützung zu finden.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).