Hilfe bei ADHS in der Schule

Die Schule ist für Kinder mit ADHS oft der schwierigste und gleichzeitig wichtigste Bereich.

Lange still sitzen, konzentriert arbeiten, Anweisungen befolgen, all das fällt Kindern mit ADHS besonders schwer. Doch es gibt konkrete Möglichkeiten, wie dein Kind in der Schule unterstützt werden kann.

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Wir behandeln das Thema ADHS bei deinem Kind als ADHS-Journey© in 8 Steps, du bist hier:

Step 7: Hilfe in der Schule, ausführlicher Ratgeber für Eltern

Inhaltsverzeichnis

Der Austausch mit Lehrern ist zentral, so dass der erste und wichtigste Schritt ein offenes, konstruktives Gespräch mit den Lehrkräften ist. Informiere sie über die ADHS-Diagnose und erkläre, was das für den Schulalltag bedeutet. Die meisten Lehrer sind dankbar für diese Information und möchten helfen – sie brauchen aber dein Wissen und deine Unterstützung.

Vorbereitung auf das Lehrergespräch

Ein gut vorbereitetes Gespräch ist entscheidend für einen positiven Ausgang. Hier ist eine konkrete Struktur für deine Vorbereitung:

Schritt 1: Sammle deine Gedanken und Materialien

Bevor du das Gespräch mit der Lehrkraft führst, solltest du folgende Unterlagen bereithalten:

  • Den ärztlichen Befundbericht oder Arztbrief mit der ADHS-Diagnose
  • Alle anderen medizinischen Unterlagen, die relevant sind (z. B. psychologische Gutachten)
  • Eine schriftliche Liste mit den Herausforderungen, die dein Kind in der Schule hat
  • Beobachtungen aus deinem Zuhause, die für die Lehrkraft wertvoll sind

Schritt 2: Analysiere die schulischen Probleme konkret

Notiere dir ganz konkrete Beispiele von Schwierigkeiten:

  • Wo genau hat dein Kind Probleme? (Im Unterricht? Bei Hausaufgaben? In der Gruppe?)
  • Wann treten diese Probleme auf? (Morgens? Nach der Pause? Bei bestimmten Fächern?)
  • Wie häufig beobachtest du diese Probleme?
  • Welche Situationen sind am stressigsten?

Schritt 3: Formuliere konkrete Wünsche und Vorschläge

Bringe nicht nur Probleme zur Sprache, sondern auch Lösungsvorschläge:

  • „Könntet ihr ein Hausaufgabenheft-Kontrollsystem ausprobieren?“
  • „Könnte mein Kind einen Sitzplatz in der Nähe deines Pults haben?“
  • „Wäre es möglich, dass du die Hausaufgaben noch einmal durchgehst?“

Schritt 4: Signalisiere Kooperationsbereitschaft

Das Wichtigste ist zu vermitteln: „Ich möchte MIT dir zusammenarbeiten, nicht gegen dich!“ Das bedeutet:

  • Betone, dass die Lehrkraft ein Partner ist, keine Gegnerin
  • Signalisiere, dass du auch deinen Teil der Verantwortung trägst
  • Mache klar, dass du die Schule unterstützen möchtest und keine unrealistischen Forderungen stellst

Der Gesprächsleitfaden: Schritt für Schritt

Nutze diese konkrete Struktur für das Gespräch selbst:

Eröffnung (2 Minuten):

  • Bedanke dich für die Zeit der Lehrkraft
  • Erkläre kurz den Grund des Gesprächs: „Ich möchte dir helfen zu verstehen, wie ich mein Kind unterstützen kann und wie wir gemeinsam seine Schulleistungen verbessern.“

Informationsvermittlung (5 Minuten):

  • Erkläre in einfachen Worten, was ADHS bedeutet
  • Nutze Formulierungen wie: „ADHS ist eine neurologische Besonderheit, die sich auf die Aufmerksamkeit, Impulssteuerung und Bewegungsregulation auswirkt.“
  • Erkläre, dass dein Kind nicht absichtlich störend ist, sondern dass es wirklich Mühe mit bestimmten Anforderungen hat
  • Reiche den Arztbrief ein

Beobachtungen aus der Schule (3-5 Minuten):

  • Frage gezielt nach: „Wie erleben Sie die Aufmerksamkeit meines Kindes im Unterricht?“
  • Frage nach Stärken: „Was geht meinem Kind besonders gut?“
  • Frage nach Herausforderungen: „Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten?“
  • Lasse die Lehrkraft ihre Perspektive ausführlich schildern

Austausch über Lösungen (5-10 Minuten):

  • Stelle deine vorbereiteten Fragen und Vorschläge vor
  • Arbeite gemeinsam mit der Lehrkraft an Ideen
  • Frage, welche Maßnahmen die Lehrkraft bereits für hilfreich hält
  • Einigt euch auf konkrete, umsetzbare Maßnahmen

Vereinbarungen (2-3 Minuten):

  • Fasst zusammen, was ihr besprochen habt
  • Legt fest, wer was bis wann tut
  • Vereinbart regelmäßige Rückmeldungsgespräche (z. B. alle 6 Wochen)
  • Dokumentiert die Absprachen kurz schriftlich (für beide)

Nachteilsausgleich und wie beantragen

Hilfe in der Schule für Kind mit ADHS
Kinder mit ADHS benötigen Hilfe in der Schule

Kinder mit ADHS haben Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet: Sie erhalten in der Schule besondere Unterstützung, um ihre Nachteile auszugleichen – nicht um bevorzugt zu werden, sondern um faire Chancen zu erhalten.

Das Wichtigste über Nachteilsausgleich

Nachteilsausgleich ist NICHT dasselbe wie Notenschutz:

  • Nachteilsausgleich verändert die Prozesse (wie dein Kind arbeitet). Beispiel: Zeitverlängerung bei Arbeiten
  • Notenschutz verändert die Bewertung (wie die Noten vergeben werden). Beispiel: Rechtschreibung wird nicht bewertet

Beide können zusammen beantragt werden, sind aber unterschiedliche Dinge.

So beantragst du einen Nachteilsausgleich

Der Nachteilsausgleich wird bei der Schulleitung beantragt. Du benötigst dafür:

  • Ein ärztliches Attest oder einen ausführlichen Befundbericht
  • Einen formlosen Antrag an die Schulleitung
  • Konkrete Vorschläge, welche Maßnahmen helfen könnten

Das Schreiben an die Schulleitung sollte enthalten:

Sehr geehrte Schulleitung,

hiermit beantragen wir einen Nachteilsausgleich für unser Kind
[Name, Klasse]. Unserem Kind wurde die Diagnose ADHS durch
[Facharzt/psychologische Beratung] diagnostiziert (Befundbericht anbei).

Wir beantragen folgende Maßnahmen:
- [konkrete Maßnahme 1]
- [konkrete Maßnahme 2]
- [konkrete Maßnahme 3]

Wir bitten um befristete Genehmigung bis [Datum] mit Evaluation
zum [Termin]. Wir stehen gerne für Rückfragen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,
[Elternname und Unterschrift]

Der Antrag muss schriftlich eingereicht werden – dies ist wichtig für die Dokumentation.

Mögliche Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs

  • Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten: 10-25% mehr Zeit, um die Aufgaben zu bearbeiten
  • Reizreduzierter Arbeitsplatz: Schreiben von Arbeiten in einem separaten Raum ohne Ablenkung
  • Sitzplatz in der Nähe des Lehrers: Bessere Aufmerksamkeit, schnellere Hilfe bei Fragen
  • Mündliche statt schriftliche Prüfungen: Wenn die Schriftsprache eine besondere Hürde darstellt
  • Reduzierung des Aufgabenumfangs: Weniger Aufgaben bei gleichem Schwierigkeitsgrad
  • Flexible Pausenregelungen: Kurze Bewegungspausen während des Unterrichts
  • Nutzung technischer Hilfsmittel: Laptop, Tablet, Aufnahmegerät bei Bedarf
  • Aufgaben in kleinere Portionen teilen: Schrittweise Abarbeitung statt großer Blöcke

INFO: Der Nachteilsausgleich wird NICHT im Zeugnis vermerkt. Dein Kind erhält die gleichen Noten wie alle anderen – nur die Bedingungen werden angepasst.

Strukturhilfen im Unterricht

Auch ohne offiziellen Nachteilsausgleich können Lehrer viel tun, um Kinder mit ADHS zu unterstützen:

  • Klare Strukturen und Routinen: Vorhersehbarer Tagesablauf, feste Rituale
  • Visualisierung: Tafelbilder, Arbeitspläne, Checklisten helfen bei der Orientierung
  • Kurze, präzise Anweisungen: Nicht zu viele Informationen auf einmal
  • Positive Verstärkung: Lob für erwünschtes Verhalten wirkt motivierend
  • Bewegungspausen: Kurze Aktivierungsübungen zwischen Arbeitsphasen
  • Ruheecke: Ein Ort, an den sich das Kind zurückziehen kann, wenn es überfordert ist

Hausaufgaben: Eine besondere Herausforderung bei ADHS

Hausaufgaben sind für Familien mit ADHS-Kindern oft ein Hauptstressfaktor. Hier einige bewährte Strategien:

Struktur schaffen

  • Fester Zeitpunkt und Ort für Hausaufgaben
  • Reizarme Umgebung (kein TV, Handy aus, aufgeräumter Schreibtisch)
  • Alle Materialien bereitstellen vor Beginn
  • Zeitbegrenzung: Nicht endlos, sondern feste Zeitfenster

Aufgaben aufteilen

  • Große Aufgaben in kleine Portionen teilen
  • Nach jedem Teil: kurze Pause (5 Min. Bewegung)
  • Checkliste: Jede erledigte Aufgabe abhaken
  • Belohnungssystem: Nach Hausaufgaben etwas Schönes

Wochenplan und Hausaufgabenheft

Kinder mit ADHS verlieren leicht den Überblick. Hilfreich sind:

  • Hausaufgabenheft: Täglich kontrollieren, ob alle Aufgaben notiert sind. Bei jüngeren Kindern: Lehrer bitten, das Heft zu kontrollieren.
  • Wochenplan: Übersicht über Tests, Abgabetermine, Besonderheiten visualisieren
  • Packliste: Checkliste, welche Materialien für den nächsten Tag eingepackt werden müssen

Keine Überforderung

Manchmal ist weniger mehr. Wenn die Hausaufgaben regelmäßig in Stress und Tränen enden, sprich mit den Lehrern über eine Reduzierung. Ein erschöpftes, frustriertes Kind lernt nichts – auch wenn es noch eine Stunde länger am Schreibtisch sitzt.

Schulbegleitung bei Bedarf

In schweren Fällen kann eine Schulbegleitung (Integrationshilfe) beantragt werden. Diese Person unterstützt dein Kind individuell im Unterricht, hilft bei der Strukturierung, erinnert an Aufgaben und greift in Krisensituationen ein. Die Schulbegleitung wird beim zuständigen Sozial- oder Jugendamt beantragt.


Hier sind noch zusätzliche Ressourcen, die euch im Schulalltag helfen können:

📄 Packliste für die Schule

Individuelle Wochenplaner kostenlos für dein Kind

📄 Checkliste für Hausaufgaben

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sollte ich der Schule von der ADHS-Diagnose erzählen?

Ja, unbedingt. Informiere die Lehrkraft über die Diagnose und erkläre, was das für den Schulalltag bedeutet. Die meisten Lehrer sind dankbar für diese Information und möchten helfen – sie brauchen aber dein Wissen. Ein gut vorbereitetes, konstruktives Gespräch ist der wichtigste erste Schritt. Bereite dich vor: Arztbrief, konkrete Beispiele von Schwierigkeiten, und Lösungsvorschläge mitnehmen.

Was ist ein Nachteilsausgleich und wie beantrage ich ihn?

Nachteilsausgleich bedeutet, dass die Schule die Bedingungen anpasst – nicht die Bewertung. Beispiele: Zeitverlängerung bei Arbeiten, reizarmer Arbeitsplatz, Sitzplatz vorne. Das ist nicht Bevorzugung, sondern faire Chancen für dein Kind. Du beantragst ihn schriftlich bei der Schulleitung mit deinem Arztbrief. Der Antrag wird NICHT im Zeugnis vermerkt – dein Kind erhält gleiche Noten wie alle anderen, nur unter angepassten Bedingungen.

Welche konkreten Maßnahmen können helfen?

Im Unterricht: Klare Strukturen, feste Routinen, kurze präzise Anweisungen, Visualisierung (Tafelbilder, Checklisten), positive Verstärkung, Bewegungspausen, reizarmer Arbeitsplatz. Bei Arbeiten: 10–25% Zeitverlängerung, separater ruhiger Raum, reduzierter Aufgabenumfang. Allgemein: Sitzplatz neben der Lehrkraft, mündliche statt schriftliche Prüfungen, technische Hilfsmittel (Laptop), Aufgaben in kleinere Portionen teilen.

Hausaufgaben enden immer in Stress – was kann ich tun?

Struktur ist wichtig: Fester Zeitpunkt und Ort, reizarme Umgebung (kein TV, Handy weg), alle Materialien bereitstellen. Aufgaben aufteilen: Große Aufgaben in kleine Portionen mit kurzen Pausen (5 Min. Bewegung). Hilfsmittel: Checklisten zum Abhaken, Belohnungssystem, Hausaufgabenheft täglich kontrollieren. Wichtig: Wenn es regelmäßig in Tränen endet, sprich mit den Lehrern über Reduzierung – ein erschöpftes Kind lernt nichts, auch wenn es länger sitzt.

Wie führe ich ein erfolgreiches Gespräch mit der Lehrkraft?

Vorbereitung: Arztbrief, konkrete Beispiele von Schwierigkeiten, Lösungsvorschläge mitnehmen. Im Gespräch: Bedank dich, erkläre kurz was ADHS ist, frage nach Stärken und Herausforderungen, stelle deine Vorschläge vor. Wichtig: Signalisiere „Ich möchte MIT dir zusammenarbeiten, nicht gegen dich!“ Abschluss: Konkrete Vereinbarungen schriftlich festhalten: wer was bis wann tut, regelmäßige Rückmeldungsgespräche alle 6 Wochen.

Braucht mein Kind eine Schulbegleitung?

Nur in schweren Fällen. Eine Schulbegleitung (Integrationshilfe) unterstützt dein Kind individuell im Unterricht, hilft bei Struktur, erinnert an Aufgaben und greift in Krisen ein. Du beantragst sie beim Sozial- oder Jugendamt. Sie ist sinnvoll, wenn dein Kind ohne individuelle Unterstützung nicht am Unterricht teilhaben kann – aber nicht die Standardlösung.


Vertiefende Beiträge zu Hilfe bei ADHS in der Schule

Nun fehlt noch der Alltag mit ADHS daheim.


Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).