Kind ist wütend. Wie kann man ein Kind mit ADHS beruhigen?

Emotionsregulation: Wie du dein Kind mit ADHS beruhigen kannst

Die Diagnose ADHS ist gestellt, du hast dich über die multimodale Therapie informiert und verstehst die verschiedenen Therapiebausteine. Doch im Alltag stehst du oft vor einer besonders herausfordernden Situation: Dein Kind wird von seinen Emotionen überwältigt, es rastet aus, schreit, weint oder wird aggressiv – und du weisst nicht, wie du dein Kind mit ADHS beruhigen kannst.


Inhaltsverzeichnis


Diese emotionalen Ausbrüche gehören zu den belastendsten Aspekten von ADHS – sowohl für dein Kind als auch für dich. In diesem Artikel erfährst du, warum Kinder mit ADHS besondere Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation haben, wie du dein Kind in diesen Momenten begleiten kannst und was du für dich selbst tun kannst, um nicht auszubrennen.

Warum haben Kinder mit ADHS Probleme mit der Emotionsregulation?

ADHS ist nicht nur eine Störung der Aufmerksamkeit und Impulskontrolle, sondern die emotionale Dysregulation ist ein Kernsymptom der ADHS, auch wenn sie in den offiziellen Diagnosekriterien nach ICD und DSM noch nicht ausreichend berücksichtigt wird.

Die neurobiologischen Grundlagen

Wie du bereits aus Step 4 der ADHS-Journey© weißt, ist ADHS eine neurobiologische Entwicklungsstörung. Die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin arbeiten nicht optimal. Aber diese Stoffwechselstörung betrifft nicht nur die Aufmerksamkeitssteuerung – sie beeinflusst auch massiv die Fähigkeit zur Emotionsregulation.

Was passiert im Gehirn deines Kindes?

Die Hirnregionen, die für die Emotionsregulation zuständig sind – insbesondere der präfrontale Kortex, die Amygdala und das anteriore Cingulum – zeigen bei ADHS Funktionsunterschiede. Diese Bereiche sind nicht nur für das Denken und Planen zuständig, sondern auch für die Steuerung von Emotionen. Die Trennung von Kognition, Emotion und Verhalten ist künstlich – alles ist miteinander verbunden.

Konkret bedeutet das:

Emotionen treffen dein Kind schneller und intensiver

Was für andere Kinder eine kleine Enttäuschung ist, fühlt sich für dein Kind wie eine Katastrophe an.

Die Emotionen halten länger an

Während andere Kinder sich schnell beruhigen, braucht dein Kind deutlich mehr Zeit, um sich zu regulieren.

Die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, ist verzögert entwickelt

Kinder mit ADHS können sich nicht einfach „zusammenreißen“, auch wenn sie es möchten.

Die Aufmerksamkeit kann nicht vom emotionalen Auslöser weggelenkt werden

Dein Kind bleibt gedanklich bei dem hängen, was es aufgeregt hat.

Diese Defizite werden als Deficient Emotional Self-Regulation (DESR) bezeichnet – eine defizitäre emotionale Selbstregulation.

Typische Symptome der emotionalen Dysregulation bei ADHS

Emotionale Hyperreaktivität

Dein Kind reagiert extrem heftig auf Auslöser, die anderen Kindern nichts ausmachen würden. Die Haarfrisur sitzt nicht perfekt? Wutausbruch. Der Lieblingspulli ist in der Wäsche? Tränen und Verzweiflung.

Schnelle Stimmungswechsel

Von einer Sekunde auf die andere kann eine Welle an Emotionen die Innenwelt deines Kindes überfluten. Eben war noch alles gut, plötzlich ist alles schlimm.

Geringe Frustrationstoleranz

Kleinste Hindernisse führen zu massiver Frustration. Das Puzzle-Teil passt nicht sofort? Das Spiel ist doof. Die Hausaufgabe ist schwierig? Alles wird vom Tisch gefegt.

Schwierigkeiten, Emotionen zu benennen

Viele Kinder mit ADHS können ihre Gefühle nicht gut in Worte fassen. Sie spüren ein großes Gefühl, können aber nicht sagen, ob sie wütend, traurig oder überfordert sind.

Impulsive emotionale Reaktionen

Das Gefühl ist da – und sofort wird es in Verhalten umgesetzt. Keine Pause zum Nachdenken, keine Möglichkeit zur Impulskontrolle

Dein Kind will nicht nicht – es kann nicht

Das ist der zentrale Punkt, den du dir immer wieder vor Augen führen solltest: Dein Kind verhält sich nicht absichtlich „schlecht“. Es möchte kooperieren, es möchte sich kontrollieren – aber die neurobiologischen Voraussetzungen dafür sind beeinträchtigt.

Wenn du das verstehst, wird es dir leichter fallen, in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben und nicht selbst wütend oder vorwurfsvoll zu werden. Und die Emotionsregulation ist ein wichtiger Teil der Verhaltenstherapie (VT) für dein Kind.

Die emotionale Belastung für dich als Elternteil ernst nehmen

Bevor wir zu den konkreten Strategien kommen, ist es wichtig, über dich zu sprechen, denn Eltern von Kindern mit ADHS tragen eine enorme emotionale Last.

Die Realität des Elternseins mit einem ADHS-Kind

Studien zeigen, dass Eltern von Kindern mit ADHS ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko für elterlichen Burnout haben (Studie Burnout and Mental Health in Working Parents). 58 Prozent der Eltern mit einem diagnostizierten ADHS-Kind fühlen sich stark oder eher stark belastet.

Was macht diese Belastung aus?

  • Ständige Wachsamkeit: Du musst immer antizipieren, wann der nächste Ausbruch kommt.
  • Emotionale Achterbahnfahrten: Die intensiven Emotionen deines Kindes lösen auch in dir intensive Gefühle aus – Hilflosigkeit, Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle.
  • Soziale Isolation: Oft ziehst du dich zurück, weil du befürchtest, verurteilt zu werden oder weil andere die Situation nicht verstehen.
  • Schuldgefühle: „Habe ich etwas falsch gemacht?“ „Bin ich eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater?“ Diese Gedanken kennen die meisten Eltern.
  • Erschöpfung: Die ständigen Konflikte, die emotionalen Regulationsversuche, die Sorge ums Kind – all das kostet unglaublich viel Kraft.

Elterlicher Stress verschlimmert ADHS-Symptome – ein Teufelskreis

Eine wichtige Erkenntnis der Forschung: Je stärker Eltern belastet sind, desto ausgeprägter können sich die ADHS-Symptome beim Kind zeigen. Das liegt nicht daran, dass du „schuld“ bist – sondern daran, dass Kinder mit ADHS besonders auf die emotionale Verfassung ihrer Bezugspersonen reagieren.

Wenn du gestresst, überfordert oder emotional erschöpft bist, spürt dein Kind das – und kann sich selbst noch schlechter regulieren. Das wiederum erhöht deinen Stress. Ein Teufelskreis.

Deshalb ist Selbstfürsorge keine Kür, sondern Pflicht. Nur wenn du selbst Kraft hast, kannst du für dein Kind da sein – du kannst es nicht geben, wenn dein eigener Akku leer ist.

Selbstfürsorge für Eltern: Was du für dich tun kannst

Erkenne deine Grenzen an

Du darfst überfordert sein. Du darfst auch mal weinen. Du darfst an deine Grenzen kommen. Das macht dich nicht zu schlechten Eltern – das macht dich zu einem Menschen.

Nimm dir bewusst Auszeiten

Auch wenn es nur 10 Minuten sind – eine kurze Pause, in der du durchatmest, einen Tee trinkst oder einfach nur still dasitzt, kann viel bewirken.

Bitte um Hilfe

Teile dir Aufgaben mit deinem Partner. Bitte Großeltern, Freunde oder Babysitter um Unterstützung. Du musst nicht alles allein schaffen.

Tausche dich aus

Der Kontakt zu anderen betroffenen Eltern – etwa in Selbsthilfegruppen – kann unglaublich entlastend sein. Du merkst: Ich bin nicht allein. Andere verstehen, was ich durchmache.

Professionelle Hilfe

Wenn du merkst, dass du dauerhaft am Limit bist, zögere nicht, selbst Unterstützung zu suchen – sei es durch Beratung, Coaching oder Therapie.

Keine Schuldzuweisungen

Weder du noch dein Kind sind schuld an der ADHS. Es ist eine neurobiologische Störung, keine Charakterschwäche und kein Erziehungsfehler. Vermeide Schuldzuweisungen, sie belasten nur zusätzlich.

Co-Regulation: Dein Kind braucht dich als Emotionsanker

Bevor dein Kind lernen kann, seine Emotionen selbst zu regulieren, braucht es Co-Regulation – also deine Hilfe von außen.

Co-Regulation bedeutet: Du bleibst ruhig, wenn dein Kind außer sich ist. Du bist der emotionale Anker, an dem sich dein Kind festhalten kann. Dein ruhiges Nervensystem hilft dem aufgewühlten Nervensystem deines Kindes, sich zu beruhigen.

Die Grundprinzipien der Co-Regulation

Bleibe selbst ruhig: Dein Kind scannt ständig deine emotionale Verfassung. Wenn du ruhig bleibst, signalisierst du: „Es ist sicher. Du bist nicht in Gefahr.“ Das hilft deinem Kind, sich zu beruhigen.

Validiere die Gefühle deines Kindes: Du musst nicht mit dem Verhalten einverstanden sein, aber du kannst die Emotion anerkennen. „Ich sehe, dass du sehr wütend bist.“ „Das hat dich sehr enttäuscht, oder?“ Diese einfachen Sätze zeigen: Deine Gefühle sind okay.

Bleibe präsent: Auch wenn dein Kind tobt – bleibe in der Nähe, soweit es sicher ist. Deine physische Präsenz gibt Sicherheit.

Weniger Worte: In einem emotionalen Ausbruch kann dein Kind keine langen Erklärungen verarbeiten. Halte dich kurz. Wiederhole ruhig und klar, was wichtig ist.

Konkrete Strategien: Was kannst du tun, wenn dein Kind wütend ist?

Jetzt kommen wir zum praktischen Teil. Was genau kannst du tun, wenn dein Kind einen Wutausbruch hat? Die Strategien, um ein Kind mit ADHS zu beruhigen, unterscheiden sich je nach Alter.

Strategien für jüngere Kinder (Vorschul- und frühes Grundschulalter, ca. 4-7 Jahre)

Im Moment des Wutausbruchs:

1. Sorge für Sicherheit: Stelle sicher, dass dein Kind sich nicht verletzen kann. Räume Gegenstände weg, die gefährlich werden könnten.

2. Bleibe ruhig und atme bewusst: Deine Ruhe ist das Wichtigste. Atme tief ein und aus. Senke deine Stimme, auch wenn dein Kind schreit.

3. Gehe auf Augenhöhe: Knie dich hin oder setze dich, sodass du auf Augenhöhe mit deinem Kind bist. Das wirkt weniger bedrohlich.

4. Biete körperliche Nähe an – aber erzwinge sie nicht: Manche Kinder möchten in den Arm genommen werden, andere brauchen erst Abstand. Frage: „Möchtest du eine Umarmung?“ oder biete an: „Ich bin hier, wenn du mich brauchst.“

5. Benenne die Emotion: „Du bist jetzt sehr wütend, stimmt’s?“ Hilf deinem Kind, das Gefühl zu benennen. Jüngere Kinder können ihre Gefühle oft noch nicht selbst in Worte fassen.

6. Wiederhole ruhig die Regel: Wenn es um eine Grenze geht, wiederhole sie kurz und klar: „Ich verstehe, dass du wütend bist. Aber wir hauen nicht.“ Diskutiere nicht, rechtfertige dich nicht – bleibe standfest in der Sache, aber mitfühlend im Ton.

7. Biete eine körperliche Strategie an: „Möchtest du fest in ein Kissen boxen?“ „Wollen wir zusammen stampfen?“ „Lass uns ganz laut brüllen – aber draußen im Garten.“ Jüngere Kinder brauchen oft körperliche Ventile für ihre Wut.

8. Ablenkung kann helfen: Manchmal kann eine sanfte Ablenkung den Teufelskreis durchbrechen. „Schau mal, was macht die Katze da draußen?“ – aber nur, wenn dein Kind schon etwas ruhiger wird. Mitten im Sturm funktioniert Ablenkung nicht.

9. Warte ab: Oft musst du einfach warten, bis der Sturm vorbeizieht. Bleibe präsent, bleibe ruhig, aber versuche nicht, das Kind zu überreden, sofort aufzuhören.

Nach dem Wutausbruch:

10. Sprich über das Gefühl: Wenn dein Kind sich beruhigt hat, besprich in einfachen Worten, was passiert ist. „Du warst vorhin sehr wütend, weil du noch weiterspielen wolltest. Wut ist okay. Aber hauen ist nicht okay.“

11. Lobe die Beruhigung: „Du hast dich wieder beruhigt. Das ist toll!“ Positive Verstärkung ist wichtig.

12. Übe Beruhigungsstrategien in ruhigen Momenten: Atme mit deinem Kind zusammen (zum Beispiel „Pizza-Atmen“: Riechen an der Pizza – Pusten, um sie abzukühlen). Wenn ihr das in ruhigen Momenten übt, kann dein Kind es später leichter abrufen.

Strategien für ältere Kinder (spätes Grundschulalter und beginnende Pubertät, ca. 8-12 Jahre)

Im Moment des Wutausbruchs:

1. Schaffe Abstand, wenn nötig: Ältere Kinder können in ihrer Wut auch verbal sehr verletzend werden. Wenn dein Kind dich beschimpft, kannst du sagen: „Ich sehe, du bist sehr wütend. Ich gehe jetzt kurz in den anderen Raum. Wenn du bereit bist zu reden, komme ich zurück.“

2. Bleibe ruhig, auch bei Beschimpfungen: Das ist sehr schwer – aber versuche, die Worte nicht persönlich zu nehmen. Dein Kind meint in diesem Moment nicht dich als Person, sondern ist von seinen Emotionen überwältigt.

3. Halte Grenzen ein: Wenn dein Kind eine Regel überschreitet (zum Beispiel Dinge wirft oder dich schlagen will), benenne klar: „Ich verstehe deine Wut. Aber ich lasse nicht zu, dass du mich schlägst.“ Gehe dann auf Abstand.

4. Biete einen „Rückzugsort“ an: Viele ältere Kinder mit ADHS brauchen einen Ort, an dem sie sich zurückziehen können, wenn sie überfordert sind. Das kann das eigene Zimmer sein, eine Kuschelecke, ein bestimmter Sessel. Wichtig: Das ist kein „Strafraum“, sondern ein sicherer Ort zur Selbstberuhigung.

5. Erinnere an vereinbarte Strategien: Wenn ihr vorher Beruhigungsstrategien besprochen habt (siehe unten), kannst du sanft daran erinnern: „Möchtest du deine Atemübung machen?“ „Hilft es, wenn du deine Musik hörst?“

6. Gib Zeit: Ältere Kinder brauchen oft mehr Zeit, um sich zu beruhigen. Dränge nicht, bleibe aber erreichbar.

Nach dem Wutausbruch:

7. Führe ein Nachgespräch: Wenn sich alle beruhigt haben, sprich in Ruhe über die Situation. „Was hat dich so wütend gemacht?“ „Was hast du in dem Moment gefühlt?“ Hilf deinem Kind, den Auslöser zu verstehen.

8. Gemeinsam Lösungen finden: „Was könnte dir beim nächsten Mal helfen, dich schneller zu beruhigen?“ Beziehe dein Kind aktiv in die Lösungssuche ein.

9. Übe Emotionsregulationsstrategien gemeinsam:

  • Atemübungen: Tief einatmen (4 Sekunden), halten (4 Sekunden), ausatmen (6 Sekunden).
  • Progressive Muskelentspannung: Muskeln anspannen und lockerlassen.
  • Gedankenstopp-Techniken: „Wenn ich merke, dass ich wütend werde, sage ich innerlich STOPP und atme dreimal tief durch.“
  • Körperliche Aktivität: Sport, Toben, Rennen – Bewegung hilft, Anspannung abzubauen.

10. Erstelle mit deinem Kind ein „Notfall-Kit“: Was hilft deinem Kind, sich zu beruhigen? Ein Stressball? Ein bestimmtes Lied? Ein Foto von euch zusammen? Ein Kissen zum Draufhauen? Sammelt diese Dinge in einer Box oder Liste.

11. Visualisiere Emotionen: Nutze Symbole wie eine „Gefühlsampel“ (Grün = ruhig, Gelb = angespannt, Rot = kurz vor dem Ausbruch). Hilf deinem Kind, zu erkennen, wann es in den „gelben Bereich“ kommt – dann ist noch Zeit, gegenzusteuern.

Prävention: Wutausbrüche verhindern, bevor sie entstehen

Die beste Strategie ist, Wutausbrüche gar nicht erst entstehen zu lassen. Das gelingt natürlich nicht immer – aber du kannst vieles tun, um die Häufigkeit und Intensität zu reduzieren.

Erkenne die Auslöser

Führe ein kleines „Wut-Tagebuch“. Wann rastet dein Kind aus? Zu welcher Tageszeit? In welchen Situationen? Oft erkennst du Muster – und kannst dann präventiv handeln.

Reduziere Reizüberflutung

Kinder mit ADHS sind schnell überreizt. Zu viele Spielsachen, zu viel Lärm, zu viel Medienkonsum – all das erhöht die Wahrscheinlichkeit für emotionale Ausbrüche. Schaffe reizarme Räume

Strukturiere den Alltag

Feste Abläufe, klare Regeln, vorhersehbare Übergänge – all das gibt deinem Kind Sicherheit und reduziert Stress. (siehe auch Step 8 der ADHS-Journey©).

Kündige Übergänge an

„In 15 Minuten müssen wir los.“ „In 10 Minuten.“ „In 5 Minuten.“ Plötzliche Übergänge sind für ADHS-Kinder sehr schwer – Vorwarnung hilft.

Plane Bewegungspausen ein

Kinder mit ADHS brauchen Bewegung. Regelmäßige kurze Bewegungseinheiten (Hampelmänner, Tanzpausen, Toben) fördern die emotionale Regulation.

Sorge für ausreichend Schlaf

Übermüdung verstärkt emotionale Dysregulation massiv. Achte auf feste Schlafenszeiten und ausreichend Schlaf.

Positive Verstärkung

Lobe dein Kind, wenn es sich gut reguliert hat. „Vorhin warst du enttäuscht, aber du hast nicht geschrien. Das war toll!“ Diese positive Rückmeldung stärkt das gewünschte Verhalten.

Keine Perfektion erwarten – kleine Fortschritte feiern

Es ist wichtig, dass du dir und deinem Kind keine Perfektion abverlangst. Emotionale Regulation ist ein langwieriger Lernprozess, besonders bei ADHS.

Kleine Fortschritte sind große Erfolge. Vielleicht hat dein Kind dieses Mal nur 10 Minuten getobt statt 30 Minuten. Oder vielleicht konnte es zum ersten Mal sagen „Ich bin wütend“, bevor es ausgerastet ist. Vielleicht hat es sich nach einem Ausbruch schneller beruhigt als sonst.

Diese kleinen Fortschritte sind wertvoll und sollten gefeiert werden!

Wann ist professionelle Hilfe nötig?

Wenn die Wutausbrüche sehr häufig sind, sehr intensiv, wenn dein Kind sich oder andere gefährdet, oder wenn du als Elternteil dauerhaft an deiner Grenze bist, solltest du professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Verhaltenstherapie kann deinem Kind helfen, Strategien zur Emotionsregulation zu lernen. Elterntraining gibt dir konkrete Werkzeuge an die Hand, wie du mit schwierigen Situationen umgehen kannst. Und in manchen Fällen kann auch eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein – Studien zeigen, dass ADHS-Medikamente auch die emotionale Dysregulation verbessern können. In Step 5 der ADHS-Journey© erfährst du mehr zur Therapie bei Kindern mit ADHS.

Du bist nicht allein

Die emotionalen Stürme deines Kindes sind anstrengend, belastend und manchmal zum Verzweifeln. Aber: Du bist nicht allein, und es gibt wirksame Unterstützung.

Mit Verständnis für die neurobiologischen Hintergründe, mit konkreten Strategien zur Co-Regulation, mit Selbstfürsorge und mit Geduld kannst du deinem Kind helfen, seine Emotionen besser zu regulieren bzw. du kannst damit dein Kind mit ADHS beruhigen. Und ihr beide könnt ruhigere, verbundenere Momente miteinander erleben.

Dein Kind braucht dich/euch nicht als perfekte Eltern, sondern als Menschen mit Herz, Geduld und der Bereitschaft, gemeinsam zu lernen.

Dein Kind mit ADHS zu beruhigen ist ein Aspekt, mit dem man sich im Rahmen der Therapie beschäftigt.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).