ADHS Therapie für dein Kind

Die Diagnose habt ihr verstanden und besprochen, jetzt geht es um die Behandlung von ADHS.

Jetzt, wo die Diagnose feststeht, fragst du dich vermutlich: Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Welche Hilfen gibt es? Die gute Nachricht: Es gibt bewährte Therapieansätze, die nachweislich wirken.

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Wir behandeln das Thema ADHS bei deinem Kind als ADHS-Journey© in 8 Steps, du bist hier:

Step 5: Optionen der ADHS-Therapie

Inhaltsverzeichnis

Zu beginn ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht die eine richtige Therapie für alle Kinder gibt. Jedes Kind mit ADHS ist unterschiedlich, und genau deshalb braucht es einen individuellen Behandlungsplan, der speziell auf dein Kind zugeschnitten ist. Dieser Plan wird gemeinsam mit verschiedenen Fachpersonen erstellt – deinem Arzt oder deiner Ärztin, Therapeuten und Therapeutinnen, und natürlich unter Berücksichtigung deiner Familie und der Schule deines Kindes. Zusammenarbeit ist dabei der Schlüssel zum Erfolg, doch hierzu etwas später.

Multimodale Therapie – was bedeutet das?

Die moderne ADHS-Behandlung folgt dem bewährten Prinzip der multimodalen Therapie. Das bedeutet: Es werden verschiedene Bausteine kombiniert, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken. Statt auf nur eine Maßnahme zu setzen, nutzt man die Kraft mehrerer Ansätze gleichzeitig – oder nacheinander, je nachdem, was für dein Kind am sinnvollsten ist.

Welche Bausteine im Einzelfall zum Einsatz kommen, hängt von mehreren Faktoren ab: vom Schweregrad der ADHS-Symptome, vom Alter deines Kindes, von seinen individuellen Bedürfnissen und Stärken, sowie von möglichen Begleitstörungen (sogenannten Komorbiditäten). Ein Kind mit leichteren Symptomen braucht möglicherweise andere Unterstützung als ein Kind mit schwerer ausgeprägter ADHS. Ein jüngeres Vorschulkind wird andere Therapien brauchen als ein Schulkind oder Jugendlicher.

Der wesentliche Vorteil der multimodalen Therapie ist, dass sie umfassend wirkt: Sie hilft nicht nur, die Kernsymptome der ADHS zu verringern, sondern verbessert auch die Lebensqualität deines Kindes in verschiedenen Bereichen – in der Familie, in der Schule und im sozialen Umfeld.

Die wichtigsten Therapiebausteine in der Übersicht

Therapiebausteine und ADHS Behandlungsplan für Kind
Kind bei Psychotherapeutin: Besprechung von Therapie und Behandlungsplan

1. Psychoedukation: Die Grundlage aller Therapien

Bevor irgendeine andere Therapie beginnt, steht die Psychoedukation an erster Stelle. Das bedeutet: Aufklärung über ADHS für dich als Elternteil und für dein Kind. Und das ist viel mehr als bloße Information – es ist die Grundlage für alles, was folgt.

In der Psychoedukation lernst du und dein Kind, was ADHS ist, wie es sich äußert, wie das Gehirn dabei funktioniert und vor allem: wie man damit umgehen kann. Ein wichtiger Teil ist auch die Aufklärung über die biologischen Hintergründe. ADHS ist nicht die Folge von schlechter Erziehung oder mangelnder Disziplin – das ist ein häufiges Missverständnis. Vielmehr gibt es ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn (besonders Dopamin und Noradrenalin), das die Aufmerksamkeitssteuerung und die Impulskontrolle beeinflusst. Diese biologische Grundlage zu verstehen, hilft dir enormen Verständnis für dein Kind zu entwickeln.

Die Ziele der Psychoedukation:

Verständnis entwickeln für die Symptome deines Kindes und für die dahinterliegenden Mechanismen.

Vorurteile abbauen, sowohl deine eigenen als auch die der Umgebung.

Stigma reduzieren. ADHS ist eine neurologische Besonderheit, keine Charakterschwäche.

Realistische Erwartungen aufbauen: was ist erreichbar, was nicht?

Hoffnung geben! Es gibt Wege, das Leben deines Kindes deutlich zu verbessern.

Besonders wichtig ist, dass die Psychoedukation auch dein Kind einbezieht – in altersgerechter Form. Schon Grundschulkinder können verstehen, dass ihr Gehirn anders arbeitet, dass es stärker abgelenkt wird und dass sie manchmal mehr Mühe brauchen, um sich zu konzentrieren. Dieses Verständnis hilft dem Kind selbst, sich nicht als „falsch“ oder „faul“ zu erleben.

2. Elterntraining: Konkrete Strategien für den Alltag

Das Elterntraining ist einer der am besten erforschten und wirksamsten Therapiebausteine. Es geht weit über einfache Tipps hinaus – es ist ein strukturiertes Training, in dem du konkrete Verhaltensstrategien lernst, die wissenschaftlich nachgewiesen wirken.

Die bekanntesten und am meisten verwendeten Programme sind Trainings nach dem Vorbild von Dr. Manfred Döpfner (THOP – Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten).

Diese Programme vermitteln dir praktisches Wissen:

Wie setze ich klare Regeln und Grenzen?

Kinder mit ADHS brauchen besonders klare, konsistente Strukturen. Im Training lernst du, wie du Regeln so formulierst und umsetzt, dass dein Kind sie versteht und befolgt.

Wie reagiere ich auf Wutausbrüche und emotional schwierige Situationen? 

Kinder mit ADHS sind oft impulsiv und emotional intensiv. Du lernst, wie du in diesen Momenten ruhig bleibst und effektiv reagierst.

Wie schaffe ich Struktur im Alltag? 

Regelmäßige Routinen, klare Tagesabläufe, vorhersehbare Übergänge – all das hilft deinem Kind ungemein.

Wie nutze ich positive Verstärkung und Konsequenzen richtig?

Das Training zeigt dir, wie du gewünschtes Verhalten aufbaust und problematisches Verhalten abbaust, ohne dabei zu bestrafen.

Positive Interaktion

Ein zentrales Element ist der Aufbau von positiven Interaktionen. Oft sind Eltern und Kinder mit ADHS in einem negativen Kreislauf gefangen: Das Kind vergisst etwas, der Elternteil ist frustriert, der Ton wird rauer, das Kind zieht sich zurück oder wird aggressiv. Im Elterntraining lernst du, diesen Kreislauf zu durchbrechen und wieder positive Momente zu schaffen.

Hinweis: Elterntrainings funktionieren besser in einem bestimmten Alter und unter bestimmten Bedingungen. Sie sind besonders wirksam im Vorschul- und frühen Schulalter. Bei älteren Jugendlichen oder in Familien mit erheblichen elterlichen Belastungen (z.B. wenn ein Elternteil selbst ADHS hat oder psychisch belastet ist) kann ihre Wirksamkeit begrenzt sein. Trotzdem bleiben sie ein wertvoll Baustein – sie müssen nur möglicherweise durch andere Maßnahmen ergänzt werden.

3. Verhaltenstherapie für das Kind: Selbstkontrolle entwickeln

Die Verhaltenstherapie – genauer gesagt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) – hilft deinem Kind, Strategien zur Selbstkontrolle zu entwickeln. Das ist besonders ab dem Schulalter sinnvoll.

In der Verhaltenstherapie lernt dein Kind:

Selbstinstruktion

Das bedeutet, sich selbst „laut denken“ beizubringen. Anstatt impulsiv zu handeln, lernt das Kind, sich selbst Anweisungen zu geben: „Erst schaue ich mir die Aufgabe an, dann überlege ich, wie ich vorgehen will, dann fange ich an.“ Diese verbale Selbststeuerung hilft enorm.

Verbesserte soziale Kompetenzen

Viele Kinder mit ADHS haben Schwierigkeiten in der Interaktion mit Gleichaltrigen. Im Training bzw. während der Therapie lernen sie, wie sie besser zuhören, wie sie Regeln in Spielen einhalten und wie sie Konflikte besser lösen.

Umgang mit Frustration und Misserfolg

Kinder mit ADHS erleben häufig Misserfolge und können damit oft schwer umgehen. Die Therapie zeigt ihnen, wie sie mit schwierigen Gefühlen besser umgehen können.

Selbstorganisationstechniken

Besonders ältere Kinder und Jugendliche lernen, wie sie ihre Aufgaben planen, wie sie einen Schulrucksack organisieren, wie sie ihre Zeit einteilen.

Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Stärkung des Selbstwertgefühls. Kinder mit ADHS erleben oft Ablehnung, bekommen häufig negative Rückmeldungen, fühlen sich als „das Problem-Kind“. Die Verhaltenstherapie hilft, diese beschädigten Selbstbilder zu reparieren und das Kind in seinen Stärken zu sehen.

Die Wirksamkeit von Verhaltenstherapie bei ADHS ist wissenschaftlich belegt. Sie ist etwa halb so wirksam wie Medikamente allein, aber wenn man sie mit Medikamenten kombiniert oder wenn man sie intensiv durchführt, können die Effekte sehr beträchtlich sein.

4. Ergotherapie: Training von Motorik und Konzentration

Ergotherapie trainiert nicht nur die Motorik, sondern auch Konzentration, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit zur Handlungsplanung durch gezielte Übungen und Spiele. Sie ist besonders hilfreich, wenn dein Kind motorische Probleme hat oder unter motorischer Unruhe leidet.

In der Ergotherapie werden oft folgende Bereiche trainiert:

Motorische Entwicklung

Grob- und Feinmotorik werden durch Bewegungsspiele und Aktivitäten verbessert

Wahrnehmung

Die Körperwahrnehmung wird trainiert, das Kind lernt, seinen Körper besser zu spüren und zu kontrollieren

Konzentration und Aufmerksamkeit

Durch spezielle Übungen wird die Fähigkeit verbessert, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren

Selbstorganisation im Alltag

Das Kind lernt, sich anzuziehen, einen Schulrucksack zu organisieren, Hausaufgaben strukturiert zu machen

Besonders Bewegungsspiele als Therapieform eignen sich gut: Das Kind muss sich auf eine Aufgabe konzentrieren, während es sich bewegt – z.B. einen Ball auf dem Kopf balancieren, während es geht. So wird der Bewegungsdrang gestillt, während gleichzeitig Motorik und Konzentration trainiert werden. Das ist für ein Kind mit ADHS ideal, weil es nicht stillsitzen muss, sondern aktiv sein kann, während es trotzdem lernt.

Ergotherapie wird von Kinderärzten verordnet und ist eine wichtige Ergänzung zu anderen Therapien.

5. Medikamentöse Therapie: Unterstützung auf chemischer Ebene

Die medikamentöse Therapie ist ein wichtiger Baustein, muss aber im Kontext verstanden werden: Medikamente sind nicht die Lösung für ADHS – sie sind ein Werkzeug, das andere Therapien ermöglicht und unterstützt.

Wann werden Medikamente eingesetzt?

Bei leichten Formen kann es ausreichen, mit Psychoedukation und Elterntraining zu beginnen, gänzlich ohne Medikamente.

Mit mittelschweren Formen werden oft Medikamente empfohlen, insbesondere wenn die bisherigen psychosozialen Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben.

Bei schweren Formen werden Medikamente häufig von Anfang an eingesetzt, weil das Kind sonst so sehr beeinträchtigt ist, dass es von anderen Therapien gar nicht profitieren kann.

Das am häufigsten eingesetzte Medikament ist Methylphenidat (bekannt unter Handelsnamen wie Ritalin). Es gibt auch kurzwirksame Präparate (Wirkung 3-4 Stunden) und langwirksame Retard-Präparate (Wirkung 8-12 Stunden).

Wichtige Punkte zur medikamentösen Therapie:

  • Dosierung ist individuell – Es gibt keine Standarddosis. Die Behandlung beginnt mit niedriger Dosierung und wird schrittweise erhöht, bis die optimale Wirkung mit minimalen Nebenwirkungen erreicht ist.
  • Wirksamkeit – Methylphenidat verbessert die Symptome bei etwa 60-90% der Kinder mit ADHS. Die Aufmerksamkeit wird gesteigert, impulsives und hyperaktives Verhalten wird vermindert.
  • Nebenwirkungen – Häufige Nebenwirkungen sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Diese treten aber oft nur am Anfang auf und bessern sich wieder. Es gibt Strategien, um mit Nebenwirkungen umzugehen (z.B. Einnahme zu anderen Zeiten, Medikamentenpausen am Wochenende).
  • Regelmäßige Überwachung ist notwendig – Dein Arzt wird regelmäßig kontrollieren, wie gut die Medikation wirkt, ob Nebenwirkungen auftreten, und ob die Dosierung noch stimmt.

Wichtig: Medikamente ersetzen nicht die anderen Therapien. Auch wenn dein Kind Medikamente nimmt, braucht es weiterhin Elterntraining, möglicherweise Verhaltenstherapie und schulische Unterstützung. Die beste Wirkung entsteht durch die Kombination. In Step 6 der ADHS-Journey© erfährt du dann mehr zur ADHS-Medikation bei Kindern.

6. Weitere Therapien bei Bedarf

Je nach den spezifischen Problemen deines Kindes können weitere Therapien sinnvoll sein:

  • Lerntherapie – Wenn dein Kind gleichzeitig eine Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) oder Rechenschwäche (Dyskalkulie) hat, kann spezialisierte Lerntherapie helfen
  • Logopädie/Sprachtherapie – Wenn Sprachentwicklungsstörungen oder Kommunikationsprobleme bestehen
  • Physiotherapie – Bei motorischen Entwicklungsstörungen
  • Neurofeedback – Ein innovativer Ansatz, bei dem das Kind mittels EEG-Feedback lernt, seine Gehirnaktivität selbst zu regulieren

Diese Therapien würden nur hinzugefügt, wenn sie notwendig sind, nicht automatisch.

Der Individuelle Behandlungsplan wird für dein Kind maßgeschneidert

Es gibt kein „Standard-Rezept“ für ADHS. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen ADHS-Therapie. Dein Kind ist einzigartig mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Begleitstörungen, seinem Alter und seiner familiären Situation.

Der Behandlungsplan wird daher individuell erstellt und regelmäßig überprüft. Der behandelnde Arzt oder die Ärztin wird mit dir in ausführlichen Gesprächen besprechen:

  • Welche Symptome belasten dein Kind am meisten?
  • In welchen Bereichen braucht es am dringendsten Unterstützung (Familie, Schule, soziale Kontakte)?
  • Hat dein Kind begleitende Probleme (Angststörungen, Lernstörungen, oppositionelles Verhalten)?
  • Wie alt ist dein Kind und welche Therapien sind in diesem Alter sinnvoll?
  • Wie ist die Familiensituation (Können Eltern an Trainings teilnehmen? Gibt es weitere psychische Belastungen?)?
  • Welche Ziele haben wir? Was möchte die Familie erreichen?

Basierend auf diesen Fragen wird ein individueller Plan erstellt.

Die Reihenfolge der Therapiebausteine

Ein sehr wichtiger Punkt: Nicht alle Therapien sollten gleichzeitig beginnen. Das ist ein häufiger Fehler, der zu Überforderung führt, für dich als Eltern und für dein Kind.

Typischerweise könnte die Therapie-Abfolge so aussehen:

Phase 1: Psychoedukation und erste Information

Dies passiert gleich nach der Diagnose. Du und dein Kind lernt ADHS kennen und es für euch einzuordnen. Das ist der Startpunkt.

Phase 2: Elterntraining

Wenn keine akute schwere Beeinträchtigung besteht, wird oft mit Elterntraining begonnen. Dies ist die erste intensive Maßnahme, denn was du als Eltern veränderst, hat direkte Auswirkungen auf dein Kind.

Phase 3: Evaluation und Entscheidung über Medikamente

Nach etwa 6-8 Wochen Elterntraining wird evaluiert, ob das ausreicht oder ob Medikamente notwendig sind. Erst dann wird über medikamentöse Therapie nachgedacht.

Phase 4: Ggf. Verhaltenstherapie für das Kind

Wenn das Kind älter ist (Schulalter) und weitere Unterstützung braucht, kann nun Verhaltenstherapie beginnen.

Phase 5: Weitere spezialisierte Therapien

Bei Bedarf (z.B. Lerntherapie für Legasthenie) werden weitere Maßnahmen hinzugefügt.

Diese schrittweise Vorgehensweise ist weniger überwältigend und erlaubt es, die Effekte und Wirksamkeiten jedes Bausteins zu sehen. Du merkst, ob die Elterntraining allein hilft – oder ob noch mehr notwendig ist.

Ausnahmen: Wenn dein Kind schwer beeinträchtigt ist (kann nicht zur Schule gehen, gefährdet sich selbst oder andere), kann eine medikamentöse Therapie auch früher und rascher notwendig werden.

Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure ist Schlüssel zum Erfolg im Rahmen der ADHS-Therapie

Eine erfolgreiche ADHS-Behandlung ist ein Zusammenspiel verschiedener Personen, die sich gegenseitig absprechen und unterstützen. Dazu gehören:

Ihr Eltern seid die Basis

Du und dein Partner/deine Partnerin setzt die Strategien im Alltag um. Ihr schafft die Struktur zu Hause, ihr implementiert das Elterntraining, ihr beobachtet, wie sich euer Kind verändert. Und ihr seid die Experten für euer Kind – eure Perspektive ist wertvoll und muss ernst genommen werden.

Therapeuten und Therapeutinnen

Psychologen, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten vermitteln Techniken, begleiten deinen Sohn oder deine Tochter im Lernprozess, trainieren neue Fähigkeiten. Sie sind der regelmäßige Kontakt und die Fachperson vor Ort.

Ärzte und Ärztinnen

Kinderärzte oder Kinder- und Jugendpsychiater führen die Diagnose durch, überwachen medikamentöse Therapie, passen Dosierungen an, überprüfen Nebenwirkungen. Sie sind die Fachpersonen für medizinische Aspekte.

Lehrer und Erzieher

Die Schule und der Kindergarten sind ein großer Teil des Lebens deines Kindes. Lehrer und Erzieher müssen über die ADHS informiert sein und wissen, wie sie dein Kind unterstützen können. Das bedeutet oft: strukturierter Unterricht, klare Regeln, positive Verstärkung, manchmal auch schulische Anpassungen (z.B. mehr Zeit bei Prüfungen, spezielle Sitzplätze).

Das Kind selbst

Je älter es wird, umso wichtiger wird es, dass dein Kind selbst versteht, was ADHS ist, und lernt, Strategien zur Selbsthilfe anzuwenden. Nicht als Verantwortung oder Schuldzuweisung – sondern als Empowerment: „Ich verstehe, wie mein Gehirn funktioniert, und ich habe Werkzeuge, um damit umzugehen.“

Regelmäßige Abstimmung

Alle diese Beteiligten brauchen regelmäßige Kommunikation. Das bedeutet:

  • Der Therapeut spricht mit dem Arzt über den Fortschritt
  • Eltern teilen Beobachtungen von zu Hause mit dem Therapeuten
  • Der Lehrer berichtet der Schule, wie das Kind bei schulischen Maßnahmen fortschreitet
  • Regelmäßige Elterngespräche zwischen Familie und Therapeuten
  • Konferenzen mit der Schule (mindestens einmal pro Halbjahr)

Diese Koordination ist nicht immer einfach, aber sie ist essentiell. Ein Kind, das zu Hause von den Eltern unterstützt wird, das in der Schule von Lehrern verstanden wird, das in der Therapie an neuen Fähigkeiten arbeitet – ein solches Kind hat die beste Chance zu blühen.

Selbsthilfegruppen für Eltern: Du bist nicht allein

Viele Eltern berichten, dass der Austausch mit anderen betroffenen Familien enorm hilfreich ist – oft sogar therapeutischer als die formale Therapie. In Selbsthilfegruppen kannst du:

  • Erfahrungen austauschen mit anderen Eltern, die verstehen, was du durchmachst
  • Praktische Tipps bekommen – „Wie hast du das gelöst?“
  • Emotionalen Rückhalt finden – das ist anstrengend, und es ist gut, sich verstanden zu fühlen
  • Von den Erfahrungen anderer lernen – vielleicht hat jemand schon eine Lösung für ein Problem, das du auch hast
  • Dich weniger allein fühlen – ADHS ist häufiger, als du vielleicht denkst

Wichtige Hinweise zur Therapie-Realität

Nicht alle Therapien gleichzeitig beginnen

Dies kann nicht oft genug wiederholt werden: Es ist überwältigend und oft kontraproduktiv, alles auf einmal zu machen. Ein Kind kann nicht gleichzeitig Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Lerntherapie und Neurofeedback machen – das ist zu viel. Auch die Eltern können nicht gleichzeitig an mehreren intensiven Trainings teilnehmen. Der Behandlungsplan sollte realistisch sein und machbar bleiben.

Geduld ist wichtig

ADHS-Therapie ist ein Marathon, kein Sprint. Erste Verbesserungen sieht man oft nach 4-6 Wochen, aber echte, nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit – oft 3-6 Monate oder länger. Dein Kind hat vielleicht über Jahre hinweg gelernt, auf bestimmte Art zu reagieren. Das ändert sich nicht über Nacht.

Kleine Fortschritte sind große Erfolge

Nicht jeder Fortschritt ist sichtbar und messbar. Vielleicht ist der große Erfolg nicht, dass dein Kind plötzlich keine ADHS mehr hat (das wird nicht passieren – ADHS ist lebenslang), sondern dass es weniger Wutausbrüche hat, dass es eine Schulstunde besser durchhält, dass es einen Freund hat, dass es mehr Selbstwertgefühl hat. Diese kleinen Fortschritte sind wertvoll und sollten gefeiert werden.

Regelmäßige Evaluierung und Anpassung

Der Behandlungsplan ist nicht in Stein gemeißelt. Regelmäßig (etwa alle 6-9 Monate) sollte evaluiert werden:

  • Wirkt die jetzige Therapie?
  • Sind die Ziele erreicht?
  • Braucht es Anpassungen?
  • Sind neue Probleme aufgetaucht?
  • Muss der Plan geändert werden?

Diese Flexibilität ist wichtig – was vor einem Jahr richtig war, kann heute nicht mehr passen.

Die ADHS-Therapie für dein Kind ist ein individueller, koordinierter und schrittweiser Weg.

Die Diagnose ADHS ist nicht das Ende, sondern ein Anfang – der Anfang eines Weges zu besserer Unterstützung und Verständnis für dein Kind. Mit einem individuellen Behandlungsplan, der die verschiedenen Therapiebausteine intelligent kombiniert, mit Geduld, mit der Zusammenarbeit zwischen Familie, Schule und Therapeuten, und mit dem Verständnis, dass dies ein Marathon ist – mit all dem habt ihr eine große Chance, dass dein Kind nicht nur seine ADHS-Symptome besser bewältigen kann, sondern dass es zu einem glücklicheren, selbstbewussteren Kind wird, das seine Stärken sieht und nutzt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Gibt es eine „beste“ Therapie für ADHS?

Nein, es gibt keine universelle beste Therapie. Die moderne ADHS-Behandlung folgt dem Ansatz der multimodalen Therapie, bei der verschiedene Bausteine (Psychoedukation, Elterntraining, Verhaltenstherapie, Medikamente) kombiniert und individuell auf dein Kind zugeschnitten werden. Man spricht hier auch von Optionen in der Therapie.

Wann sollte mein Kind Medikamente bekommen?

Das ist unterschiedlich. Bei leichten Formen reichen oft Psychoedukation und Elterntraining aus. Bei mittelschweren und schweren Formen werden Medikamente empfohlen, meist nach 6–8 Wochen Elterntraining, wenn psychosoziale Maßnahmen allein nicht ausreichend geholfen haben.

Wie lange dauert die Therapie?

ADHS-Therapie ist ein Marathon, kein Sprint. Erste Verbesserungen sieht man oft nach 4–6 Wochen, aber echte, nachhaltige Veränderungen brauchen 3–6 Monate oder länger.

Sollten alle Therapien gleichzeitig beginnen?

Nein, definitiv nicht! Das wäre zu viel. Die typische Abfolge ist: 1. Psychoedukation + Elterntraining, 2. Nach 6–8 Wochen: Evaluation und Entscheidung über Medikamente, 3. Bei Bedarf: Verhaltenstherapie für das Kind, 4. Weitere spezialisierte Therapien nur bei Bedarf.

Ich bin selbst überfordert – wie soll ich noch ein Elterntraining machen?

Das ist eine berechtigte Sorge, aber hier ist die gute Nachricht: Elterntraining reduziert deine Überforderung. Du lernst konkrete Verhaltensstrategien, die dir im Alltag helfen. Nach wenigen Wochen berichten viele Eltern, dass sie sich deutlich weniger überfordert fühlen und der Alltag leichter wird.

Mein Kind lehnt Therapie ab – was kann ich tun?

Das ist völlig normal, besonders bei älteren Kindern. Versuche: 1. Psychoedukation nutzen – erkläre deinem Kind, warum die Therapie hilft, 2. Den richtigen Therapeuten finden – die Chemie muss stimmen, 3. Dein Kind einbeziehen – gib ihm Wahlmöglichkeiten (männlich/weiblich, welche Therapieform), 4. Kleine Erfolge sichtbar machen – wenn dein Kind Verbesserungen sieht, wächst die Motivation. Erzwinge Therapie nicht um jeden Preis, aber gib nicht zu schnell auf.


Vertiefende Beiträge zu ADHS-Therapie

Jetzt, wo die Therapiebausteine kennengelernt hast, geht es weiter mit der Medikation.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).