Du vermutest ADHS bei deinem Kind oder wurde bereits eine ADHS-Diagnose gestellt? Eine der größten Hürden auf eurer ADHS Journey ist dann nicht nur die erste Orientierung – sondern vor allem: Wo findest du spezialisierte Fachleute, die mein Kind kompetent diagnostizieren und betreuen können? In diesem Artikel stellen wir dir die zentralen ADHS-Kompetenzzentren im deutschsprachigen Raum vor – Einrichtungen, die sich auf die Diagnostik und Therapie von ADHS bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben und deinem Kind sowie dir eine umfassende Betreuung bieten. Dieser Artikel gehört zu Step 2 unserer ADHS-Journey© – Vorgehen bei ADHS-Verdacht beim Kind.
Inhaltsverzeichnis
- Definition von ADHS-Kompetenzzentrum
- So findest du das richtige Kompetenzzentrum für dein Kind
- ADHS-Kompetenzzentren in Deutschland
- ADHS-Kompetenzzentren in Österreich
- ADHS-Kompetenzzentren in der Schweiz
- Worauf solltest du bei der Wahl des Zentrums achten?
- Nächste Schritte: Wie geht es jetzt weiter?
Definition von ADHS-Kompetenzzentrum
ADHS-Kompetenzzentren sind spezialisierte Einrichtungen, welche meist an Universitätskliniken, psychiatrischen Kliniken oder kassenärztlichen Praxen angeschlossen sind, und an denen Ärzte, Psychologen und Therapeuten mit langjähriger Erfahrung arbeiten. Sie führen nicht nur die diagnostische Abklärung durch, sondern unterstützen dich und dein Kind auch bei der multimodalen Behandlung: Das bedeutet, dass verschiedene Behandlungsansätze wie Psychoedukation, Elterntraining, Psychotherapie und bei Bedarf auch medikamentöse Therapie Hand in Hand gehen.
Die Diagnostik in solchen Zentren erfolgt nach hohen Standards und berücksichtigt immer mehrere Perspektiven: die klinischen Interviews mit dir und deinem Kind, standardisierte Fragebögen, neuropsychologische Tests und – wenn nötig – ärztliche Untersuchungen zur Ausschlusdiagnose. Das ist wichtig, denn ADHS-Symptome können auch bei anderen Erkrankungen oder Entwicklungsstörungen auftreten. Eine genaue, mehrstufige Abklärung minimiert das Risiko von Fehldiagnosen.
Besonders wertvoll ist ein ADHS-Kompetenzzentrum für Kinder auch deshalb, weil dir und deiner Familie dort nicht nur eine Diagnose gegeben wird – sondern gemeinsam mit euch auch ein individueller Behandlungsplan entwickelt wird, der zu eurer persönlichen Situation passt. Das ist in Zeiten langer Wartelisten in der Regelversorgung oft ein großer Vorteil.
So findest du das richtige Kompetenzzentrum für dein Kind
Bei der Suche nach einem ADHS-Kompetenzzentrum solltest du einige Punkte beachten:
Spezialisierung
Achte darauf, dass das Zentrum explizit auf Kinder und Jugendliche spezialisiert ist – nicht auf Erwachsene. Kinderpsychiater haben andere Kenntnisse als Erwachsenenpsychiater, etwa bezüglich entwicklungsgerechter Diagnostik und Therapie.
Wartezeiten
Manche Zentren haben lange Wartelisten, andere sind schneller erreichbar. Scheue dich nicht, mehrere Einrichtungen anzurufen und dich auf die Warteliste setzen zu lassen – oft kann es sinnvoll sein, parallel mehrere Optionen zu verfolgen.
Behandlungsangebot
Manche Zentren bieten nur Diagnostik an, andere auch Therapie und Medikamentenvergabe. Überlege, was dein Kind braucht: Nur eine Diagnose, oder auch längerfristige Betreuung?
Erreichbarkeit
Berücksichtige die Fahrtzeiten und öffnungszeiten. Eine Behandlung, die zu weit weg ist, wird auf lange Sicht zur Belastung.
ADHS-Kompetenzzentren in Deutschland
Deutschland verfügt über ein dichtes Netzwerk von ADHS-Spezialambulanzen und Kompetenzzentren. Hier ist eine Übersicht der wichtigen Anlaufstellen:
| Zentrum | Ort | Telefon | Website |
|---|---|---|---|
| Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum | Berlin | +49 30 450 566 202 | Webseite |
| Helios Berlin-Buch, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie | Berlin | +49 30 9401 15400 | Webseite |
| Universitätsklinikum Bonn, SPZ | Bonn | +49 228 287 33344 | Webseite |
| Johann Wolfgang Goethe-Universität | Frankfurt | +49 69 798 22440 | Webseite |
| Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik | Freiburg | +49 761 270 68730 | Webseite |
| Universitätsklinikum Hamburg, Kinder-, Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und Familientherapie | Hamburg | +49 40 7410 53298 | Webseite |
| Universitätsmedizin Hannover, Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) | Hannover | +49 511 532 19313 | Webseite |
| Universitätsklinikum des Saarlandes, Institutsambulanz, ADHS-Spezialambulanz | Homburg/Saar | +49 6841 16 24233 | Webseite |
| Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik KuJ | Leipzig | +49 341 97 24105 | Webseite |
| Universitätsmedizin Mainz, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie | Mainz | +49 6131 173281 | Webseite |
| Universitätsklinikum Mannheim, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit | Mannheim | +49 621 17032850 | Webseite |
| LWL-Klinikum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Haardklinik | Marl / Dortmund | +49 2365 802 0 | Webseite |
| LMU München, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie | München | +49 89 4400 55020 | Webseite |
| Universitätsklinikum Münster, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie | Münster | +49 251 83 53636 | Webseite |
| docs-for-kids, Kompetenz-Zentrum ADHS | Roth (Franken) | +49 9171 6400 | Webseite |
| HELIOS Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | Schleswig | +49 4621 83-0 | Webseite |
| Klinikum Stuttgart, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | Stuttgart | +49 711 278 72881 | Webseite |
| Universitätsklinikum Tübingen, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ambulanz und Spezialsprechstunde | Tübingen | +49 7071 29 82338 | Webseite |
| Universitätsklinikum Ulm, Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie, KJP | Ulm | +49 731 500 61600 | Webseite |
| Universitätsklinikum Würzburg, Kinder- und Jugendpsychiatrie, ADHS Spezialambulanz | Würzburg | +49 931 201 78600 | Webseite |
Tipp: Das zentrale ADHS-Netz in Deutschland bietet auf seiner Website (www.zentrales-adhs-netz.de) eine Datenbank mit regionalen Netzen an. Dort kannst du auch gezielt nach deinem Wohnort suchen und zusätzliche Ressourcen wie Selbsthilfegruppen oder Psychoedukationsangebote finden.
ADHS-Kompetenzzentren in Österreich
Österreich hat ebenfalls mehrere spezialisierte Zentren für die Diagnose und Behandlung von ADHS bei Kindern und Jugendlichen. Diese befinden sich ebenfalls vor allem an den großen Universitätskliniken:
| Zentrum | Ort | Telefon | Website |
|---|---|---|---|
| Dr. Thomas Kröpfl (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie) | Graz | +43 699 11051707 | Webseite |
| Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Kindes- und Jugendalter (Tirol-Kliniken) | Innsbruck | +43 50 504 33836 | Webseite |
| Praxis Grashalm (Praxisgemeinschaft Linz) | Linz | +43 676 314 48 83 | Webseite |
| Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Salzburg | Salzburg | +43 5 7255 56834 | Webseite |
| Praxis Dr. Hannes Mayer (Kinderneurologe mit ADHS-Schwerpunkt) | Wien | +43 1 3331577 | Webseite |
| Mag. Erika Barker-Benfield, Kompetenzzentrum für Legasthenie und ADHS | Wien | +43 664 392 4220 | Webseite |
| Dr. Gerald Pail (Psychiater und Psychotherapeut) | Wien | +43 1 3618884 | Webseite |
| Institut für Psychologische Diagnostik (Kinder & Jugendliche) | Wien | +43 720 117 005459 | Webseite |
Die Suche nach einem Kompetenzzentrum in Österreich beginnt mit einer Kontaktaufnahme bei der nächsten Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder du fragst deinen Kinderarzt nach eine Empfehlung.
ADHS-Kompetenzzentren in der Schweiz
Die Schweiz hat ebenfalls gut ausgebaute spezialisierte Angebote für Kinder und Jugendliche mit ADHS. Die Schweizer Kantone koordinieren ihre Angebote oft dezentral:
| Zentrum | Ort | Telefon | Website |
|---|---|---|---|
| unablenkbar – Zentrum für ADHS | Basel | keine vorhanden, nur online | Webseite |
| Universitätsspital Basel (USB), Kinder- und Jugendpsychiatrie | Basel | +41 61 325 51 11 | Webseite |
| Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie | Bern | +41 58 630 9832 | Webseite |
| Universitätsspital Lausanne (CHUV), Kinder- und Jugendpsychiatrie | Lausanne | +41 021 314 84 84 | Webseite |
| PUK Ambulatorium Zürich Nord | Zürich | +41 58 384 66 00 | Webseite |
Ein besonderer Tipp für die Schweiz: Die ADHS-Organisation elpos bietet neben diagnostischen Angeboten auch umfangreiche Beratung, Gesprächsgruppen und Vernetzungsmöglichkeiten. Sie vermittelt auch Fachpersonen und kann dir helfen, die passende Kontaktperson zu finden.
Worauf solltest du bei der Wahl des ADHS-Zentrums achten?
Nachdem du eine engere Auswahl getroffen hast, solltest du folgende Punkte überprüfen:
Altersgruppe: Überprüfe, ob das Zentrum die Altersgruppe deines Kindes abdeckt. Manche Einrichtungen sind auf Vorschulkinder spezialisiert, andere auf Schulkinder oder Jugendliche.
Multimodale Behandlung: Das Zentrum sollte nicht nur diagnostizieren, sondern auch aufklären und Unterstützung anbieten – etwa durch Elterntrainings, Psychotherapie oder – falls nötig – medikamentöse Behandlung.
Erfahrung und Zertifizierung: Frage, ob die Ärzte und Psychologen spezifische Ausbildungen haben und ob das Zentrum nach neuesten Leitlinien (wie den S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) arbeitet.
Kosten: In Deutschland und Österreich werden diagnostische und therapeutische Leistungen in den meisten Fällen von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen – vorausgesetzt, es liegt eine ärztliche Überweisung vor. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die psychotherapeutischen Dienstleistungen, wenn eine ärztliche Anordnung vorliegt.
Nächste Schritte: Wie geht es jetzt weiter?
Hast du dich für ein ADHS Kompetenzzentrum entschieden, dann:
- Vereinbare einen Termin: Ruf an und frage nach den aktuellen Wartezeiten. Manche Zentren haben Wartelisten, auf denen du dich anmelden kannst, während du auf den Termin wartest.
- Bereite die Erstuntersuchung vor: Sammle relevante Dokumente wie Schulzeugnisse, Berichte von Erziehern oder Lehrern und notiere dir, seit wann und in welchen Situationen dir die Symptome deines Kindes auffallen.
- Bringe eine ärztliche Überweisung mit: In vielen Fällen brauchst du für die Termin eine Überweisung von deinem Kinderarzt oder Hausarzt – frage bei deinem Zentrum nach den genauen Anforderungen.
- Beteilige dein Kind: Je nach Alter sollte dein Kind selbst wissen, dass es zur Untersuchung geht. Erkläre ihm altersgerecht, was es erwartet – das reduziert die Angst.
- Nutze die Wartezeit: Manche Zentren bieten während der Wartezeit bereits Informationsveranstaltungen oder Selbsthilfegruppen an. Nutze diese Zeit, um dich selbst weiter zu informieren und Kontakt zu anderen Eltern zu knüpfen.
Die Suche nach dem richtigen ADHS-Kompetenzzentrum ist ein wichtiger Schritt auf deiner ADHS Journey. Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile ein dichtes Netzwerk von spezialisierten Einrichtungen, auf die du vertrauen kannst. Egal, ob du in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebst – es gibt Fachleute, die sich nicht nur mit ADHS auskennen, sondern auch verstehen, was es für dich und dein Kind bedeutet, diesen Weg zu gehen. Vertrau auf dein Bauchgefühl, stelle Fragen und denk daran: Eine gute Diagnostik und Betreuung kann für dein Kind und deine ganze Familie den Unterschied machen.
Möchtest Du noch mehr zur Abklärung von ADHS bei deinem Kind erfahren?
Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).
