Eltern fragen sich, ob das Kind bei der ADHS-Diagnostik leiden muss

Muss mein Kind bei der ADHS-Diagnostik leiden?

Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn ein Termin zur ADHS-Diagnostik ansteht. Die Vorstellung, dass dein Kind Tests über sich ergehen lassen muss, dass es frustriert sein könnte oder sogar Angst empfindet – das alles sind berechtigte Sorgen.


Inhaltsverzeichnis


Aber hier kommt die gute Nachricht gleich zu Beginn: Die ADHS-Diagnostik ist kein leidenvoller Prozess. Im Gegenteil: Spezialisierte Fachpersonen, die mit Kindern arbeiten, wissen genau, wie sie eine sichere, verständnisvolle und sogar angenehme Testumgebung schaffen. In diesem Artikel, der zu Step 3 der ADHS-Journey© – die ADHS-Diagnostik bei deinem Kind gehört, möchten wir deine Ängste ernst nehmen und dir zeigen, dass dein Kind während der Diagnostik sehr gut aufgehoben ist.

Die Befürchtungen von Eltern und warum sie unbegründet sind

Wenn dein Kind zur ADHS-Diagnostik geht, können verschiedene Sorgen in dir entstehen. Lass mich sie ansprechen und direkt mit ihnen aufräumen:

„Wird mein Kind Angst vor Tests haben?“

Das ist eine sehr häufige Befürchtung. Viele Eltern denken an klassische Schulprüfungen – sitzenbleiben, stillsitzen, richtig oder falsch antworten müssen. Doch die ADHS-Diagnostik funktioniert grundlegend anders.

Die Tests sind nicht dazu da, dein Kind zu „bewerten“ oder „durchfallen zu lassen“. Der Psychologe oder die Psychologin ist nicht interessiert an „richtig“ oder „falsch“. Sie wollen verstehen, wie dein Kind denkt, wie es arbeitet, was seine Stärken sind und wo es Schwierigkeiten hat. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu schulischen Leistungsanforderungen.

Stellt man es dem Kind richtig dar – und dazu geben wir dir weiter unten konkrete Tipps – verstehen Kinder sehr gut, dass es um Verständnis geht, nicht um Bewertung. Das nimmt bereits viel der Angst. Die Fachleute sind zudem ausgebildet darin, Testangst zu erkennen und zu reduzieren. Sie passen das Tempo an, machen Pausen, wenn nötig, und schaffen eine entspannte Atmosphäre.

„Wird es anstrengend für meinem Kind?“

Ja, die Diagnostik ist konzentriert und durchaus anstrengend – das ist wahr. Aber es ist eine konstruktive Anstrengung, nicht quälend. Stell dir vor: Dein Kind spielt gerne ein forderndes Videospiel oder baut konzentriert an Lego-Projekten. Das ist auch anstrengend, macht aber Freude. Ähnlich ist es in der Diagnostik.

Die Tests sind zudem zeitlich begrenzt und strukturiert. Der Intelligenztest dauert etwa 90 bis 120 Minuten, wird aber mit Pausen unterbrochen. Der d2-R dauert nur etwa 10 Minuten. Der CPT-Test am Computer wirkt wie ein Spiel und dauert etwa 14 Minuten. Es sind kurze, fokussierte Einheiten, nicht stundenlange Qualen. Professionelle Diagnostiker wissen genau, wann Pausen nötig sind, und bauen sie strategisch ein – etwa wenn sie merken, dass die Konzentration nachlässt.

„Wird mein Kind sich schlecht fühlen, weil Tests zu schwer sind?“

Das ist eine sehr einfühlsame Sorge, die zeigt, wie sehr du dein Kind schützen möchtest. Aber auch hier: Das ist explizit in die Tests eingebaut. Bei jedem strukturierten Test – Intelligenztest, Aufmerksamkeitstests – werden die Aufgaben absichtlich immer schwerer. Es beginnt mit leichten Aufgaben, die jedes Kind schafft. Dann steigt der Schwierigkeitsgrad allmählich.

Das hat eine psychologische Funktion: Das Kind erhält zunächst Erfolgserlebnisse („Ich kann das!“), was das Selbstvertrauen stärkt. Später, wenn die Aufgaben schwerer werden, ist das Kind mental vorbereitet und fühlt sich nicht plötzlich überfordert. Auch teilt die Fachperson dem Kind mit: „Es ist völlig normal, dass die Aufgaben immer schwerer werden. Es gibt einen Punkt, wo es zu schwer wird – das ist Absicht. Auch Einstein könnte nicht alle Aufgaben schaffen.“ Das normalisiert das Erleben unglaublich.

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Intelligenztest beginnt mit dem Subtest „Wortschatz“. Das Kind muss einfache Wörter erklären: „Was ist ein Stuhl?“ Das schafft jedes Kind. Dann werden die Wörter schwerer: „Was bedeutet Großzügigkeit?“ Am Ende: „Was bedeutet Misanthrop?“ Auf diesem Weg hat das Kind gelernt, dass es okay ist, nicht alles zu wissen – und ist nicht geschockt, wenn es plötzlich nicht mehr antwortet.

Wie spezialisierte Fachpersonen eine sichere Umgebung schaffen

Kinder-Spezialisierung ist zentral

Die Psychologen und Psychiater, die ADHS-Diagnostik durchführen, sind spezialisiert auf Kinder und Jugendliche. Das ist kein Detail – das ist zentral. Sie haben spezifische Ausbildung darin:

  • Wie man mit Kindern kommuniziert (angepasst an das Alter und die kognitiven Fähigkeiten)
  • Wie man eine vertrauensvolle Beziehung aufbaut
  • Wie man Testangst erkennt und abbaut
  • Wie man ein Kind ermutigt, ohne es zu beeinflussen
  • Wie man die Grenzen eines Kindes respektiert

Diese Fachleute wissen: Ein Kind, das vertraut und sich sicher fühlt, erbringt bessere Leistungen und ist weniger belastet. Das ist in ihrem eigenen Interesse – und in deinem.

Die physische Umgebung

Kinder-spezialisierte Praxen und Zentren sind bewusst kindgerecht gestaltet. Das bedeutet:

  • Freundliche, helle Räume statt steriler Kliniken
  • Spielecken im Wartezimmer, um Wartezeiten zu reduzieren
  • Testräume, die entspannend wirken – oft mit ruhiger Beleuchtung, angenehmen Farben, vielleicht sogar beruhigenden Bildern
  • Keine medizinischen Instrumente sichtbar (kein Stethoskop herumliegen, kein Blutdruckmessgerät)
  • Komfortable Stühle und Tische in der richtigen Größe für Kinder

Der Raum sendet dem Kind eine Botschaft: „Hier ist es sicher. Hier kümmert man sich um dich.“Das reduziert bereits erheblich die unbewusste Anspannung, die viele Kinder in „ärztlichen“ Umgebungen spüren.

Das Verhalten der Fachperson

Ein erfahrener Psychologe oder eine Psychiaterin wird:

  • Langsam starten – vielleicht mit Small Talk, um das Kind „aufzuwärmen“
  • Die Aufgaben deutlich erklären – nicht mehrdeutig, sondern sehr klar
  • Bestätigung geben: „Das hast du gut gemacht“ oder „Das war eine schwierige Aufgabe – super, dass du es versucht hast“
  • Pausen nehmen, wenn das Kind müde wirkt
  • Sicherheit schaffen durch Konsistenz – jedes Kind weiß, was als nächstes kommt
  • Körpersprache bewusst einsetzen – zugewandte Haltung, Blickkontakt, ruhige Stimme

Unterm Strich: Die Fachperson ist Vermittler zwischen dem Kind und dem Test – ein Puffer, der sicherstellt, dass das Kind nicht überfordert oder verängstigt wird. Dein Kind muss bei der ADHS-Diagnostik nicht leiden.

Spezifische Situationen in der Diagnostik

Das Anamnesegespräch: Du und die Fachperson

Im Anamnese-Gespräch sitzt du mit dem Psychologen oder der Psychiaterin zusammen und erzählst die Lebensgeschichte deines Kindes. Dein Kind ist NICHT dabei. Das ist absichtlich so. Der Fachmann oder die Fachfrau möchte zunächst mit dir sprechen – ohne dass das Kind sich selbst „angeklagt“ oder „unter Beobachtung“ fühlt.

Das ist für dein Kind eine Erleichterung, nicht eine Belastung. Es kann entspannen, vielleicht in der Wartezone spielen oder ein Buch anschauen. Es wird nicht daran erinnert, dass etwas „nicht stimmt“. Und wenn es dann später zum Test kommt, ist es weniger mental belastet.

Der Intelligenztest – spielerische Aufgaben

Der Intelligenztest besteht aus verschiedenen Untertests, viele davon wirken wie Spiele:

Mosaiktest

Das Kind setzt bunte Würfel zusammen, um ein bestimmtes Muster zu legen. Das ist kreativ und spielerisch, nicht „Test-like“.

Bilderergänzung

Das Kind sieht Bilder, bei denen ein Teil fehlt, und muss sagen, was fehlt. Fast wie ein Wimmel-Buch.

Zahlenfolgen

Das Kind hört eine Zahlenreihe und muss sie wiederholen. Das ist, wie „Simon sagt“ – ein bekanntes Spiel.

Wortschatz

Das Kind erklärte Wörter. Das macht dein Kind vermutlich sowieso den ganzen Tag – es ist kein Test im klassischen Sinne, sondern ein Gespräch.

Während dieser Tests wird das Kind kontinuierlich durch die Fachperson unterstützt und ermutigt. Es sitzt dem Psychologen gegenüber in angenehmer Distanz. Es kann jederzeit „Ich weiß nicht“ sagen. Es kann um Wiederholung bitten. Es wird nicht gehetzt.

Der d2-R Test – schnell und kurz

Der d2-R ist kurz (etwa 10 Minuten) und hat die klare, einfache Aufgabe, bestimmte Symbole durchzustreichen. Das ganze ist:

  • Visuell – dein Kind sieht sofort, was zu tun ist
  • Handlungsorientiert – es nimmt einen Stift und macht es (nicht abstrakt)
  • Kurz – vorbei, bevor Frustration entstehen kann
  • Spielerisch framing-bar – „Wir spielen ein Zeitspiel“ statt „Das ist ein Test“

Viele Kinder finden das sogar ganz spaßig.

Der CPT – das Videospiel-Format

Der CPT findet am Computer statt und ist von der Form her einem Videospiel ähnlich: Es erscheinen Bilder oder Buchstaben, und das Kind klickt oder drückt eine Taste, wenn eine bestimmte Kombination kommt. Das ist:

  • Vertraut für Kinder, die mit Computerspielen aufwachsen
  • Interaktiv und engagierend – nicht passiv
  • Mit Feedback – das Kind merkt sofort, ob die Reaktion richtig war
  • Kurz – etwa 14 Minuten insgesamt

Viele Kinder erleben dies eher als Herausforderung oder sogar Abenteuer als als Belastung.

Wie du als Elternteil dein Kind unterstützen kannst

Deine Haltung und Vorbereitung ist ausschlaggebend dafür, dass dein Kind die Diagnostik nicht als Leiden, sondern als einen positiven Erkundungsprozess erlebt.

Transparenz und Normalisierung

Erkläre deinem Kind vorab in altersgerechten Worten, was passiert. Sag Dinge wie:

  • „Wir gehen zu einer Psychologin, die sich auf Gehirne spezialisiert hat. Sie möchte verstehen, wie DEIN Gehirn arbeitet.“
  • „Du wirst verschiedene kleine Spiele und Aufgaben machen – manche am Computer, manche mit Rätseln. Es gibt da kein richtig oder falsch.“
  • „Es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Die Psychologin ist nett und möchte dir helfen.“

Diese Vorbereitung macht einen großen Unterschied in der Angstwahrnehmung des Kindes.

Deine innere Ruhe

Dein Kind spürt deine Nervosität. Wenn du selbst ängstlich oder angespannt bist, wird dein Kind das aufgreifen. Daher: Arbeite an deiner eigenen inneren Haltung. Dies ist kein Trauma, sondern ein Informationsprozess. Diese Gelassenheit überträgt sich auf dein Kind wie eine Sicherheitsbotschaft: „Es ist okay. Meine Mutter/mein Vater ist entspannt, also muss ich nicht Angst haben.“

Nach der Diagnostik

Nach den Tests bestätige dein Kind: „Das hast du super gemacht!“ oder „Ich sehe, das war anstrengend für dich. Danke, dass du mitgemacht hast und dich angestrengt hast.“ Das würdigt die Leistung und zeigt, dass du stolz bist – nicht, dass etwas „Schlimmes“ passiert ist.

Fazit: Die Diagnostik ist der Beginn einer Lösung, nicht eines Leidens

Die ADHS-Diagnostik ist gründlich, strukturiert und in den Händen spezialisierter Profis sicher. Dein Kind wird nicht leiden. Es wird nicht schmerzen haben. Es wird keine unbewältigbaren Ängste erleben – sofern du es altersgerecht vorbereitest und eine unterstützende Haltung vermittelst.

Im Gegenteil: Diese Diagnostik ist der erste Schritt zu echtem Verständnis und echten Lösungen. Am Ende des Prozesses werdet ihr wissen, was los ist – und das öffnet Türen zu gezielter Hilfe, zu Verständnis und zu einem leichteren Alltag für dein Kind. Das ist keine Belastung. Das ist eine Chance.

Vertrau den Fachleuten, vertrau deinem Kind – und vertrau darauf, dass dieser Prozess deine Familie näher an echte Unterstützung bringt.

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Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).