Ergebnis der Diagnose: Kind hat ADHS

Die 10 besten Formulierungen zur Erklärung von ADHS

Die Diagnose ist da – dein Kind hat ADHS. Jetzt stellt sich eine der wichtigsten Fragen: Wie erkläre ich meinem Kind, was ADHS bedeutet? Dieser Moment kann sich überwältigend anfühlen, aber mit den richtigen Worten wird er zu einer Chance: Du gibst deinem Kind Klarheit, nimmst ihm Schuldgefühle und eröffnest einen verständnisvollen Umgang mit seiner Besonderheit.


Inhaltsverzeichnis


Warum das Gespräch über ADHS so wichtig ist

Kinder spüren intuitiv, wenn etwas nicht stimmt. Wenn es Facharzttermine, Tests und Untersuchungen gibt und du nicht offen mit deinem Kind darüber sprichst, entstehen Fantasien und Angstgedanken, die oft schlimmer sind als die Realität. Dein Kind könnte denken: „Stimmt etwas mit mir nicht? Bin ich krank?“ Eine ehrliche Kommunikation nimmt diesen Ängsten ihre Macht.

In diesem Artikel findest du zehn bewährte Formulierungen (Top 10), die speziell für zwei Altersgruppen entwickelt wurden – für Schulkinder (6-12 Jahre) und für Jugendliche (13+ Jahre). Diese Formulierungen basieren auf den Prinzipien der Psychoedukation und helfen dir, das Gespräch altersgerecht, beruhigend und hoffnungsvoll zu gestalten.

Wenn dein Kind von dir erfährt, dass es ADHS hat – und nicht von jemandem anderen oder zufällig – wird es sich verstanden und einbezogen fühlen, nicht ausgeschlossen oder krank. Die Diagnose hilft deinem Kind zu verstehen:

„Ich bin nicht dumm oder faul – ich habe ADHS. Mein Gehirn funktioniert einfach anders. Und ich kann lernen, damit umzugehen und meine Stärken zu nutzen.“

Eine offene Kommunikation über die neurobiologische Entwicklungsstörung schafft Vertrauen und ermöglicht es deinem Kind, seine Herausforderungen nicht als persönliches Versagen zu sehen, sondern als etwas, das eine Erklärung und Lösungen hat.

Grundprinzipien für das Gespräch mit deinem Kind

Bevor wir zu den konkreten Formulierungen kommen, hier einige wichtige Prinzipien:

Zeitpunkt wählen

Suche einen ruhigen Moment, in dem beide entspannt und ungestört sind. Nicht kurz vor dem Schulwechsel oder in einer angespannten Situation. Es kann hilfreich sein, das Gespräch nach einem positiven Erlebnis zu führen – wenn dein Kind sich gerade gut fühlt.

Einfach und direkt sein

Kinder brauchen zunächst minimale Informationen. Rede nicht stundenlang über Dopamin und Neurotransmitter bei jüngeren Kindern – das überfordert. Halte es einfach und konkret.

Ehrlich und positiv bleiben

Gib keine falschen oder irreführenden Informationen. Aber rahme die Diagnose auch nicht als Katastrophe, sondern als etwas, das es zu verstehen und zu bewältigen gilt.

Verwendung von Bildern und Metaphern

Kinder verstehen oft besser, wenn du Vergleiche verwendest. Metaphern wie „Dein Gehirn hat ein besonderes Betriebssystem“ oder „Es ist wie ein Radio, das ständig die Sender wechselt“ machen abstrakte Konzepte greifbar.

Stärken betonen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bringt nicht nur Herausforderungen mit sich – viele Kinder mit ADHS sind kreativ, energiegeladen, empathisch und haben eine besondere Fähigkeit, sich für Dinge zu begeistern, die sie interessieren.

Die 10 besten Formulierungen für Schulkinder (6-12 Jahre)

1. Die Einstiegsformulierung: Dein besonderes Gehirn

„Du weißt, dass es dir manchmal schwerfällt, stillzusitzen oder dich auf Hausaufgaben zu konzentrieren. Das hat einen Namen – es heißt ADHS. Aber das bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Dein Gehirn funktioniert einfach anders als bei manchen anderen Kindern, und das macht dich besonders.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie normalisiert die Erfahrung des Kindes, gibt dem Ganzen einen Namen und betont gleichzeitig, dass „anders“ nicht „falsch“ bedeutet.

2. Die Stärken-Formulierung: Deine tollen Seiten

„Du bist super kreativ, du hast viele tolle Ideen auf einmal, du bist sehr lebhaft und lustig, und du kannst dich total begeistern für Dinge, die dich interessieren. Das sind großartige Dinge an dir! Und die gehören auch zu ADHS.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie zeigt dem Kind, dass ADHS nicht nur Probleme bedeutet, sondern auch Stärken beinhaltet. Das stärkt das Selbstwertgefühl.

3. Die Radio-Metapher: Viele Sender gleichzeitig

„Mit ADHS ist es manchmal schwierig, lange auf eine Sache zu fokussieren, weil viele andere Dinge deine Aufmerksamkeit ablenken. Es ist wie ein Radio, das ständig die Sender wechselt – immer neue Musik, immer neue Gedanken. Und manchmal tust du Dinge sehr schnell, ohne erst zu denken – auch das ist ADHS.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Die Radio-Metapher macht das abstrakte Konzept von Unaufmerksamkeit und Impulsivität für Kinder greifbar und verständlich.

4. Die Keine-Schuld-Formulierung: Du kannst nichts dafür

„Du musst wissen: ADHS ist nicht deine Schuld. Du hast es dir nicht ausgesucht, und du hast nichts falsch gemacht. Dein Gehirn ist von Geburt an so gebaut – so wie manche Kinder blaue Augen haben und andere braune, so haben manche Kinder ein ADHS-Gehirn.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie nimmt dem Kind aktiv Schuldgefühle und Scham. Viele Kinder denken, sie seien „schlecht“ oder „faul“ – diese Formulierung räumt damit auf.

5. Die Gemeinsamkeits-Formulierung: Du bist nicht allein

„Viele Kinder haben ADHS – in deiner Schule gibt es bestimmt noch andere. Und es gibt auch viele berühmte Menschen mit ADHS – Sportler, Künstler, Erfinder. Sie alle haben gelernt, mit ADHS gut zu leben.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie zeigt dem Kind, dass es nicht allein ist und dass ADHS kein Hindernis für ein erfülltes Leben darstellt.

6. Die Hilfe-Formulierung: Wir unterstützen dich

„Deshalb werden wir jetzt zusammen mit einem Therapeuten üben, wie du dein Gehirn trainieren kannst, länger fokussiert zu bleiben. Und die Schule wird dir vielleicht kleine Hilfen geben – wie extra Zeit für Tests oder einen ruhigeren Platz zum Lernen. Das sind keine Vorteile, sondern Hilfen, damit du zeigen kannst, was du wirklich kannst.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie macht konkret, was als Nächstes passiert, und gibt dem Kind das Gefühl von Kontrolle und Unterstützung.

7. Die Superhelden-Formulierung: Deine Superkräfte und Herausforderungen

„Stell dir vor, ADHS ist wie ein Superheld mit besonderen Kräften. Du kannst super kreativ sein und hast manchmal Ideen, auf die andere gar nicht kommen. Aber wie jeder Superheld musst du auch lernen, deine Kräfte zu kontrollieren – zum Beispiel, nicht zu schnell zu handeln oder dich besser zu konzentrieren.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Die Superhelden-Metapher spricht besonders jüngere Schulkinder an und macht deutlich, dass Training und Übung wichtig sind.

8. Die Betriebssystem-Formulierung: Dein spezielles Programm

„Dein Gehirn hat ein sehr besonderes Betriebssystem – wie ein Computer. Es ist schneller, kreativer und energiegeladener als manche anderen Gehirne. Das ist cool! Aber manchmal braucht dein Gehirn ein bisschen mehr Struktur und Unterstützung, um sich zu konzentrieren.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Die Computer-Metapher ist für Kinder im digitalen Zeitalter sehr verständlich und normalisiert die Notwendigkeit von „Updates“ und Anpassungen.

9. Die Energie-Formulierung: Dein Motor läuft schneller

„Bei manchen Menschen läuft der Motor im Gehirn etwas schneller als bei anderen. Das bedeutet, du hast viel Energie und viele Ideen – aber manchmal ist es schwer, diese Energie zu bremsen oder zu lenken. ADHS bedeutet, dass dein Motor schneller läuft, und wir lernen jetzt, wie du ihn besser steuern kannst.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie erklärt Hyperaktivität und Impulsivität als etwas Positives (Energie), das nur Steuerung braucht.

10. Die Gemeinsam-Formulierung: Wir machen das zusammen

„Wir lieben dich genauso, wie du bist – mit ADHS und allem. Und wir werden gemeinsam lernen, wie du mit den schwierigen Seiten umgehen kannst. Das bedeutet: Mama und Papa, deine Lehrer, vielleicht ein Therapeut – wir alle helfen dir. Du bist nicht allein, und zusammen schaffen wir das.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie gibt emotionalen Rückhalt, bedingungslose Liebe und das Gefühl von Teamarbeit. Das ist entscheidend für das Selbstwertgefühl des Kindes.

Die 10 besten Formulierungen für Jugendliche (13+ Jahre)

1. Die wissenschaftliche Einstiegsformulierung: Was in deinem Gehirn passiert

„ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung. Das bedeutet, dass bestimmte Botenstoffe in deinem Gehirn – Dopamin und Noradrenalin – nicht ganz so optimal funktionieren wie bei Menschen ohne ADHS. Das beeinflusst deine Aufmerksamkeit, deine Impulsivität und manchmal deine Emotionsregulation. Es ist nichts, was du dir ausgesucht hast – es ist eine Stoffwechselstörung im Gehirn.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Jugendliche können komplexere Konzepte verstehen und schätzen oft wissenschaftliche Erklärungen. Diese Formulierung gibt ihnen Fakten.

2. Die Erklärungs-Formulierung: Warum manches schwerfällt

„Das erklärt, warum es dir schwerfällt, dich auf Hausaufgaben zu konzentrieren, obwohl die Schule nicht wirklich schwer für dich ist. Es erklärt auch, warum du manchmal schnell reagierst, bevor du denkst, oder warum du in manchen Situationen sehr emotional reagierst. Das liegt an der Art, wie dein Gehirn Informationen verarbeitet.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie verbindet die Diagnose mit konkreten Alltagserfahrungen des Jugendlichen und gibt eine logische Erklärung.

3. Die Normalitäts-Formulierung: Du bist nicht allein

„Etwa 5% aller Kinder und Jugendlichen haben ADHS – das sind in einer Schule mit 800 Schülern etwa 40 Personen. Du bist also definitiv nicht allein. Und viele berühmte Menschen haben ADHS – Schauspieler, Unternehmer, Künstler, Sportler. Sie führen erfolgreiche Leben.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Jugendliche wollen sich nicht als „anders“ oder „abnormal“ fühlen. Zahlen und Beispiele zeigen Normalität.

4. Die Keine-Einschränkung-Formulierung: Deine Zukunft ist offen

„ADHS bedeutet nicht, dass du bestimmte Dinge nicht erreichen kannst. Es bedeutet, dass du vielleicht andere Strategien brauchst als Menschen ohne ADHS. Mit der richtigen Unterstützung – Therapie, vielleicht Medikamente, Lernstrategien – kannst du alles erreichen, was du dir vornimmst.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Jugendliche denken bereits an ihre Zukunft – diese Formulierung nimmt Ängste und gibt Hoffnung.

5. Die Genetik-Formulierung: Es liegt in der Familie

„ADHS ist zu 70-80% genetisch bedingt. Das bedeutet, es wurde vererbt – wahrscheinlich hat jemand in unserer Familie ähnliche Merkmale. Das ist wissenschaftlich belegt und hat nichts mit Erziehung oder deinem Verhalten zu tun. Du hast nichts falsch gemacht.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie nimmt Schuldgefühle und erklärt die biologische Basis wissenschaftlich fundiert.

6. Die Mitsprache-Formulierung: Du entscheidest mit

„Wir werden jetzt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten besprechen – Verhaltenstherapie, eventuell Medikamente, Lernstrategien. Was hältst du davon? Welche Art von Unterstützung würde dir helfen? Deine Meinung ist wichtig, und wir entscheiden gemeinsam.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Jugendliche wollen ernst genommen werden und Kontrolle über ihr Leben haben. Diese Formulierung bezieht sie aktiv ein.

7. Die Stärken-Formulierung: Deine besonderen Fähigkeiten

„Viele Menschen mit ADHS haben besondere Stärken: Sie sind kreativ, denken außerhalb der Box, sind sehr empathisch, haben eine hohe Energie und können sich hyperfokussieren auf Dinge, die sie wirklich interessieren. Das sind alles Eigenschaften, die in vielen Berufen und im Leben sehr wertvoll sind.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie zeigt ADHS als etwas, das nicht nur Probleme, sondern auch Potenzial bringt. Das ist wichtig für das Selbstbild.

8. Die Realitäts-Formulierung: Es gibt Herausforderungen

„Ich will ehrlich sein: ADHS kann manchmal echt nerven. Es kann frustrierend sein, wenn du dich nicht konzentrieren kannst oder wenn du impulsiv reagierst und es später bereust. Aber die gute Nachricht ist: Es gibt wirksame Strategien und Hilfen. Du musst das nicht allein durchstehen.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Ehrlichkeit schafft Vertrauen. Jugendliche merken, wenn man schönredet – diese Formulierung ist authentisch.

9. Die Langzeit-Formulierung: Wie es weitergeht

„ADHS ist keine Phase, die einfach vorbeigeht. Etwa 60% der Betroffenen haben auch als Erwachsene noch Symptome. Aber hier ist das Wichtige: Die Symptome verändern sich, werden meist milder, und vor allem lernst du Strategien, die dir helfen. Viele Erwachsene mit ADHS führen total erfolgreiche, glückliche Leben.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Jugendliche schätzen Ehrlichkeit über die Zukunft. Diese Formulierung ist realistisch, aber hoffnungsvoll.

10. Die Akzeptanz-Formulierung: Du bist wertvoll

„ADHS ist ein Teil von dir, aber es definiert dich nicht. Du bist so viel mehr als diese Diagnose. Wir lieben und akzeptieren dich genau so, wie du bist – mit allen Stärken und Herausforderungen. Und wir werden dich auf diesem Weg unterstützen, damit du dein bestes Leben führen kannst.“

Warum diese Formulierung funktioniert: Sie gibt bedingungslose Akzeptanz und emotionalen Rückhalt – das Fundament für ein gesundes Selbstwertgefühl.

Praktische Tipps für das Gespräch

Nicht alles auf einmal

Du musst nicht alle Formulierungen in einem Gespräch verwenden. Wähle zwei oder drei aus, die für dein Kind und eure Situation passen.

Fragen zulassen

Gib deinem Kind Raum, Fragen zu stellen. Beantworte sie ehrlich und altersgerecht.

Wiederholung ist okay

Viele Kinder brauchen mehrere Gespräche, um die Diagnose zu verarbeiten. Es ist völlig normal, wenn ihr immer wieder darüber sprecht.

Emotionen akzeptieren

Dein Kind könnte mit verschiedenen Emotionen reagieren – Erleichterung, Trauer, Wut, Verwirrung. Alle diese Gefühle sind berechtigt.

Gemeinsam lernen

Zeige deinem Kind, dass ihr gemeinsam lernt, mit ADHS umzugehen. Auch du als Elternteil bist auf einer Lernreise.

Nach dem Gespräch: Die nächsten Schritte

Nachdem du mit deinem Kind über die ADHS-Diagnose gesprochen hast, beginnt der Weg der gezielten Unterstützung. Die multimodale Therapie kombiniert verschiedene Bausteine: Psychoedukation, Verhaltenstherapie, eventuell Ergotherapie und bei Bedarf medikamentöse Unterstützung.

In der Schule können Nachteilsausgleiche beantragt werden – kleine Hilfen wie mehr Zeit bei Tests oder ein ruhigerer Arbeitsplatz, die es deinem Kind ermöglichen, sein wahres Potenzial zu zeigen. Zuhause helfen klare Strukturen, feste Routinen und positive Verstärkung dabei, den Alltag zu erleichtern.

Die Diagnose ADHS ist kein Urteil, sondern ein Türöffner. Mit den richtigen Worten, viel Verständnis und gezielter Unterstützung kann dein Kind ein erfülltes, erfolgreiches Leben führen. Du machst das richtig, indem du informiert, unterstützend und liebevoll mit dieser Diagnose umgehst.

Deine nächsten Schritte

Jetzt, wo du gelernt hast, mit welchen Formulierungen zur Erklärung von ADHS du mit deinem Kind sprechen kannst, darfst du dich ruhig wieder auf das Ergebnis der Diagnose konzentrieren. In Step 4 der ADHS-Journey© erfährst du alles über die Zeit nach der Diagnose und welche Schritte jetzt zu gehen sind. Und denk daran: Du bist nicht allein auf diesem Weg – es gibt professionelle Hilfe, Selbsthilfegruppen und viele andere Eltern, die diesen Weg bereits gegangen sind.

Du hast jetzt ein passende Formulierung für das Gespräch mit deinem Kind gefunden.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).