Dein Vorgehen bei ADHS-Verdacht beim Kind

Wenn sich dein Verdacht erhärtet hat, dass dein Kind ADHS hat – dieser Bereich zeigt dir, wie es weitergeht.

Vielleicht bist du gerade unsicher, besorgt oder sogar ein wenig überfordert. Du beobachtest auffällige Verhaltensweisen bei deinem Kind, hast vielleicht schon im Step 1- Hat mein Kind ADHS? erste Fragen klären können aber bist nach wie vor unsicher und suchst nach Antworten. Das ist vollkommen verständlich – viele Eltern erleben in dieser Situation eine Mischung aus Sorge, Schuldgefühlen und Hoffnung auf Klarheit.

Dein Gefühl ist der Ausgangspunkt für eine professionelle Unterstützung. Es ist besser, einen Verdacht zu klären, als ihn für dich zu behalten. Wir unterstützen dich hierbei.

↓ Scrolle weiter, wir helfen dir ↓

Wir behandeln das Thema ADHS bei deinem Kind als ADHS-Journey© in 8 Steps, du bist hier:

Step 2: Wie du jetzt richtig vorgehst von Beobachtung hin zur Beratung

Inhaltsverzeichnis

Du vermutest, dass dein Kind ADHS haben könnte – jetzt beginnt die nächste Etappe. Damit du und dein Kind den Weg zur Klarheit und Unterstützung gehen könnt, ist das Beratungsgespräch das zentrale Bindeglied zwischen der Unsicherheit und einer fundierten fachlichen Einschätzung.

Du brauchst jetzt noch keine fertige Diagnose – nur den Mut, das Gespräch mit einem Kinderarzt oder einer Beratungsstelle zu suchen.

Der erste Ansprechpartner: Kinderarzt oder Kinderpsychotherapeut

Vorgehen bei ADHS-Verdacht bei deinem Kind
Vorgehen bei ADHS-Verdacht bei deinem Kind
  • Kinderarzt: Meist der beste Einstieg, da er dein Kind bereits kennt. Er beurteilt die Situation und leitet bei begründeten Verdacht an Fachstellen weiter.
  • Kinder- und Jugendpsychiater: Können umfassend beraten und die Diagnostik durchführen, sind jedoch im Erstkontakt meist nicht zwingend notwendig.
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeuten: Spezialisierte Therapeuten mit Fokus auf Verhaltensbeobachtung und Beratung.
  • Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ): Interdisziplinäres Team für Beratung und Diagnostik – sinnvoll bei komplexeren Fällen.
  • Erziehungsberatungsstellen: Erstes Ziel für Rat und Vermittlung – hier erhältst du unkomplizierte Informations- und Beratungsangebote.

Grundsatz: Der Kinderarzt ist der Dreh- und Angelpunkt – das Beratungsgespräch dient dazu, den Verdacht zu prüfen, weitere Beobachtungen zu sortieren und ggf. nächste Schritte im Vorgehen bei ADHS-Verdacht einzuleiten.

Das Erstgespräch: Wie solltest du dich vorbereiten?

Im Beratungsgespräch verschaffst du dir und den Fachleuten einen Überblick (Anamnese). Die wichtigsten Aspekte sind:

  • Welche konkreten Verhaltensauffälligkeiten sind dir aufgefallen? Beispielsweise Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Hyperaktivität.
  • Seit wann treten diese Probleme auf, wie zeigt sich das im Alltag?
  • In welchen Situationen werden diese besonders deutlich?
  • Wie verlief die Entwicklung deines Kindes bisher (Meilensteine, Besonderheiten)?
  • Gab es einschneidende Ereignisse im familiären Umfeld?
  • Wie wirken sich die Auffälligkeiten auf Schule, Kindergarten oder Freizeit aus?

Gut vorbereitet sein: Notiere dir Beobachtungen aus dem Alltag oder führe ein Tagebuch dazu. Je mehr Beispiele du nennen kannst, desto besser kann der Arzt oder Therapeut den Verdacht beurteilen.

Nutze auch Rückmeldungen von Lehrern oder Erziehern, da ADHS immer in verschiedenen Lebensbereichen nachweisbar sein muss.

Dein 📄 Beobachtungs-Tagebuch

Kostenlos zum Download

Mit unserem Beobachtungs- und Vorbereitungs-PDF kannst du über mehrere Wochen hinweg systematisch die Verhaltensweisen und Symptome deines Kindes dokumentieren. Das ist nicht nur für dich selbst klärend – es ist auch eine wertvolle Grundlage für das Gespräch mit Kinderarzt oder Facharzt.

✓ Checkliste mit allen ADHS-Symptomen

✓ Wöchentliches Beobachtungsprotokoll (4 Wochen)

✓ Platz für konkrete Situationsbeispiele

✓ Leidensdruck-Dokumentation

✓ Fremdbeobachtungen von Lehrern/Erziehern

✓ Vorbereitung auf das Facharzt-Gespräch

Fragebögen und strukturierte Beobachtung

In der Regel erhältst du im Rahmen der Beratung bzw. nach dem Erstgespräch systematische Fragebögen zum Verhalten deines Kindes. Diese konkreten Rückfragen helfen, die Symptome strukturiert einzuordnen und gehen tiefer ins Detail als das Beobachtungstagebuch, welches du für das Erstgespräch geführt hast:

  • Elternfragebogen: Für die Einschätzungen Zuhause. Wo gibt es Schwierigkeiten (Hausaufgaben, Impulskontrolle, Einschlafprobleme)?
  • Lehrer-/Erzieherfragebogen: Auch die Schule/Kita wertet den Alltag deines Kindes aus – wichtig für das Gesamtbild.
  • Dokumentation: Führe über mehrere Wochen gezielt Tagebuch: Wie verhalten sich die Symptome im Alltag, in der Freizeit oder beim Spielen?

Eine lückenlose Dokumentation schafft Klarheit und erleichtert dem Arzt die Beurteilung. Du hilfst damit auch dabei, andere Ursachen auszuschließen und sind essentieller Bestandteil im Vorgehen bei ADHS-Verdacht.

Geduld, Wartezeiten und Selbstfürsorge

Es kann sein, dass du nach dem Erstgespräch auf einen Termin bei Spezialisten wie Kinderpsychiatern oder im SPZ warten musst. Diese Wartezeiten sind leider häufig – aber du kannst sie sinnvoll nutzen:

  • Informiere dich fundiert über ADHS – diese Website soll dir hier schon einmal ein guter Anlaufpunkt sein oder schau doch auch mal nach guten Büchern in deiner Bibliothek. Wir empfehlen immer gerne dieses Buch, da es direkt schon Strategien für Euren Familienalltag mitbringt und auch „ohne“ ADHS hilfreich sind.
  • Vernetze dich mit anderen Eltern und Selbsthilfegruppen, der Austausch hilft mit Unsicherheit und Fragen umzugehen.
  • Bleibe in Kontakt mit Lehrern und Erziehern – oft fallen denen Entwicklungen auf, die zuhause nicht sichtbar sind.
  • Notiere weiterhin deine Beobachtungen, neue Auffälligkeiten oder Fortschritte.
  • Schreibe alle Deine Fragen für dein nächstens Facharztgespräch auf. Stelle ruhig auch Fragen, um Klarheit für dich beim weiteren Vorgehen bei ADHS-Verdacht zu erlangen.
  • Erhalte eine erste Einschätzung mit dem kostenlosen ADHS-Test auf unserer Seite.
  • Nimm Rücksicht auf deine eigenen Grenzen – Selbstfürsorge ist gerade jetzt wichtig!

Hinweis: Sollte eine Krisensituation entstehen, z.B. akute Gefährdung, frage explizit nach einem Notfalltermin.

Das Ziel: Klarheit durch Beratung. Doch wie geht es jetzt nach der Einschätzung weiter?

Nach dem Beratungsgespräch und der Sichtung deiner beantworteten Fragebögen kannst du gemeinsam mit dem Fachpersonal einschätzen:

  • Erhärtet sich der Verdacht auf ADHS?
  • Sind weitere Beobachtungen oder Tests nötig?
  • Gibt es Hinweise auf andere Ursachen wie z.B. schulischer Stress oder familiäre Belastungen?
  • Wie geht es konkret weiter – Überweisung für die Diagnostik, weitere Beratung oder Entlastung für deine Familie?

Die Beratung ist also nicht die ADHS-Diagnose, sondern ein Schritt zur Klärung und Vorbereitung auf die mögliche ADHS-Diagnostik in Step 3. Du gehst hiernach strukturiert, informiert und gestärkt weiter.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Zu wem gehe ich bei ADHS-Verdacht?

In der Regel ist euer Kinderarzt der richtige Ansprechpartner für eine erste Beratung. Danach vermittelt er euch wahrscheinlich an Kinder- und Jugendpsychiater oder an Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche weiter.

Wie bereite ich mich auf Erstgespräch vor?

Das wichtigste ist Dokumentation. Checklisten und niedergeschriebene Beobachtungen mit Ort und Zeit helfen dem Arzt, sich ein erstes Bild zu machen.

Gehe ich nicht besser direkt zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten?

Nein. Um deinen Verdacht zu erhärten solltest du zunächst mit eurem Kinderarzt sprechen. Psychologen oder Psychotherapeuten haben in der Regel lange Wartezeiten und du möchtest ja zunächst einmal eine Einschätzung haben – hier hilft der Kinderarzt perfekt weiter.

Wie schnell bekomme ich einen Termin beim Psychiater?

Das kommt darauf an. Leider sind die Plätze rar und es gibt in Deutschland teils lange Wartelisten für einen Termin bei Psychiater oder Psychotherapeuten. Regional ist das unterschiedlich, aber eine Wartezeit von mehreren Monaten kann durchaus vorkommen.


Vertiefende Beiträge zu Vorgehen bei ADHS-Verdacht

Du hast einen Termin für die Diagnostik bekommen? Dann geht es jetzt in den nächsten Schritt.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).