Du hast den Verdacht, dass dein Kind ADHS haben könnte. Euer Kinderarzt hat diesen bestätigt und eine Diagnostik empfohlen. Und nun hast Du einen Psychotherapeuten kontaktiert oder dich bei einem Kinder- und Jugendpsychiater angemeldet. Du hast die Hoffnung, dass es schnell vorangeht und doch kommt dann die Ernüchterung: Die Wartezeiten sind lang.
Inhaltsverzeichnis
- Warum die Diagnostik Zeit braucht
- Dein Beobachtungs-Tagebuch
- Struktur und Routinen
- Informiere dich – und gib dir selbst Stabilität
- Mit der Schule sprechen
- Deine emotionale Selbstfürsorge
- Die Wartezeit als Chance
Der Anfang einer langen Reise – Die Wartezeit überbrücken
Regional kann die Wartezeit zwei bis sechs Monate oder sogar länger sein, bis du einen Termin erhältst. Im ungünstigsten Fall kann sich der Weg von der Erstanmeldung bis zur endgültigen Diagnose bis zu anderthalb Jahren hinziehen.
Das ist frustrierend. Dein Kind zeigt jetzt – in diesem Moment – Verhaltensweisen, die euch im Alltag belasten. Und du hast das Gefühl, warten zu müssen, ohne etwas tun zu können. Aber hier ist das Wichtigste: Du musst nicht passiv warten. Diese Wartezeit ist nicht verlorene Zeit – sie ist deine Chance, bereits jetzt aktiv zu werden und dein Kind gezielt sowie sinnvoll zu unterstützen.
Warum die Diagnostik Zeit braucht
Bevor wir uns anschauen, was du konkret tun kannst, solltest du verstehen, warum diese Wartezeiten nicht einfach Schikane sind. Die langen Wartelisten entstehen, weil:
Die Nachfrage nach ADHS-Diagnostik gestiegen ist. Immer mehr Eltern und Schulen erkennen, dass die Symptome nicht „Erziehungsfehler“ sind. Das ist gut – aber es führt zu langen Wartelisten. Eine fundierte ADHS-Diagnostik ist aufwendig. Wie du auf unserer Cornerstone-Seite gelesen hast, gehört zu einer seriösen Diagnose weit mehr als ein kurzes Gespräch. Es braucht ausführliche Anamnesen, standardisierte Fragebögen, psychologische Tests, Verhaltensbeobachtungen und die Einbeziehung von Lehrern und Erziehern. Das kann sich über mehrere Wochen bis Monate erstrecken.
Es gibt zu wenige spezialisierte Fachkräfte. Kinder- und Jugendpsychiater, die auf ADHS spezialisiert sind, sind rar gesät. Das führt zu langen Wartelisten – überall in Deutschland.
Das bedeutet: Die Wartezeit ist zwar ärgerlich, aber sie ist auch ein Zeichen, dass du dich an den richtigen Ort gewandt hast und dass eine gründliche Diagnostik folgen wird. Nutze diese Zeit, statt sie nur zu erleiden.
Nutze die Wartezeit aktiv: Beobachtung und Dokumentation
Die beste Vorbereitung auf die Diagnostik ist systematische Beobachtung. Während du wartest, kannst du bereits wertvolle Informationen sammeln, die später der Fachperson helfen – und dir selbst Klarheit geben.
Dein 📄 Beobachtungs-Tagebuch
Kostenlos zum Download
Wir haben für dich ein kostenloses Beobachtungs-Tagebuch entwickelt, das speziell dazu dient, die Symptome deines Kindes systematisch zu erfassen. Das ist nicht nur für die spätere Diagnostik wertvoll – es hilft dir auch, Muster zu erkennen und zu verstehen, was genau dein Kind tagtäglich durchlebt.
✓ Checkliste mit allen ADHS-Symptomen
✓ Wöchentliches Beobachtungsprotokoll (4 Wochen)
✓ Platz für konkrete Situationsbeispiele
✓ Leidensdruck-Dokumentation
✓ Fremdbeobachtungen
✓ Vorbereitung auf das Facharzt-Gespräch
Nutze dieses Tagebuch konsequent über mehrere Wochen. Du wirst überrascht sein, wie viel Klarheit das schafft – und wie wertvoll diese Dokumentation später beim Facharzt ist.
Struktur und Routinen: Dein täglicher Support für dein Kind
Während du auf die Diagnostik wartest, kannst du bereits im Alltag konkrete Veränderungen einleiten, die deinem Kind helfen und die ganze Familie entlasten. ADHS-Kinder brauchen eines vor allem: Klarheit, Struktur und Vorhersehbarkeit.
Feste Abläufe etablieren
Viele Konflikte entstehen, weil der Tag für das Kind chaotisch wirkt. Schaffst du feste Strukturen, gibst du deinem Kind Sicherheit und Orientierung – und das reduziert bereits Symptome wie Unaufmerksamkeit und Impulsivität:
Morgenroutine
Immer zur gleichen Zeit aufstehen, immer die gleiche Reihenfolge (Waschen → Anziehen → Frühstück). Visualisiere das mit Bildern oder einer Checkliste, damit dein Kind es selbst abhaken kann.
Hausaufgabenzeit
Lege eine feste Zeit fest (z.B. um 15 Uhr nach einer Pause). Der gleiche Platz, die gleiche Struktur, die gleiche Zeit – das reduziert Widerstände.
Abendritual
Feste Abendzeit mit klarem Ablauf (Zähneputzen → Schlafanzug → Vorlesen). Das ist nicht nur hilfreich – es signalisiert: „Der Tag ist strukturiert, ich bin sicher.“
Visualisierung nutzen
Für ADHS-Kinder sind visuelle Hilfsmittel Gold. Abstrakte Zeitpläne überfordern sie. Besser:
- Wochenplan mit Bildern oder Symbolen (für jüngere Kinder)
- Checklisten zum Abhaken (für ältere Kinder)
- Timer und visuelle Uhren (damit das Kind ein Gefühl für Zeit bekommt)
Informiere dich – und gib dir selbst Stabilität
Die Wartezeit ist perfekt dafür geeignet, dich selbst zu informieren. Und das ist nicht egoistisch – das ist absolut notwendig. Je besser du ADHS verstehst, desto besser kannst du dein Kind unterstützen.
Ressourcen nutzen
- Unsere ADHS-Journey©: Dieser Beitrag gehört zu Step 2 – Vorgehen bei ADHS-Verdacht beim Kind unserer ADHS-Journey©. Schau dir diesen Step und auch die weiteren an! Sie geben dir einen Überblick über die gesamte Reise – von der Diagnose bis zu Therapien. Wenn du verstehst, wohin die Reise geht, wird die Wartezeit weniger beklemmend.
- Bücher: Klassiker wie Barkleys Das große ADHS Handbuch* oder Wackelpeter & Trotzkopf: Hilfen für Eltern bei ADHS-Symptomen* geben praktische Tipps, die du sofort umsetzen kannst – auch ohne Diagnose.
- Selbsthilfegruppen für Eltern: Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist unbezahlbar. Du merkst: Du bist nicht allein. Andere haben die gleichen Kämpfe, die gleichen Gefühle. Das nimmt Last von deinen Schultern.
Spreche mit der Schule – Begleitung vor der Diagnose
Du musst nicht auf die Diagnose warten, um die Schule einzubeziehen. Im Gegenteil:
- Informiere den Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin über deine Beobachtungen und deinen Verdacht
- Berichte konkrete Situationen: Nicht „mein Kind ist unruhig“, sondern „im Unterricht kann es nicht stillsitzen, zappelt ständig“
- Frage nach Beobachtungen aus der Schule: Der Lehrer sieht dein Kind täglich in einem strukturierten Umfeld – das kann sehr hilfreich sein
Die Schule kann bereits pädagogische Anpassungen vornehmen – ohne dass eine Diagnose vorliegen muss. Das ist nicht nur hilfreich für dein Kind, sondern auch wertvoll für die spätere Diagnostik.
Deine emotionale Selbstfürsorge – Du darfst auch auf dich achten
Die Wartezeit kann emotional anstrengend sein. Du fragst dich: Habe ich etwas übersehen? Habe ich zu spät reagiert? Das ist völlig normal. Aber wichtig ist: Du schuldest dir selbst Geduld und Mitgefühl.
- Baue dir ein Unterstützungsnetzwerk auf: Freunde, Familie, Selbsthilfegruppen
- Nimm dir regelmäßig Auszeiten: Das ist nicht Luxus, das ist Notwendigkeit
- Scheue dich nicht vor professioneller Unterstützung: Wenn die Last zu groß wird, kann eine Elternberatung oder Therapie für dich selbst sehr hilfreich sein.
Die Wartezeit als Chance – Nicht als verlorene Zeit
Die Wartezeit auf die ADHS-Diagnostik ist lang, das ist wahr. Aber es ist auch eine Chance. Die Chance, dein Kind besser zu verstehen. Die Chance, erste unterstützende Strukturen aufzubauen. Und die Chance, dich selbst zu informieren und nicht völlig überrumpelt von der Diagnose zu werden, wenn sie kommt.
Nutze diese Zeit aktiv:
✓ Dokumentiere systematisch mit unserem Beobachtungs-Tagebuch
✓ Baue Struktur und Routinen auf
✓ Informiere dich durch unsere ADHS-Journey und weitere Ressourcen
✓ Tausche dich mit anderen Eltern aus
✓ Sprich mit der Schule
✓ Kümmere dich um deine eigene emotionale Gesundheit
Du machst das richtig, wenn du bereits hinschaust und aktiv wirst. Das ist der wichtigste erste Schritt. Und wenn der Termin dann endlich kommt, wirst du vorbereitet sein – mit Beobachtungen, mit Wissen und mit der Gewissheit: Du hast nicht tatenlos gewartet, du hast bereits begonnen zu unterstützen.
Nutze gerne unsere ADHS-Journey© in der Zwischenzeit.
Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).
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