Die Schule ist für Kinder mit ADHS oft der schwierigste und gleichzeitig wichtigste Bereich.
Lange still sitzen, konzentriert arbeiten, Anweisungen befolgen, all das fällt Kindern mit ADHS besonders schwer. Doch es gibt konkrete Möglichkeiten, wie dein Kind in der Schule unterstützt werden kann.
↓ Scrolle weiter, wir helfen dir ↓
Step 7: Hilfe in der Schule, ausführlicher Ratgeber für Eltern
Inhaltsverzeichnis
- Vorbereitung auf das Lehrergespräch
- Der Gesprächsleitfaden
- Nachteilsausgleich und wie beantragen
- Mögliche Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs
- Strukturhilfen im Unterricht
- Hausaufgaben = besondere Herausforderung bei ADHS
- Schulbegleitung bei Bedarf
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Vertiefende Beiträge
Der Austausch mit Lehrern ist zentral, so dass der erste und wichtigste Schritt ein offenes, konstruktives Gespräch mit den Lehrkräften ist. Informiere sie über die ADHS-Diagnose und erkläre, was das für den Schulalltag bedeutet. Die meisten Lehrer sind dankbar für diese Information und möchten helfen – sie brauchen aber dein Wissen und deine Unterstützung.
Vorbereitung auf das Lehrergespräch
Ein gut vorbereitetes Gespräch ist entscheidend für einen positiven Ausgang. Hier ist eine konkrete Struktur für deine Vorbereitung:
Schritt 1: Sammle deine Gedanken und Materialien
Bevor du das Gespräch mit der Lehrkraft führst, solltest du folgende Unterlagen bereithalten:
- Den ärztlichen Befundbericht oder Arztbrief mit der ADHS-Diagnose
- Alle anderen medizinischen Unterlagen, die relevant sind (z. B. psychologische Gutachten)
- Eine schriftliche Liste mit den Herausforderungen, die dein Kind in der Schule hat
- Beobachtungen aus deinem Zuhause, die für die Lehrkraft wertvoll sind
Schritt 2: Analysiere die schulischen Probleme konkret
Notiere dir ganz konkrete Beispiele von Schwierigkeiten:
- Wo genau hat dein Kind Probleme? (Im Unterricht? Bei Hausaufgaben? In der Gruppe?)
- Wann treten diese Probleme auf? (Morgens? Nach der Pause? Bei bestimmten Fächern?)
- Wie häufig beobachtest du diese Probleme?
- Welche Situationen sind am stressigsten?
Schritt 3: Formuliere konkrete Wünsche und Vorschläge
Bringe nicht nur Probleme zur Sprache, sondern auch Lösungsvorschläge:
- „Könntet ihr ein Hausaufgabenheft-Kontrollsystem ausprobieren?“
- „Könnte mein Kind einen Sitzplatz in der Nähe deines Pults haben?“
- „Wäre es möglich, dass du die Hausaufgaben noch einmal durchgehst?“
Schritt 4: Signalisiere Kooperationsbereitschaft
Das Wichtigste ist zu vermitteln: „Ich möchte MIT dir zusammenarbeiten, nicht gegen dich!“ Das bedeutet:
- Betone, dass die Lehrkraft ein Partner ist, keine Gegnerin
- Signalisiere, dass du auch deinen Teil der Verantwortung trägst
- Mache klar, dass du die Schule unterstützen möchtest und keine unrealistischen Forderungen stellst
Der Gesprächsleitfaden: Schritt für Schritt
Nutze diese konkrete Struktur für das Gespräch selbst:
Eröffnung (2 Minuten):
- Bedanke dich für die Zeit der Lehrkraft
- Erkläre kurz den Grund des Gesprächs: „Ich möchte dir helfen zu verstehen, wie ich mein Kind unterstützen kann und wie wir gemeinsam seine Schulleistungen verbessern.“
Informationsvermittlung (5 Minuten):
- Erkläre in einfachen Worten, was ADHS bedeutet
- Nutze Formulierungen wie: „ADHS ist eine neurologische Besonderheit, die sich auf die Aufmerksamkeit, Impulssteuerung und Bewegungsregulation auswirkt.“
- Erkläre, dass dein Kind nicht absichtlich störend ist, sondern dass es wirklich Mühe mit bestimmten Anforderungen hat
- Reiche den Arztbrief ein
Beobachtungen aus der Schule (3-5 Minuten):
- Frage gezielt nach: „Wie erleben Sie die Aufmerksamkeit meines Kindes im Unterricht?“
- Frage nach Stärken: „Was geht meinem Kind besonders gut?“
- Frage nach Herausforderungen: „Wo sehen Sie die größten Schwierigkeiten?“
- Lasse die Lehrkraft ihre Perspektive ausführlich schildern
Austausch über Lösungen (5-10 Minuten):
- Stelle deine vorbereiteten Fragen und Vorschläge vor
- Arbeite gemeinsam mit der Lehrkraft an Ideen
- Frage, welche Maßnahmen die Lehrkraft bereits für hilfreich hält
- Einigt euch auf konkrete, umsetzbare Maßnahmen
Vereinbarungen (2-3 Minuten):
- Fasst zusammen, was ihr besprochen habt
- Legt fest, wer was bis wann tut
- Vereinbart regelmäßige Rückmeldungsgespräche (z. B. alle 6 Wochen)
- Dokumentiert die Absprachen kurz schriftlich (für beide)
Nachteilsausgleich und wie beantragen

Kinder mit ADHS haben Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Das bedeutet: Sie erhalten in der Schule besondere Unterstützung, um ihre Nachteile auszugleichen – nicht um bevorzugt zu werden, sondern um faire Chancen zu erhalten.
Das Wichtigste über Nachteilsausgleich
Nachteilsausgleich ist NICHT dasselbe wie Notenschutz:
- Nachteilsausgleich verändert die Prozesse (wie dein Kind arbeitet). Beispiel: Zeitverlängerung bei Arbeiten
- Notenschutz verändert die Bewertung (wie die Noten vergeben werden). Beispiel: Rechtschreibung wird nicht bewertet
Beide können zusammen beantragt werden, sind aber unterschiedliche Dinge.
So beantragst du einen Nachteilsausgleich
Der Nachteilsausgleich wird bei der Schulleitung beantragt. Du benötigst dafür:
- Ein ärztliches Attest oder einen ausführlichen Befundbericht
- Einen formlosen Antrag an die Schulleitung
- Konkrete Vorschläge, welche Maßnahmen helfen könnten
Das Schreiben an die Schulleitung sollte enthalten:
Sehr geehrte Schulleitung,
hiermit beantragen wir einen Nachteilsausgleich für unser Kind
[Name, Klasse]. Unserem Kind wurde die Diagnose ADHS durch
[Facharzt/psychologische Beratung] diagnostiziert (Befundbericht anbei).
Wir beantragen folgende Maßnahmen:
- [konkrete Maßnahme 1]
- [konkrete Maßnahme 2]
- [konkrete Maßnahme 3]
Wir bitten um befristete Genehmigung bis [Datum] mit Evaluation
zum [Termin]. Wir stehen gerne für Rückfragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,
[Elternname und Unterschrift]
Der Antrag muss schriftlich eingereicht werden – dies ist wichtig für die Dokumentation.
Mögliche Maßnahmen im Rahmen des Nachteilsausgleichs
- Zeitverlängerung bei Klassenarbeiten: 10-25% mehr Zeit, um die Aufgaben zu bearbeiten
- Reizreduzierter Arbeitsplatz: Schreiben von Arbeiten in einem separaten Raum ohne Ablenkung
- Sitzplatz in der Nähe des Lehrers: Bessere Aufmerksamkeit, schnellere Hilfe bei Fragen
- Mündliche statt schriftliche Prüfungen: Wenn die Schriftsprache eine besondere Hürde darstellt
- Reduzierung des Aufgabenumfangs: Weniger Aufgaben bei gleichem Schwierigkeitsgrad
- Flexible Pausenregelungen: Kurze Bewegungspausen während des Unterrichts
- Nutzung technischer Hilfsmittel: Laptop, Tablet, Aufnahmegerät bei Bedarf
- Aufgaben in kleinere Portionen teilen: Schrittweise Abarbeitung statt großer Blöcke
INFO: Der Nachteilsausgleich wird NICHT im Zeugnis vermerkt. Dein Kind erhält die gleichen Noten wie alle anderen – nur die Bedingungen werden angepasst.
Strukturhilfen im Unterricht
Auch ohne offiziellen Nachteilsausgleich können Lehrer viel tun, um Kinder mit ADHS zu unterstützen:
- Klare Strukturen und Routinen: Vorhersehbarer Tagesablauf, feste Rituale
- Visualisierung: Tafelbilder, Arbeitspläne, Checklisten helfen bei der Orientierung
- Kurze, präzise Anweisungen: Nicht zu viele Informationen auf einmal
- Positive Verstärkung: Lob für erwünschtes Verhalten wirkt motivierend
- Bewegungspausen: Kurze Aktivierungsübungen zwischen Arbeitsphasen
- Ruheecke: Ein Ort, an den sich das Kind zurückziehen kann, wenn es überfordert ist
Hausaufgaben: Eine besondere Herausforderung bei ADHS
Hausaufgaben sind für Familien mit ADHS-Kindern oft ein Hauptstressfaktor. Hier einige bewährte Strategien:
Struktur schaffen
- Fester Zeitpunkt und Ort für Hausaufgaben
- Reizarme Umgebung (kein TV, Handy aus, aufgeräumter Schreibtisch)
- Alle Materialien bereitstellen vor Beginn
- Zeitbegrenzung: Nicht endlos, sondern feste Zeitfenster
Aufgaben aufteilen
- Große Aufgaben in kleine Portionen teilen
- Nach jedem Teil: kurze Pause (5 Min. Bewegung)
- Checkliste: Jede erledigte Aufgabe abhaken
- Belohnungssystem: Nach Hausaufgaben etwas Schönes
Wochenplan und Hausaufgabenheft
Kinder mit ADHS verlieren leicht den Überblick. Hilfreich sind:
- Hausaufgabenheft: Täglich kontrollieren, ob alle Aufgaben notiert sind. Bei jüngeren Kindern: Lehrer bitten, das Heft zu kontrollieren.
- Wochenplan: Übersicht über Tests, Abgabetermine, Besonderheiten visualisieren
- Packliste: Checkliste, welche Materialien für den nächsten Tag eingepackt werden müssen
Keine Überforderung
Manchmal ist weniger mehr. Wenn die Hausaufgaben regelmäßig in Stress und Tränen enden, sprich mit den Lehrern über eine Reduzierung. Ein erschöpftes, frustriertes Kind lernt nichts – auch wenn es noch eine Stunde länger am Schreibtisch sitzt.
Schulbegleitung bei Bedarf
In schweren Fällen kann eine Schulbegleitung (Integrationshilfe) beantragt werden. Diese Person unterstützt dein Kind individuell im Unterricht, hilft bei der Strukturierung, erinnert an Aufgaben und greift in Krisensituationen ein. Die Schulbegleitung wird beim zuständigen Sozial- oder Jugendamt beantragt.
Hier sind noch zusätzliche Ressourcen, die euch im Schulalltag helfen können:
📄 Packliste für die Schule
Individuelle Wochenplaner kostenlos für dein Kind
📄 Checkliste für Hausaufgaben
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sollte ich der Schule von der ADHS-Diagnose erzählen?
Ja, unbedingt. Informiere die Lehrkraft über die Diagnose und erkläre, was das für den Schulalltag bedeutet. Die meisten Lehrer sind dankbar für diese Information und möchten helfen – sie brauchen aber dein Wissen. Ein gut vorbereitetes, konstruktives Gespräch ist der wichtigste erste Schritt. Bereite dich vor: Arztbrief, konkrete Beispiele von Schwierigkeiten, und Lösungsvorschläge mitnehmen.
Was ist ein Nachteilsausgleich und wie beantrage ich ihn?
Nachteilsausgleich bedeutet, dass die Schule die Bedingungen anpasst – nicht die Bewertung. Beispiele: Zeitverlängerung bei Arbeiten, reizarmer Arbeitsplatz, Sitzplatz vorne. Das ist nicht Bevorzugung, sondern faire Chancen für dein Kind. Du beantragst ihn schriftlich bei der Schulleitung mit deinem Arztbrief. Der Antrag wird NICHT im Zeugnis vermerkt – dein Kind erhält gleiche Noten wie alle anderen, nur unter angepassten Bedingungen.
Welche konkreten Maßnahmen können helfen?
Im Unterricht: Klare Strukturen, feste Routinen, kurze präzise Anweisungen, Visualisierung (Tafelbilder, Checklisten), positive Verstärkung, Bewegungspausen, reizarmer Arbeitsplatz. Bei Arbeiten: 10–25% Zeitverlängerung, separater ruhiger Raum, reduzierter Aufgabenumfang. Allgemein: Sitzplatz neben der Lehrkraft, mündliche statt schriftliche Prüfungen, technische Hilfsmittel (Laptop), Aufgaben in kleinere Portionen teilen.
Hausaufgaben enden immer in Stress – was kann ich tun?
Struktur ist wichtig: Fester Zeitpunkt und Ort, reizarme Umgebung (kein TV, Handy weg), alle Materialien bereitstellen. Aufgaben aufteilen: Große Aufgaben in kleine Portionen mit kurzen Pausen (5 Min. Bewegung). Hilfsmittel: Checklisten zum Abhaken, Belohnungssystem, Hausaufgabenheft täglich kontrollieren. Wichtig: Wenn es regelmäßig in Tränen endet, sprich mit den Lehrern über Reduzierung – ein erschöpftes Kind lernt nichts, auch wenn es länger sitzt.
Wie führe ich ein erfolgreiches Gespräch mit der Lehrkraft?
Vorbereitung: Arztbrief, konkrete Beispiele von Schwierigkeiten, Lösungsvorschläge mitnehmen. Im Gespräch: Bedank dich, erkläre kurz was ADHS ist, frage nach Stärken und Herausforderungen, stelle deine Vorschläge vor. Wichtig: Signalisiere „Ich möchte MIT dir zusammenarbeiten, nicht gegen dich!“ Abschluss: Konkrete Vereinbarungen schriftlich festhalten: wer was bis wann tut, regelmäßige Rückmeldungsgespräche alle 6 Wochen.
Braucht mein Kind eine Schulbegleitung?
Nur in schweren Fällen. Eine Schulbegleitung (Integrationshilfe) unterstützt dein Kind individuell im Unterricht, hilft bei Struktur, erinnert an Aufgaben und greift in Krisen ein. Du beantragst sie beim Sozial- oder Jugendamt. Sie ist sinnvoll, wenn dein Kind ohne individuelle Unterstützung nicht am Unterricht teilhaben kann – aber nicht die Standardlösung.
Vertiefende Beiträge zu Hilfe bei ADHS in der Schule
-
Wie du mit Lehrern, Klassenkameraden und anderen Eltern über die ADHS‑Diagnose deines Kindes sprichst
Wenn bei deinem Kind ADHS diagnostiziert wurde – oder du einen starken Verdacht hast – ist die Frage „Wem sage ich was, und wie?“ oft emotional viel größer, als man vorher denkt. Du willst dein …
-
Wie lernen ADHS-Kinder am besten?
Dein Kind hat ADHS und die Schule wird zum Kampfplatz? Hausaufgaben enden in Tränen und Frust? Dann fragst du dir wahrscheinlich: Wie kann mein Kind überhaupt noch lernen, wenn die Konzentration immer wieder wegdriftet? Inhaltsverzeichnis …
-
Nachteilsausgleich beantragen: Schritt-für-Schritt bei ADHS-Kind
Dein Kind hat die ADHS-Diagnose bekommen – und jetzt fragst du dich: Was bedeutet das für die Schule? Wie kann ich dein Kind unterstützen, damit es in diesem System nicht untergeht? Inhaltsverzeichnis Eine wichtige Antwort …
Nun fehlt noch der Alltag mit ADHS daheim.
Wichtiger Hinweis: Diese Website dient ausschließlich der Information und Aufklärung. Sie ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Bei Fragen zur Gesundheit deines Kindes wende dich bitte immer an qualifizierte Fachkräfte (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychotherapeuten).



