Du bekommst am ehesten einen Termin zur ADHSâTestung, wenn du systematisch mehrere passende Fachstellen anfragst, Wartezeiten aktiv managst und auch lĂ€ngere Fahrwege oder telemedizinische Angebote mitdenkst. Lange Wartezeiten sind leider die Regel, aber mit guter Vorbereitung, klarer DringlichkeitsbegrĂŒndung und etwas FlexibilitĂ€t kommst du deutlich schneller ans Ziel.
Inhaltsverzeichnis
- Wo kannst du einen Termin bekommen?
- Dein Fahrplan: Schritt fĂŒr Schritt zum Termin
- Warum sind die Wartezeiten so lang?
- LĂ€ngere Fahrtstrecken â lohnt sich das?
- Privatpatient:in â hat man bessere Chancen?
- Telemedizin und OnlineâTestung: Wie sinnvoll ist das?
- Was du trotz Wartezeit schon tun kannst
- Checkliste: So bereitest du dich auf den Termin vor
- HĂ€ufig gestellte Fragen (FAQ)
Wo kannst du einen Termin bekommen?
FĂŒr eine leitliniengerechte ADHSâDiagnostik bei Kindern kommen vor allem diese Anlaufstellen in Frage:
- Kinderâ und JugendĂ€rzt:innen (als erste Anlaufstelle, oft fĂŒr eine orientierende AbklĂ€rung und Ăberweisung).
- Kinderâ und Jugendpsychiater:innen (Praxis oder KlinikâAmbulanz).
- Spezialisierte Zentren, z.B. ADHS Kompetenzzentren, sozialpĂ€diatrische Zentren (SPZ) oder ADHSâAmbulanzen von Kliniken.
- Beratungsstellen und schulpsychologische Dienste, die differenziertere EinschÀtzungen vornehmen und gezielt weiterverweisen können.
Viele Familien starten beim Kinderarzt bzw. bei der KinderĂ€rztin, schildern dort die AuffĂ€lligkeiten und lassen sich dann gezielt an eine spezialisierte Stelle ĂŒberweisen. Das entspricht unseren Empfehlungen in Step 2 der ADHSâJourney© – Vom Verdacht hin zum konkreten DiagnostikâTermin.
Dein Fahrplan: Schritt fĂŒr Schritt zum Termin
Du kannst so vorgehen:
1.
Kinderarzt / KinderÀrztin ansprechen
Schildere strukturiert, welche VerhaltensauffÀlligkeiten dir aufgefallen sind, seit wann sie bestehen und in welchen Situationen sie besonders deutlich werden (z.B. Schule, Zuhause, Verein).
Bitte dort konkret um eine Ăberweisung zu einer kindâ und jugendpsychiatrischen Praxis oder einem spezialisierten Zentrum.
2.
Systematisch anrufen oder online anfragen
Viele Praxen und Ambulanzen geben auf der Website an, ob sie neue Kinder aufnehmen und wie die Anmeldung lÀuft.
Notiere dir in einer Ăbersicht, wo du angerufen hast, mit wem du gesprochen hast und welche Wartezeit genannt wurde â so behĂ€ltst du den Ăberblick.
3.
Liste mit möglichen Diagnostikstellen erstellen
- Nimm auch SPZ in erreichbarer Entfernung in deine Liste auf.
- Lokale Suche nach âKinder- und Jugendpsychiatrie + deine Regionâ.
- PrĂŒfe, ob ein ADHS Kompetenzzentrum in deiner NĂ€he liegt.
- Schau auf den Websites von Kliniken nach ADHSâ oder Entwicklungsambulanzen.
4.
Dringlichkeit klar benennen
Beschreibe kurz, wie stark der Alltag deines Kindes und eurer Familie eingeschrÀnkt ist (Schule, Konflikte Zuhause, emotionale Belastung).
Frage nach der Möglichkeit, auf eine Warteliste zu kommen und ob es Notfallâ oder AkutâSprechstunden gibt.
5.
Unterlagen vorbereiten
Schon fĂŒr das ErstgesprĂ€ch hilft es, wenn du Notizen zu AuffĂ€lligkeiten, Zeitverlauf und bisherigen MaĂnahmen (z.B. GesprĂ€che mit Lehrkraft, Lernförderung) parat hast.
Das zeigt, dass du gut vorbereitet bist und erleichtert der Praxis die EinschÀtzung, wie dringend ein Termin ist.
Warum sind die Wartezeiten so lang?
Studien und Umfragen zeigen, dass die Wartezeit auf einen ADHSâDiagnostikplatz in Deutschland im Schnitt bei vielen Monaten liegt.
- Eine OnlineâUmfrage (Dez 2023âDez 2024, 328 gĂŒltige Antworten, Ergebnisse) kam im Mittel auf rund 10 Monate Wartezeit bis zur fertigen ADHSâDiagnose bei Erwachsenen â mit groĂen regionalen Unterschieden.
- FĂŒr kinderâ und jugendpsychotherapeutische Behandlungen werden bspw. in den Stuttgart Praxen im Schnitt etwa sechs Monate Wartezeit genannt, eine Mutter aus Bremen erzĂ€hle von Aufnahmestopp auf Warteliste im Klinikum Bremen; drei Monate und mehr sind in vielen Regionen mittlerweile normal.
HauptgrĂŒnde sind:
- Zu wenig Fachpersonal (Kinderâ und Jugendpsychiatrie, âpsychotherapie, spezialisierte Zentren).
- Alte Bedarfsplanung: Die Zahl zugelassener Behandler:innen orientiert sich an veralteten Annahmen und bildet den realen Bedarf von Kindern und Jugendlichen schlecht ab.
- Hohe Nachfrage: Psychische AuffÀlligkeiten wie ADHS, Angststörungen oder Depressionen nehmen seit Jahren zu, ohne dass die Versorgung im gleichen Tempo mitwÀchst.
Gerade in lĂ€ndlichen Regionen oder bestimmten BundeslĂ€ndern ist die Versorgungslage besonders dĂŒnn, was zu sehr langen Wartezeiten fĂŒhrt.
LĂ€ngere Fahrtstrecken â lohnt sich das?
Wenn du nur in deiner unmittelbaren Umgebung suchst, landest du oft auf ĂŒberfĂŒllten Wartelisten.
- Die Daten zur Diagnostik zeigen, dass einige BundeslĂ€nder und Regionen deutlich schlechter versorgt sind als andere (s. GrĂŒnde zu den Wartezeiten).
- Viele Kinder- und Jugendpsychiatrien in BallungsrĂ€umen können umfassende Diagnostiken nur noch fĂŒr bereits bekannte Patient:innen anbieten, du wirst das leider kennen.
Es kann sich deshalb sehr lohnen,
- den Suchradius bewusst zu erweitern (z.B. 50â100 km Umkreis),
- auch in NachbarbundeslĂ€ndern oder gröĂeren StĂ€dten anzufragen,
- lĂ€ngere Anfahrten fĂŒr wenige, aber gut geplante Untersuchungstermine in Kauf zu nehmen.
Gerade wenn dein Kind stark belastet ist (massive Schulprobleme, Ausgrenzung, starke emotionale Krisen), ist eine etwas weitere Fahrtstrecke oft die schnellere und letztlich entlastendere Lösung.
Privatpatient:in â hat man bessere Chancen?
Konkrete Zahlen zum Unterschied zwischen gesetzlich und privat Versicherten in der ADHSâDiagnostik bei Kindern sind kaum verfĂŒgbar. Trotzdem zeigen Angebotsstrukturen einige Tendenzen:
- Es gibt zunehmend Praxen und OnlineâAngebote, die ADHSâDiagnostik vor allem oder ausschlieĂlich als Selbstzahlerâ bzw. Privatleistung anbieten und explizit mit âkurzen Wartezeitenâ werben.
- Solche Angebote unterliegen nicht der strengen Bedarfsplanung des Kassensystems und können dadurch oft schneller Termine vergeben, sind aber finanziell nicht fĂŒr alle Familien machbar. Die Kosten liegen etwa zwischen 500-900âŹ, abhĂ€ngig von der Anzahl der durchzufĂŒhrenden Tests und Anbieter.
Wenn dein Kind privat versichert ist oder du eine SelbstzahlerâDiagnostik in Betracht ziehst, kann das die Wartezeit verkĂŒrzen â du solltest aber genau prĂŒfen:
- Wer diagnostiziert (Facharzt / FachĂ€rztin fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderâ und Jugendlichenpsychotherapeut:in, erfahrene Kinderâ und Jugendpsycholog:in).
- Ob nach anerkannten Leitlinien diagnostiziert wird (mehrere GesprÀche, Fragebögen, Fremdbeurteilungen, ggf. Leistungsdiagnostik, körperliche Basisdiagnostik).
- Ob der Abschlussbericht so formuliert ist, dass Schule, Jugendamt oder Krankenkassen ihn anerkennen, sprich es ein Arztbrief ist.
Telemedizin und OnlineâTestung: Wie sinnvoll ist das?
Durch CoronaâPandemie und Digitalisierung haben sich telemedizinische Angebote stark entwickelt. FĂŒr ADHS gilt:
- Das Forschungsprojekt INTEGRATEâADHD zeigt, dass eine leitliniengerechte ADHSâDiagnostik bei Kindern und Jugendlichen auch online möglich ist, wenn strukturierte Interviews, standardisierte Fragebögen, Leistungstests und eine klare DiagnostikâMatrix eingesetzt werden.
- Wichtig ist, dass die OnlineâDiagnostik sich an denselben Leitlinien orientiert wie VorâOrtâDiagnostik â also nicht nur ein kurzer Videocall oder ein einzelner Fragebogen bearbeitet werden.
Was Telemedizin gut kann:
- Entlastung bei sehr langen Wartezeiten vor Ort (z.B. durch OnlineâAnamnesegesprĂ€che, digitale Fragebögen).
- ErgÀnzende EinschÀtzung, wenn du weite Wege zur nÀchsten spezialisierten Praxis hast.
- In EinzelfÀllen vollstÀndige Diagnostik, wenn ein fachlich qualifiziertes Team dahintersteht.
Wichtig zu wissen:
- Reine OnlineâSelbsttests (z.B. unser ADHS Test) können dir helfen, den Verdacht zu strukturieren, ersetzen aber keine klinische Diagnose.
- Viele Leitlinien betonen, dass körperliche Ursachen (z.B. Sehâ/Hörstörungen, andere Erkrankungen) ausgeschlossen werden mĂŒssen â das erfordert zumindest einmal eine körperliche Untersuchung bei Kinderarzt oder KinderĂ€rztin. Dies kann z.B. vorab erfolgen.
Du kannst Telemedizin also gut als Baustein nutzen: Ersttelefonat, VideoâErstgesprĂ€ch, strukturierte OnlineâFragebögen â kombiniert mit mindestens einem VorâOrtâTermin fĂŒr die körperliche Basisdiagnostik und ggf. Tests.
Was du trotz Wartezeit schon tun kannst
Lange Wartezeiten fĂŒhlen sich oft ohnmĂ€chtig an, aber du bist dieser Zeit nicht ausgeliefert. Parallel zur Terminsuche kannst du:
- GesprĂ€che mit Schule/Kindergarten fĂŒhren, Beobachtungen sammeln und dokumentieren (z.B. mit einem ADHS Beobachtungstagebuch, welches spĂ€tere Diagnostikstellen gern sehen).
- Strukturen im Alltag anpassen: feste Routinen, klare, kurze Anweisungen, bewegte Pausen, visuelle PlĂ€ne â das hilft vielen Kindern mit Aufmerksamkeitsâ und ImpulsivitĂ€tsproblemen, auch ohne fertige Diagnose.
- Beratungsstellen nutzen (Erziehungsberatung, Schulpsychologie), um akute Konflikte zu entschĂ€rfen und Ăbergangsstrategien zu entwickeln.
All diese Schritte werden dir spĂ€ter im ErstgesprĂ€ch helfen, weil du dann sehr konkret schildern kannst, was ihr schon ausprobiert habt und wo ihr trotzdem an Grenzen stoĂt.
Checkliste: So bereitest du dich auf den Termin vor
Damit du, sobald du einen Termin hast, das Maximum aus Step 2 der ADHS-Journey© herausholst, kannst du dich Àhnlich vorbereiten wie auf das ErstgesprÀch beim Kinderarzt:
- Notiere dir konkrete VerhaltensauffĂ€lligkeiten (z.B. extreme Unruhe, stĂ€ndige Ablenkbarkeit, emotionale AusbrĂŒche) mit Beispielen aus Alltag und Schule. Nutze hierzu gerne unser ADHS Tagebuch.
- Halte fest, seit wann diese Probleme auftreten und ob es Phasen gab, in denen es besser oder schlechter war.
- Sammle RĂŒckmeldungen von Lehrkraft, Erzieher:innen oder Trainer:innen â gern schriftlich oder als Stichpunkte.
- Liste auf, welche MaĂnahmen ihr schon ausprobiert habt (Hausaufgabenstruktur, Lernförderung, Therapien) und wie dein Kind darauf reagiert hat.
- PrĂŒfe, welche Vorbefunde es gibt (UâUntersuchungen, Hörâ/Sehtests, frĂŒhere Diagnosen) und bringe Kopien mit.
So zeigst du dem Behandlungsteam: Du kennst dein Kind, du hast den Alltag genau im Blick â und du bist bereit, gemeinsam den nĂ€chsten Schritt in eurer ADHSâJourney zu gehen.
HĂ€ufig gestellte Fragen (FAQ)
Du siehst, mit einer angepassten Strategie erhÀltst du gut einen Termin zur ADHS-Testung. Wartezeiten sind leider die Regel, aber mit Durchhaltevermögen und Zuversicht klappt es!
Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschlieĂlich der Information und AufklĂ€rung. Sie ersetzt keine Ă€rztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte FachkrĂ€fte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).
