ADHS-Kinder als Babies

Wie waren ADHS-Kinder als Babies?

Du fragst dich, ob dein Kind möglicherweise ADHS haben könnte, und würdest gerne wissen, ob es bereits als Baby Anzeichen gab? Du scrollst durch Fotos deines Babys und fragst dich, ob die ewigen Schreiphasen oder die Schlafprobleme vielleicht mehr waren als nur normale Babyunruhe? In diesem Artikel zeigen wir dir, wie Kinder mit später diagnostizierter ADHS tatsächlich als Babys waren – und welche Verhaltensweisen bei Babies Anlass geben können, genauer hinzuschauen.

Inhaltsverzeichnis


ADHS ist bereits von Geburt an vorhanden

ADHS wird oft erst in der Schule diagnostiziert. Das bedeutet aber nicht, dass die Störung erst dann entsteht. ADHS ist eine neurobiologische Entwicklungsstörung, die von Geburt an vorhanden ist. Sie entsteht durch Unterschiede in der Hirnentwicklung und Neurotransmitter-Funktion – nicht durch Erziehung oder Umweltfaktoren.

Das bedeutet für dich: Wenn bei deinem Kind später ADHS diagnostiziert wurde, waren die Ausprägungen dieser neurologischen Besonderheiten auch bereits im Babyalter aktiv. Allerdings zeigen sich ADHS-Symptome bei Babys ganz anders als bei älteren Kindern – und viele dieser frühen Zeichen werden schnell übersehen oder als „normales Babyverhalten“ interpretiert.

Regulationsstörungen – das erste Alarmsignal

Die häufigsten frühen Anzeichen bei Babys, bei denen später ADHS diagnostiziert wird, sind Regulationsstörungen. Dies ist einer der wichtigsten Forschungsergebnisse aus Langzeitstudien: Babys mit später diagnostizierter ADHS haben oft massive Schwierigkeiten damit, sich selbst zu beruhigen.

Typische Merkmale sind:

Langanhaltende, intensive Schreiphasen: Dein Baby schreit stundenlang am Tag – nicht nur kurz, wenn es hungrig ist, sondern über Stunden, selbst wenn es gefüttert, gewickelt und in einer ruhigen Umgebung ist

Schwer zu trösten: Deine Beruhigungsversuche wirken kaum oder gar nicht – weder das Tragen, noch sanftes Schaukeln oder liebevolle Worte helfen wirklich

Erhöhte Reizbarkeit: Dein Baby wirkt schnell überfordert und reagiert auf alltägliche Reize (Licht, Geräusche, Berührungen) überempfindlich

„Schreibaby“-Verhalten: Besonders in den ersten Lebensmonaten zeigen sich intensive, nicht zu erklärende Schreiepisoden

Hinweis: Nur bei etwa 30% der Babys mit solchen Regulationsstörungen wird später tatsächlich ADHS diagnostiziert (Studie). Aber diese Gruppe hat ein erhöhtes Risiko. Daher lohnt sich eine genaue Beobachtung.

Schlaf- und Essprobleme: Mehr als nur Babyunruhe

ADHS-Babys zeigen oft deutliche Schwierigkeiten mit zwei Basics des Babyalltags: Schlafen und Essen.

Bei den Schlafproblemen sieht es so aus:

  • Dein Baby hat unruhigen, fragmentierten Schlaf
  • Es wacht nachts sehr häufig auf und braucht lange Zeit, um wieder einzuschlafen
  • Es scheint nicht wirklich auszuruhen – selbst nach langen Schlafphasen wirkt es nicht erholter
  • Schlafrituale helfen wenig oder gar nicht

Auch beim Essen können Besonderheiten auffallen:

  • Dein Baby wirkt nicht wirklich interessiert am Füttern
  • Es verweigert die Flasche oder Brust, obwohl es hungrig sein sollte
  • Später, bei der Einführung von Beikost, wird dein Kind extrem wählerisch
  • Der Übergang von Breikost auf festere Nahrung gestaltet sich ungewöhnlich schwierig
  • Dein Baby bevorzugt deutlich länger die Flasche statt Beikost anzunehmen

Diese Ess- und Schlafprobleme entstehen oft durch die gestörte Selbstregulation – die neurologische Schwierigkeit, innere Zustände auszubalancieren.

Motorische Unruhe und überschüssige Energie

Ein weiteres typisches Merkmal: ADHS-Babys wirken oft wie kleine „Energiebündel“. Sie sind motorisch überdurchschnittlich aktiv:

  • Dein Baby beginnt ungewöhnlich früh zu krabbeln oder zu laufen
  • Es ist ständig in Bewegung, auch wenn es müde sein sollte
  • Das Stillsitzen fällt ihm besonders schwer – auch als Baby
  • Dein Kleines kann sich selbst schwer beruhigen und „runterfahren“

Diese motorische Hyperaktivität ist nicht einfach nur „lebendiges Baby sein“. Sie ist intensiver und persistierender – dein Baby scheint einfach nicht abschalten zu können.

Ablenkbarkeit und Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit

Babys sind von Natur aus leicht ablenkbar – das ist normal. Aber ADHS-Babys zeigen eine noch ausgeprägtere Ablenkbarkeit:

  • Dein Baby kann kaum mehrere Minuten hintereinander auf eine Aktivität konzentrieren
  • Im Kinderwagen oder bei Autofahrten: Es wirkt ständig ruhelos und abgelenkt
  • Es hat Schwierigkeiten, Blickkontakt zu halten oder längere Zeit bei dir zu „bleiben“

Eine sichere ADHS-Diagnose kann erst ab etwa dem sechsten Lebensjahr gestellt werden. Das hat einen guten Grund: Viele der Verhaltensweisen, die auf ADHS hindeuten können, sind im Baby- und Kleinkindalter völlig normal.

Das bedeutet: Nicht jedes «quengelige, schwer zu beruhigende Baby hat ADHS» – und umgekehrt: «Nicht jedes ADHS-Kind zeigte als Baby Verhaltensauffälligkeiten». Etwa zwei Drittel der Babys mit Regulationsstörungen bekommen später keine ADHS-Diagnose.

Deine nächsten Schritte

Falls dein Kind als Baby viele dieser Merkmale gezeigt hat – und inzwischen die ADHS-Diagnose gestellt wurde – ist das völlig okay. Viele Eltern berichten, dass sie rückblickend sagen: „Ja, genau so war mein Kind als Baby schon.“

Wenn du mit deinem aktuellen Baby diese Zeichen erkennst und dir Sorgen machst: Beobachte dein Baby genau, vertrau auf dein Bauchgefühl – aber versuch auch, nicht in Panik zu verfallen. Ein Gespräch mit deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin kann helfen, erste Orientierung zu geben. Eine frühe Unterstützung – selbst ohne formale ADHS-Diagnose – kann vielen Babys mit Regulationsstörungen helfen.

Das Wichtigste: Du bist nicht allein mit deinen Beobachtungen. Und es ist völlig okay, wenn du als Eltern frühzeitig unterstützende Maßnahmen suchst. Das ist nicht überängstlich – das ist verantwortungsvoll.

Du erkennst dein Kind oder das Babyverhalten deines Kindes in diesen Beschreibungen wieder? Dann schau dir unseren Step 1 Hat mein Kind ADHS? an. Dort führen wir dich durch die ersten, wichtigen Schritte zur Klarheit.

Du erkennst dein Kind oder das Babyverhalten deines Kindes in diesen Beschreibungen wieder? Dann schau dir unseren Step 1 an. Dort führen wir dich durch die ersten, wichtigen Schritte zur Klarheit.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).