Wenn du unsicher bist, ob dein Kind ADHS hat – dieser Bereich führt dich durch die ersten, wichtigen Schritte.
Die ersten Zweifel kommen meist schleichend. Dein Kind ist unruhiger, vergisst Dinge, kann sich nicht konzentrieren. Du fragst dich: Ist das normal – oder könnte mehr dahinterstecken? Du befindest dich nicht allein. Tausende Eltern stellen sich diese Frage. Und das Wichtigste: Wenn du jetzt aktiv wirst und anfängst hinzuschauen, machst du bereits den wichtigsten Schritt.
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Step 1: Das mulmige Gefühl und der Anfang deiner Reise
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ADHS wirklich?
- Die drei ADHS Hauptsymptome
- Die Dauer und das Big Picture: Wann wird es zur Störung?
- Deine nächsten Schritte
- Beobachtungs-Tagebuch
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Vertiefende Beiträge
Vielleicht sitzt du gerade nachts wach und fragst dich, ob du zu streng oder zu nachsichtig warst.
Oder Du hast gerade ein Gespräch mit der Lehrerin geführt, die von Verhaltensauffälligkeiten spricht.
Vielleicht vergleichst du dein Kind heimlich mit anderen Kindern und denkst: „Alle anderen schaffen das doch auch.“
Die Verunsicherung ist real – und deine Sorge ist berechtigt.
Aber hier ist das Wichtigste: Diese Gefühle sind völlig normal. Du schuldest dich selbst ab, fragst dich, ob etwas mit dir als Elternteil nicht stimmt. Das tun viele Eltern in dieser Situation. Und der wichtigste Punkt: Wenn du jetzt aktiv wirst, machst du bereits den ersten wichtigen Schritt – du wirst zur aktiven Beobachterin oder zum aktiven Beobachter deines Kindes.

Was ist ADHS wirklich?
Eine neurobiologische Entwicklungsstörung – nicht ein Erziehungsfehler
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung. Das bedeutet: Es geht nicht um Erziehungsversagen, nicht um mangelnde Disziplin und nicht darum, dass dein Kind „zu wild“ oder „faul“ ist. ADHS ist eine neurologische Besonderheit, bei der bestimmte Botenstoffe im Gehirn (insbesondere Dopamin und Noradrenalin) nicht ausreichend verfügbar sind oder nicht optimal wirken.
Das ist nicht deine Schuld. ADHS ist angeboren, nicht erworben.
ADHS zeichnet sich durch drei Hauptsymptombereiche aus: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Nicht jedes Kind zeigt alle Symptome gleich stark – es gibt verschiedene Erscheinungsformen von ADHS.
Die drei ADHS Hauptsymptome – Erkenne sie bei deinem Kind
Unaufmerksamkeit
Wenn konzentrieren zur Herausforderung wird.
Flüchtigkeitsfehler
Das Kind schreibt die Aufgabe auf, löst sie schnell, aber liest die Frage gar nicht richtig zu Ende. Die Lösung ist meist richtig, wenn es sich Zeit nimmt, aber es „scannt“ nur.
Schwierigkeiten bei der Konzentration
Das Kind kann 10 Minuten konzentriert arbeiten, dann wird es zappelig, müde, unruhig. Es ist nicht eine Frage von Interesse.
Scheint nicht zuzuhören
Du sprichst mit deinem Kind, es schaut dich an, aber du hast das Gefühl, dass es nichts mitbekommt. Es antwortet später: „Was hast du gesagt?“
Aufgaben nicht beenden
Das Kind fängt viele Projekte an, bringt kaum eins zu Ende. Nicht Faulheit – es ist die fehlende Aktivierungsenergie.
Organisations- und Planungsprobleme
Der Ranzen ist ein Chaos. Hausaufgaben werden vergessen. Das Kind weiß nicht, wo die Sportsachen sind.
Leicht ablenkbar
Das Kind sitzt in der Klasse, und wenn eine Tür zuschlägt oder ein anderes Kind hustet, ist die Aufmerksamkeit weg.
Verliert Gegenstände
Das Kind verliert ständig etwas. Stifte, Spielzeug, Hausaufgaben – alles scheint zu verschwinden.
Hyperaktivität & Impulsivität
Wenn Stillsitzen unmöglich ist.
Motorische Unruhe
Das Kind sitzt beim Essen und kann nicht stillsitzen. Die Beine wippen, die Finger trommeln, es dreht sich ständig im Stuhl.
Unangemessene Aktivität
Im Wartezimmer klettert das Kind auf den Stühlen herum. Bei der Oma am Tisch kann es nicht ruhig sitzen bleiben.
Kein ruhiges Spielen
Das Kind beschäftigt sich agil und laut. Ruhiges Malen, Puzzles oder Lesen – das ist oft nicht möglich.
Ständig „auf dem Sprung“
Das Kind läuft, springt, klettert – die Energie ist unerschöpflich. Sogar wenn müde, kann es nicht einschlafen.
Redet übermäßig viel
Das Kind redet ohne Pause. Es erzählt Geschichten, die kein Ende nehmen. Im Unterricht ruft es ständig dazwischen.
Platzt mit Antworten heraus
Die Frage ist noch nicht fertig, und dein Kind schreit schon die Antwort heraus. Das ist echte Impulsivität.
Kann nicht warten
In Spielen, Gesprächen, beim Anstehen – das Kind kann nicht warten. Es drängt vor, unterbricht.
Unterbricht andere
Das Kind kann einfach nicht abwarten, bis der andere ausgesprochen hat. Es unterbricht ständig.
Schnelle Frustration
Viele Kinder mit ADHS reagieren emotional sehr intensiv. Schnelle, heftige Wutausbrüche bei kleinen Frustrationen.
Die Dauer und das „Big Picture“
Wann wird es zur Störung?
Hier kommt ein entscheidender Punkt: Einzelne Symptome bedeuten noch nicht automatisch ADHS. Jedes Kind hat phasenweise Konzentrationsprobleme, jedes Kind ist mal unruhig, jedes Kind reagiert mal impulsiv. Das ist völlig normal – das ist kindliches Entwicklungsverhalten.
✓ Mindestens 6 Monate Dauer
Die Symptome müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden – nicht nur eine schlechte Phase.
✓ Mehrere Lebensbereiche betroffen
Die Symptome dürfen nicht nur in der Schule auftreten oder nur zuhause. Sie müssen in verschiedenen Situationen sichtbar sein.
✓ Deutlicher Leidensdruck
Die Symptome müssen wirklich Probleme verursachen. Das Kind oder die Familie muss darunter leiden.
ADHS ist nicht eine Frage des „zu viel“ oder „zu wenig“ – es ist eine Frage der Auswirkung auf die Lebensqualität.
Normales Verhalten oder ADHS? – Orientierungspunkte
Viele Eltern sind unsicher, wo die Grenze liegt. Das ist völlig berechtigt – diese Grenze ist tatsächlich nicht immer scharf definiert. Aber es gibt Orientierungspunkte:
- Die Symptome treten in verschiedenen Situationen auf (nicht nur in der Schule oder nur zuhause)
- Das Verhalten ist für das Alter des Kindes ungewöhnlich stark ausgeprägt
- Dein Kind leidet unter den Symptomen oder hat dadurch deutliche Probleme im Alltag
- Die Symptome bestehen seit mindestens sechs Monaten
- Lehrer, Erzieher oder andere Bezugspersonen berichten von ähnlichen Beobachtungen
Wenn du mehrere dieser Anzeichen über einen längeren Zeitraum beobachtest und es das Kind im Alltag einschränkt, solltest du den Verdacht ernst nehmen.
Deine nächsten Schritte
Von der Verunsicherung zur Klarheit
Schritt 1: Nimm deine Gefühle ernst
Dein Bauchgefühl als Elternteil hat oft Recht. Wenn etwas nicht stimmt, lohnt sich ein Hinsehen.
Schritt 2: Lerne die Symptome
Du hast sie jetzt genau kennengelernt. Das gibt dir die Sprache, um zu beschreiben, was du beobachtest.
Schritt 3: Nutze unseren Online ADHS-Test
Unser ADHS Online-Test ist kostenlos und bietet dir eine prima erste Einschätzung.
Schritt 4: Beobachte systematisch
Nutze das Beobachtungs-Tagebuch und schau über mehrere Wochen hinweg genauer hin.
Schritt 5: Sammle konkrete Beispiele
Notiere dir Situationen, in denen die Symptome besonders deutlich werden.
Schritt 6: Bereite dich auf Step 2 der ADHS-Journey© vor
Mit all diesen Informationen bist du bereit, die Beratung zu suchen und den Weg zur Diagnose einzuschlagen.
Dein 📄 Beobachtungs-Tagebuch
Kostenlos zum Download
Mit unserem Beobachtungs- und Vorbereitungs-PDF kannst du über mehrere Wochen hinweg systematisch die Verhaltensweisen und Symptome deines Kindes dokumentieren. Das ist nicht nur für dich selbst klärend – es ist auch eine wertvolle Grundlage für das Gespräch mit Kinderarzt oder Facharzt.
✓ Checkliste mit allen ADHS-Symptomen
✓ Wöchentliches Beobachtungsprotokoll (4 Wochen)
✓ Platz für konkrete Situationsbeispiele
✓ Leidensdruck-Dokumentation
✓ Fremdbeobachtungen von Lehrern/Erziehern
✓ Vorbereitung auf das Facharzt-Gespräch
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bedeutet ein ADHS-Verdacht, dass mein Kind ADHS hat?
Nein. Step 1 unserer ADHS-Journey ist eine Orientierungshilfe. Es bedeutet, dass es sich lohnt, noch mehr hinzuschauen und systematisch zu beobachten. Eine Diagnose kann nur ein Facharzt stellen.
Ab wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Wenn du mehrere Symptome über mindestens 6 Monate beobachtest und sie dein Kind im Alltag beeinträchtigen, ist es Zeit für Step 2 – Beratung und Weg zur Diagnose.
Ist ADHS heilbar?
ADHS ist nicht „heilbar“, aber es ist sehr gut behandelbar und managebar. Mit der richtigen Unterstützung können Kinder mit ADHS ein erfülltes Leben führen.
Kann ich ADHS selbst diagnostizieren?
Nein. Das zur Verfügung stehende Tagebuch (siehe oben) und diese Website ersetzen keine medizinische Diagnose. Sie sind ein Werkzeug zur strukturierten Beobachtung und zur Vorbereitung auf das Facharzt-Gespräch.
Wie lange dauert eine ADHS-Diagnostik?
Das variiert, aber typischerweise dauert eine vollständige Diagnostik mehrere Wochen bis hin zu Monaten, mit mehreren Terminen und Tests.
Was sollte ich zum Arzt mitbringen?
Dein ausgefülltes Beobachtungs-Tagebuch, Schulzeugnisse, Berichte von Lehrern/Erziehern und eine Liste mit konkreten Beispielen sind sehr hilfreich.
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Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).




